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Neu-Isenburg Helden im Zeppelin

Eine Ausstellung im Zeppelinmuseum untersucht, wie Zeitungen Idole schufen. Es geht um Heroen in der Luftfahrt.

Neu-Isenburg
Eine Ausstellung im Zeppelin-Museum untersucht, wie Zeitungen Idole schufen. Foto: Promo

Helden haben’s heute nicht leicht. „Wir leben in friedlichen Zeiten, da gibt es keine Sieger oder Kriegshelden“, sagt Christian Kunz, Leiter des Zeppelin-Museums im Neu-Isenburger Stadtteil Zeppelinheim. Helden, das sind heute meist Musiker, obwohl es auch keinen „King of Pop“ mehr gibt. Stars, meint Kunz, könnten heutzutage auch Youtuber werden oder Insassen des Dschungelcamps. „Vielleicht sind Helden heute auch nicht mehr so groß.“

Kunz hat sich in seinem Museum jetzt mit einer interessanten Frage beschäftigt: Wie haben Zeitungen vor gut 100 Jahren die Luftschiffer auch in den friedlichen Zeiten vor und nach dem Ersten Weltkrieg hochgejubelt zu Heroen? „Presse macht Helden“ heißt seine Ausstellung, die bis zum 5. August freitags von 14 bis 17 Uhr und samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet ist. Seine Erkenntnis: „Presse braucht Helden, aber Helden brauchen auch die Presse.“ Diesen Beziehungen spürt die Schau in Zeppelinheim nun nach.

Kunz konnte für seine Ausstellung auf die eigene gute Sammlung des kleinen Museums, vor allem viele historische Zeitungen und Zeitschriften aus aller Welt, zurückgreifen – die wichtigen Medien der Zeit. „Uns hat selbst überrascht, wie viele Exponate wir zu dem Thema hatten“, sagt er. Bisher ist dieser Aspekt der Luftfahrtgeschichte kaum bearbeitet.

Die Schau befasst sich mit dem Grafen Zeppelin selbst, der anfangs von der Presse verspottet und dann zum Idol stilisiert wurde. Kaiser Wilhelm II. schmähte ihn als „den dümmsten aller Süddeutschen“, bevor er selbst von der neuen Popularität des Grafen profitierte. Im Ersten Weltkrieg, so berichtet Kunz, verschwanden die Namen und Fotos der Helden, sie wurden ersetzt durch dramatische Zeichnungen und anonyme „namenlose Helden“. Graf Zeppelins Nachfolger Hugo Eckener, selbst Journalist, hatte zu Beginn der Luftschiff-Ära noch mit diesem gestritten – und sich bekehren lassen. „Die Bilder von ihm bei der Konfettiparade in New York oder bei der Weltfahrt in Japan, die toppen alles“, schwärmt Kunz.

Es gebe da sogar eine Illustration in einer Zeitschrift, auf der Knut Eckener, der Sohn, einen Riss in der Luftschiffhülle eigenhändig näht. „Das ist eine völlig übertriebene Darstellung“, meint Kunz. Selbst das Ende der Zeppelin-Zeit, der Absturz in einem Feuerball in Lakehurst 1937, wurde noch zu heroischen Bildern genutzt. Ein Bild von Kapitän Ernst Lehmann, bei der Feuerkatastrophe schwer verbrannt, betextete eine US-Zeitung mit der Schlagzeile: „Lehmann überlistet den Tod“ – dabei war der Luftschiffer tödlich verletzt. „Lehmanns letzte Worte“ titelten deutsche Zeitungen am nächsten Tag.

Jürgen Bleibler, Leiter der Zeppelinabteilung des Zeppelinmuseums in Friedrichshafen am Bodensee, Heimatstadt der Luftschiffe, besuchte die Ausstellung vor einigen Tagen und war begeistert, wie Kunz erzählt. Vielleicht wandert sie weiter in das große Haus.

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