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Neu-Isenburg St. Josef sucht Platz für Wöchnerinnen

Neugeborene und ihre Mütter sollen nicht in der Sammelunterkunft wohnen müssen.

In der Sammelunterkunft in der Neu-Isenburger Rathenaustraße leben auch zahlreiche Kinder. Foto: Monika Müller

Das Wohnen in der riesigen Sammelunterkunft in der Neu-Isenburger Rathenaustraße ist schon für die meisten gesunden Erwachsenen eine Belastung, Lärm, Licht, ständige Unruhe. Doch besonders belastend ist es für hochschwangere Frauen und Wöchnerinnen. Die ehemalige Industriehalle wird betrieben vom Land Hessen, das die Betreuung an den Arbeiter-Samariter-Bund delegiert hat. Die Stadt Neu-Isenburg ist – zumindest formell – außen vor.

De facto sieht es aber ganz anders aus. Viele Bürger versuchen, den hier einquartierten Menschen in der Nachbarschaft zu helfen, Firmen haben Internetzugänge gespendet, es gibt Deutschkurse, Sport- und Freizeitangebote, und die Stadt hat den Bewohnern Ohrstöpsel organisiert. „Als wir gehört haben, dass es 30, 40 schwangere Frauen dort gibt, hat uns das sehr getroffen“, berichtet Antonia von Alten von der katholischen Kirchengemeinde St. Joseph. „Eine Frau, die schon mit dem Geburtstermin überfällig war, wurde von hier verlegt.

Das bedeutete für sie eine Reise von 18 Stunden über Gießen bis nach Reinheim. Ansonsten müssen die Frauen gleich nach der Entbindung zurück ins Camp.“ Seit September kamen sechs Babys auf die Welt, deren Mütter in der Sammelunterkunft hausen. „Für schwangere Flüchtlingsfrauen gibt es leider keine Sonderregelungen“, sagt von Alten.

Ob vielleicht auch der Name des Schutzpatrons der katholischen Gemeinde in der Kirchstraße eine Rolle gespielt hat bei dem, was die Mitglieder daraufhin organisierten? An Heiligabend wird die Weihnachtsgeschichte wieder in Millionen deutschen Haushalten gelesen, in der Josef mit der hochschwangeren Maria verzweifelt auf Herbergssuche ist – erfolglos, und so kommt das Kind in einem Stall, also auch so einer Art Notunterkunft, zur Welt. 2015 in Neu-Isenburg soll das nicht geschehen.

„Wir hatten in St. Joseph noch eine alte Wohnung, die wir unter anderem für Kommunionsunterricht genutzt haben“, berichtet von Alten. Die renovierte ein Malermeister aus Zeppelinheim kostenlos, Gemeindemitglieder spendeten Möbel und installierten die Küchengeräte und eine Waschmaschine. „Nach zwei Wochen war das wunderschön, und wir hatten Platz für zwei Wöchnerinnen“, sagt von Alten.

Der Platz ist allerdings viel zu knapp. „Aktuell sind sechs Frauen vor der Niederkunft, darunter eine mit Zwillingen“, sagt von Alten. Die Kirchengemeinde sucht nun Gastfamilien, die die jungen Mütter für einige Wochen bei sich zu Hause aufnehmen. Geld gibt es dafür nicht, denn eigentlich sind die Frauen residenzpflichtig in der Sammelunterkunft. „Wir sind ja schon froh, dass wir dafür kein Bußgeld bekommen“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) besorgt.

Für ihre Arbeit hat die Kirchengemeinde bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt ein Spendenkonto eingerichtet, IBAN: DE38 5065 2124 0036 1236 93, BIC: HELADEF1SLS.

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