Lade Inhalte...

Neue Landebahn Die Wut wächst

Über steigenden Fluglärm klagen inzwischen auch Menschen in der Mitte und im Osten des Kreises Offenbach

Protest gegen Fluglärm bei der Montagsdemo im Flughafen. Foto: dapd

So schlimm wie in Neu-Isenburg, in Offenbach, im Süden von Frankfurt oder in Flörsheim, wo die Flugzeuge 18 Stunden am Tag im Minutentakt über die Dächer donnern, ist es nicht. Aber auch in bisher vom Lärm fast verschonten Gebieten des Kreises Offenbach klagen mehr Menschen als früher, dass sie nachts aufwachen, wächst die Wut.

Einige Flugzeuge seien so laut, dass in ihrer Wohnung im siebten Stock eines Hauses an der Rodgaustraße die Gläser klirren und die Kleiderbügel zu sirren beginnen, sagt Andrea Wacker-Hempel, die für die Grüne Dietzenbacher Liste im Stadtparlament sitzt. „Das Phänomen gab es vor einem Jahr noch nicht.“ Der Fluglärm habe bei Ostwetterlage seit der Eröffnung der neuen Landebahn extrem stark zugenommen.

Nach ihrer Beobachtung sind die Flugzeuge zudem niedriger unterwegs. „So niedrig wie zuletzt im Irak-Krieg“, meint Wacker-Hempel. Auch die Menschen in Ober-Roden und Urberach, die bisher in erster Linie über Business-Jets auf dem Landeanflug zum Flugplatz Egelsbach klagten, spüren mehr Lärm. Bei Ostwind führt der Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen über den Rödermärker Süden – und das „sichtbar niedriger und damit deutlich hörbarer als in den früheren Jahren“, sagt Rainer Hoffmann von der Bürgergruppe gegen Fluglärm und Tiefflüge. An vielen Tagen dröhnten schon vor 5 Uhr zudem Flugzeuge, die offenbar auf die Landeerlaubnis warteten. Neu seien auch Starts und Landungen, die über Messenhausen und Waldacker führen. „Dietzenbach und auch der südliche Rodgau müssten davon ebenfalls betroffen sein.“

Zulauf aus dem Rodgau

Ob die Bürgergruppe künftig außer gegen den Ausbau des Flugplatzes Egelsbach auch gegen den Lärm des Airports kämpfen will, ist nicht entschieden. Ingolf Heiß, Mitglied der Gruppe und Chef der Freien Wähler, ist aber der Meinung, man sollte beides in der Gruppe bündeln.

Steigenden Zulauf aus dem südlichen Rodgau spürt Thomas Seehuber von der Bürgerinitiative Anflug mit Ruhe, die auch etwa in Heusenstamm und Obertshausen aktiv ist. Auch er berichtet von Warteschleifen, die Flugzeuge auf niedriger Höhe drehten. „Die Nieder-Röder haben früher nie was mitgekriegt. Jetzt werden sie um 5 Uhr wach.“

Weiskirchen profitiere vom derzeitigen Nachtflugverbot. Für Seehuber ist das kein Grund in seinem Widerstand nachzulassen. Zum einen fürchtet er ein für die Fluglärmopfer negatives Urteil der Leipziger Richter, zum anderen, dass die neue Route, die über Weiskirchen führt, zwischen 5 und 6 Uhr ausprobiert werde. Seine Forderung: ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und die Stilllegung der neuen Landebahn. Das sei auch eine Sache der Solidarität mit den Menschen in Flörsheim oder auch Sachsenhausen. „Es kann nicht sein, dass Schüler Klassenarbeiten nur mit Hörschutz schreiben können.“

Sie sei froh, dass die Bürger jetzt aufwachen, sagt Wacker-Hempel. Doch es klingt auch Enttäuschung mit, dass es erst jetzt geschieht. „Wenn es die Solidarität früher gegeben hätte, hätte man mit Sicherheit die neue Bahn kippen können.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum