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Neu-Isenburg Stadt ehrt Anny Schlemm

Opernsängerin Anny Schlemm liest Weihnachtsgeschichten - das ist Tradition seit 2001. Die Kirche ist dabei immer voll. Anlässlich ihres Adventsbesuchs hat die Stadt Neu-Isenburg ihrer berühmten Tochter jetzt ein besonderes Geschenk gemacht.

17.12.2012 11:18
Juliane Mroz
Anny Schlemm las in der evangelischen Gemeinde. Foto: Chris Hartung

Vom Christkind, das inkognito Wünsche erfüllt, von einen Kieselstein, der über einen gefrorenen See springt, von einem Jungen, der mit dem Jesuskind auf dem Mofa eine Runde um die Kirche dreht und von vielen anderen weihnachtlichen Dingen las Anny Schlemm am Samstagabend in der Evangelischen Kirche am Marktplatz in Neu-Isenburg vor. Der Vorleseabend hat Tradition: Seit 2001 liest die in Neu-Isenburg geborene Opernsängerin jedes Jahr in der Adventszeit an einem Abend in der Marktplatzgemeinde weihnachtliche Geschichten und Gedichte. Musikalisch wurde sie von der Gitarristin Heike Matthiesen und vom Gesangverein Frohsinn begleitet.

„Es ist die einzige Veranstaltung des Vereins für Geschichte, Heimatpflege und Kultur, bei der wir keine Einladungen verschicken müssten und die Kirche wäre dennoch voll“, sagte Herbert Hunkel (parteilos), Bürgermeister und Vorsitzender des Vereins, der den Leseabend veranstaltete.

Seit 2007 lebt Schlemm bei ihrem Sohn, dem Jazzmusiker und Komponisten Uli Rennert, in Graz. Mit einer schweren Bronchitis kam die 83-Jährige vor einer Woche nach Neu-Isenburg. Das war ihr bei der Lesung weder anzusehen noch anzuhören. „Mit den richtigen Medikamenten und der guten Neu-Isenburger Luft ist es besser geworden“, so Hunkel mit einem Zwinkern. Mit professioneller Sprecherinnenstimme wechselte Schlemm nicht nur zwischen Tonlagen, sondern auch zwischen Hochdeutsch, Hessisch oder Bayerisch hin und her.

Die Neu-Isenburger Ehrenbürgerin hat im Laufe ihrer inzwischen mehr als 60 Jahre dauernden Bühnenkarriere mehr als 135 Rollen verkörpert. Unter anderem war sie Cherubino in Mozarts Hochzeit des Figaro, Micaëla in Bizets Carmen, Agathe im Freischütz und Desdemona in Verdis Othello. Im Lauf der Jahre entwickelte sich ihre Stimme vom lyrischen und jugendlich-dramatischen Sopran über das Mezzo-Fach bis hin zum dramatischen Alt.

Schlemm erhielt 1963 an der Oper Frankfurt den Ehrentitel Kammersängerin; außerdem ist sie Ehrenmitglied des Opernhauses in Halle, der Komischen Oper Berlin und der Oper Frankfurt. 2000 erhielt sie für ihre Darstellungskunst den Joana-Maria-Gorvin-Preis, der alle fünf Jahre an eine Frau vergeben wird, die im deutschsprachigen Theater überragende Leistungen gebracht hat. Auch in Schlemms Namen wird ein Preis vergeben: Der Anny-Schlemm-Preis, von der Stadt Neu-Isenburg gestiftet und mit 6000 Euro dotiert, geht im Fünfjahresrhythmus an Nachwuchs-Opernsänger.

Anlässlich ihres Adventsbesuchs hat die Stadt Neu-Isenburg ihrer berühmten Tochter jetzt ein besonderes Geschenk gemacht. An ihrem früheren Wohnhaus in der Graf-Folke-Bernadotte-Straße 12, wurde ein Messingschild angebracht, das darauf hinweist, dass Schlemm hier viele Jahre lang lebte. „Eigentlich sollte das Schild in der Eigenheimstraße sein, wo ich geboren wurde. Aber die Leute dort haben das nicht zugelassen“, sagte Schlemm. Nun hängt die Plakette also an einem Haus, an dem noch heute die Initialen Schlemms stehen; es sind zufällig auch die Initialen der neuen Bewohnerin. Damit Schlemm auch in Graz an Neu-Isenburg erinnert wird, überreichte Hunkel ihr ein Foto des Hauses mit dem neuen Schild.

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