Lade Inhalte...

Neu-Isenburg Leberwurst nach Zeppelin-Art

In Neu-Isenburg geht die Route der Industriekultur jetzt auch durch den Magen - Zeppelinwurst und Zeppelinwein erinnern an die große Zeit der Luftschiffe. Von Sigrid Aldehoff

Für den Frankfurter Metzgermeister Stephan Weiss war der 15. März 1909 ein Glückstag. An diesem Tag beschied ihm Ernst Uhland, Bevollmächtigter von Ferdinand Graf von Zeppelin, dass "obgleich Seine Excellenz sonst jeder Reclame abhold ist - Ihnen ausnahmsweise, jedoch ohne jedes Obligo diesseits, gestattet, die bemusterte Wurst "Zeppelinwurst" benennen zu dürfen." Ein echter Coup für den Geschäftsmann, der fortan mit dem Slogan "Ein Genuss zum Abheben gut" und einem Zeppelin auf dem Etikett für seine grobe Delikatess-Leberwurst warb.

100 Jahre später schmeckt die Wurst immer noch. Dies testeten und bestätigten die Teilnehmer einer Fahrradtour und eines Besuchs im Zeppelinmuseum, die anlässlich der Route der Industriekultur in Neu-Isenburg am Freitagabend stattfanden. Die Tour zur Aussichtsplattform am Flughafen und durch Zeppelinheim endete im Museum mit einer Verkostung von Zeppelinwein und Zeppelinwurst.

Beides habe zur Bordverpflegung der Weltfahrten der Zeppeline gehört, sagte Museumsverwalterin Jessica Siebeneich. Wer hier im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts mitfuhr, dürfte Gutes gewohnt gewesen sein. Die Luxusfahrten kosteten 1500 Reichsmark, "aber die Fahrt mit dem Zeppelin war die schnellste Möglichkeit, in die USA zu kommen".

Der Wein für den Graf Zeppelin kommt aus Südbaden

Neben der groben Delikatess-Leberwurst wurden die Passagiere ausschließlich mit Leckereien vom Feinsten verwöhnt. Zwei der Weine werden heute noch als Zeppelinwein kredenzt. Ausgeschenkt wurde am Samstag ein halbtrockener Riesling vom Weingut Dr. Lembroch - C. Schmidt, ein 2007er Mülheimer Sonnenlay, "der meistgetrunkene Wein auf den Fahrten des Graf Zeppelin", heißt es auf dem Etikett, das noch weitestgehend im Original übernommen wurde. Mit einer Ausnahme: Hatte der abgebildete Zeppelin erst die Nase in Richtung Boden geneigt, wurde nach der Katastrophe von Lakehurst, bei der 1937 das Luftschiff Hindenburg bei der Landung in Flammen aufgeht, nur noch ein aufstrebender Zeppelin abgebildet.

Während die erwachsenen Teilnehmer Wein und Wurst lobten, hielten sich der 14-jährige Tim Scheuermann und der 15-jährige Matthias Hock eher an die Wurstbrote. Eigentlich seien sie ja nur so als Begleitung mit Papa Dietmar und Onkel Friedrich aus Aschaffenburg angereist, wegen der Fahrradtour. Aber schließlich ziehen sie dann doch noch mal auf eigene Faust durchs Museum.

Dietmar Scheuermann ist von Anfang an begeistert. Er sei Oldtimer-Fan, erzählt er, habe auch schon das Zeppelin-Museum in Friedrichshafen besucht und sei hier zum ersten Mal. Das Museum in Friedrichshafen kennt auch die einzige Frau bei der Tour, die aus Mörfelden angeradelt kam.

Während des Gesprächs bedauerte Museumsverwalterin Siebeneich, dass "wir hier nur einen Bruchteil unserer Bestände zeigen können". Vieles sei eingelagert, einiges nach Friedrichshafen für die aktuelle Arktis-Ausstellung verliehen. Doch seit das Museum Anfang des Jahres wieder eröffnet wurde, kämen pro Monat bis zu 300 Besucher. "Der Name Zeppelin zieht eben bis heute."

Zur Weinprobe mit Wein und Sekt der Edition Graf Zeppelin aus der Winzergenossenschaft Schliengen-Müllheim (auch zu kaufen bei Feinkost Kümmerle in der Bahnhofstraße in Neu-Isenburg) lädt das Zeppelinmuseum ein für Samstag, 24. Oktober, 19 Uhr. Die Teilnahme kostet 15 Euro, Anmeldung unter Telefon 069/ 69 59 59 78, Mail: jessica.siebeneich@stadt-neu-isenburg.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen