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Neu-Isenburg Mehr Fluglärm in Gravenbruch

Die Flugsicherung will Ende August ein neues Anflugverfahren testen. Es könnte Offenbach vom Fluglärm entlasten. Für die Menschen im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch könnte es dagegen lauter werden.

Eine Maschine startet am Frankfurter Flughafen. (Archivbild) Foto: Christoph Boeckheler

Am Frankfurter Flughafen soll bis Ende August ein neues, präziseres Anflugverfahren getestet werden, bei dem landende Flugzeuge sehr genau um Siedlungsgebiete herumgeführt werden können. Das könnte die Großstadt Offenbach von Fluglärm entlasten, im Neu-Isenburger Stadtteil Gravenbruch würde es aber wohl deutlich lauter.

„Das Verfahren soll von 5 bis 23 Uhr eingesetzt werden und würde nach unseren Berechnungen eine zusätzliche Belastung von zwei dB(a) für Gravenbruch bringen“, sagt der Neu-Isenburger Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Bereits jetzt leide Gravenbruch unter Lärm, die nahe Autobahn belaste die Anwohner sehr. Heusenstamm und Obertshausen müssten ebenfalls mit mehr Fluglärm rechnen, wenn das neue Anflugverfahren umgesetzt würde, fürchtet Hunkel. In der Kernstadt Neu-Isenburg werde sich allerdings wohl nichts ändern, da die Maschinen hier schon im Endanflug seien.

Um das neue, sogenannte RNP-to-xLS-Verfahren anzuwenden, müssen der Flughafen und auch die Flugzeuge über eine bodengestützte Navigationsanlage, ein satellitengesteuertes GBAS (Ground Based Augmentation System), verfügen. Der Frankfurter Flughafen hat das bereits, allerdings sind bisher nur wenige Flugzeuge damit ausgestattet.

Im Gegensatz zu dem bereits bekannten „Segmented Approach“ könnten die Flieger mit RNP-to-xLS bei Westwind sowohl auf der Südbahn als auch auf der Nordwestbahn landen. Diese „Betriebsrichtung 25“ mit westlichen Winden herrscht am Flughafen an etwa 275 Tagen im Jahr.

„Prinzipiell befürworten wir die Einführung leiserer Flugverfahren“, sagt Hunkel. „Eine Entlastung von Offenbach würde in diesem Fall jedoch zu einer weiteren Lärmerhöhung im Kreis führen. Das kann nicht hingenommen werden. Verfahren, die neue Belastungen schaffen, können nicht im Sinne der Region sein. Es muss überall leiser werden.“

Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne), auch zuständig für den Schutz der Offenbacher vor Fluglärm, will Hunkel darin, dass es überall leiser werden sollte, sicher nicht widersprechen. „Wir wollen geschlossen gegen Fluglärm kämpfen, aber die Zahl der Betroffenen muss reduziert werden“, sagt er. „Dafür streitet Offenbach schon lange. Wir streiten aber primär im Auftrag derer, die uns gewählt haben.“

Test läuft bis Ende August

Das neue Verfahren könne viele Menschen entlasten. „Wir haben hier in Offenbach die einmalige Situation, dass alle drei Einflugschneisen über unser Stadtgebiet gehen“, sagt er. Mit RNP-to-xLS könnten auch von Norden anfliegende Maschinen südlich an Offenbach vorbeigelenkt werden.
Bis zum 31. August ist das Präzisionsanflugverfahren nur ein Test, doch man könne davon ausgehen, dass beabsichtigt sei, das Verfahren mittel- oder langfristig zu etablieren, sagt Hunkel. Die Flugsicherung habe in einer Sitzung der Fluglärmkommission am 20. Mai erläutert, dass sie mit einer baldigen Zulassung des Verfahrens bei der European Aviation Safety Agency (EASA) rechne.

Untersucht werden soll auch die Auswirkung auf den Fluglärm. Maximal 300 Flüge werden im Juni, Juli und August südlich des Offenbacher Stadtgebiets zwischen Obertshausen und Heusenstamm geführt. Da der Versuch die Kapazität des Flughafens nach Angaben der Stadt Neu-Isenburg verringert, kann nur zu verkehrsärmeren Zeiten getestet werden. Nach dem Ende des Versuchs soll er ausgewertet und dann in der Fluglärmkommission beraten werden.

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