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Neu-Isenburg Protest nach Wiener Vorbild

„Omas gegen Rechts“: Eine neue Initiative demonstriert auf dem Wochenmarkt von Neu-Isenburg gegen Rechtspopulismus.

Omas gegen Rechts
Am Samstag demonstrierten erstmals die „Omas gegen Rechts“ beim Wochenmarkt. Foto: Renate Hoyer

Als in Österreich Ende 2017 die rechtspopulistische FPÖ an der Regierung beteiligt wurde, gründete sich in Wien eine Protestgruppierung: die „Omas gegen Rechts“. Nach Wiener Vorbild haben sich nun auch einige Frauen in Neu-Isenburg zusammengeschlossen. Beim Wochenmarkt am Samstag sind sie das erste Mal öffentlich in Erscheinung getreten.

Sie tragen gelbe Schilder mit dem Schriftzug „Omas gegen Rechts“, an ihrem Stand vor dem ehemaligen Geschäft Kümmerle in der Bahnhofstraße liegen Flyer und Bücher aus. Einige Passanten schauen neugierig, während sie in der Schlange bei den Marktbeschickern anstehen.

Es ist ein ruhiger Protest, den die knapp zwölf Frauen in die Fußgängerzone tragen. „Die AfD war wochenlang beim Wochenmarkt mit einem Stand vertreten, dem müssen wir etwas entgegensetzen“, begründet die Organisatorin der „Omas gegen Rechts“ ihren Protest. Ihren Namen möchte die 63-Jährige nicht nennen. Ganz spontan habe sie einige Bekannte, die wie sie sich in verschiedenen Initiativen engagieren, angeschrieben und so die Gruppe gegründet.

„Wir sind eine eher überschaubare Gruppe und so soll es auch bleiben“, sagt die Organisatorin, „wir beraten uns wirklich beim Kaffeekränzchen.“ Zu groß solle die Gruppe nicht werden, außerdem soll die enge Bindung an die Initiative „Iburg ohne Rassismus“ gepflegt werden.

Diese hat für die kommenden Wochen bis zur Landtagswahl den Stand auf dem Wochenmarkt beantragt, unterschiedliche Aktionen sollen noch folgen. „Vergangene Woche gab es eine Lesung, dieses Mal sind wir Omas da, demnächst soll der Partnerschaftsverein etwas anbieten oder die Sportvereine“, sagt die 63-Jährige. Kommenden Samstag aber werde die Initiative nicht auf dem Wochenmarkt vertreten sein. „Wir werden keine Gegenveranstaltung zum Tag der Nationen anbieten“, sagt sie. Die 63-Jährige hofft, für den darauffolgenden Samstag den Gesprächskreis „Frieden und Demokratie“ gewinnen zu können.

Während einige Frauen ihre Schilder hoch halten, kommen andere mit Passanten ins Gespräch. „Wenn die AfD dauernd hier einen Stand hatte, warum sollte dann nicht auch die andere Seite hier informieren?“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich finde es gut, dass die Frauen hier demonstrieren, auch wenn es wohl nicht viel ändern wird“, sagt ein Passant.

Ein Paar mittleren Alters bleibt stehen, als Inge Göbel Passagen aus dem Buch „Papa, was ist ein Fremder?“ von Tahar Ben Jelloun vorliest. Sie sei auch an der Lesung vergangene Woche beteiligt und möchte Flagge zeigen gegen rechte Hetze. „Die Wahlerfolge der AfD haben mich schon wachgerüttelt und gezeigt, dass wir etwas tun müssen“, sagt sie.

Eigentlich sollte noch ganz nach Wiener Vorbild das „Oma-Lied“, ein Protestlied der Wiener Frauen gesungen werden. „Aber wir haben den Text zu Hause vergessen“, sagt eine der Omas und lacht. Also fällt die Lesung etwas länger aus. Die allerdings hätte eine akustische Verstärkung gebraucht, denn im Trubel des Wochenmarktes ist schon wenige Schritte vom Stand entfernt nichts mehr zu hören. Die Organisatorin zieht aber eine positive Bilanz. „Das war unser erster Auftritt, wir sind sehr zufrieden.“

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