Lade Inhalte...

Neu-Isenburg Gegen Tatenlosigkeit und Langeweile

Von gemeinsamen Ausflügen über Kinoabende bis zum Aufbau einer Fußballmannschaft reichen die Angebote, die im Kreis Offenbach für Flüchtlinge und Asylbewerber auf die Beine gestellt werden.

Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung bei einem Spiel der Frankfurter Löwen. Foto: Michael Kaul

Integration für die 180 Menschen, die Neubürger genannt werden und Neu-Isenburg regulär zugewiesen wurden, Beschäftigung und Ablenkung für jene 700, die seit Anfang September alle in einem Raum in der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Papierlager der Frankfurter Rundschau ausharren: Diese Ziele verfolgen verschiedene Helfer, Gruppen, Gemeinden und Organisationen in der von hugenottischen Glaubensflüchtlingen gegründeten Stadt. Vieles läuft über die 1984 von Christen und Andersgläubigen gegründete Flüchtlingshilfe. Inzwischen haben rund 270 Menschen angeboten, sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge zu engagieren.

Gemeinsam mit der Evangelisch-reformierten Gemeinde Am Markplatz bietet die Flüchtlingshilfe im Gemeindesaal seit einem Jahr das Café Grenzenlos an. Dies ist ein zwangloses Treffen alle 14 Tage mittwochs von 15 bis 19 Uhr, im Dezember am 2. und 16. Eingeladen sind alle Bürger und Asylbewerber. Die Resonanz ist riesig.

Entsprechend groß war die Hilfsbereitschaft, als Anfang September die Ankunft von 700 Flüchtlingen in der Erstaufnahme Gießen angekündigt wurde. Noch bevor die ersten Menschen eintrafen, hingen Willkommensplakate am Zaun und die ersten bunten Luftballons an der Schranke vor der Unterkunft .

Von Anfang an stellte sich in Neu-Isenburg die Frage, wie die Menschen künftig die langen Tage des Wartens auf ihre Registrierung und ihren Bescheid auf den Asylantrag füllen können, wie sie möglichst oft aus der Sammelunterkunft herausgeholt werden können.

Vom ersten Tag an organisierte die Flüchtlingshilfe Ausflüge in den benachbarten Sportpark und setzt diese bis heute fort. Es folgten eine Fahrt zum Goetheturm, der Einladung der Frankfurter Löwen, sich ein Eishockey-Spiel anzusehen, folgten 100 Flüchtlinge, zu einem Spiel der Kickers waren 50 Flüchtlinge eingeladen. Der in Neu-Isenburg ansässige Zirkus Wannabe kam in das Camp und die Kinder von dort besuchen ihn im Winterquartier. Die Spielvereinigung 03 baut gerade ein Team mit den Neubürgern auf. Für diese Zielgruppe gibt es schon seit Anfang 2014 Sprachkurse, auch ein Deutschkurs mit ehrenamtlichen Lehrkräften für die Flüchtlinge in der Erstaufnahme wird derzeit installiert.

Für die ersten Neugeborenen und ihre Mütter aus der Erstaufnahmeeinrichtung haben bereits Familien Wohnraum angeboten, auch die Kirchengemeinde St. Josef hat für eine junge Mutter Wohnraum zur Verfügung gestellt.

Die Kulturinitiative Iseborjer Kinno hat für 100 Kinder, Mütter und Väter in zwei Gruppen aus der Erstaufnahme einen Filmnachmittag im „Cineplace“ organisiert, wo es Zeichentrick- und Animationsfilme gab sowie eine Auswahl an arabischen und europäischen Filmen. Der Neu-Isenburger Chor Soundsation und der Don Camillo Chor aus München laden zu ihrem Konzert am 14. November in der Hugenottenhalle die Flüchtlingshilfe und die Neuankömmlinge ein.

Die Resonanz auf diese und andere Angebote sei immer abhängig von der persönlichen Ansprache der Menschen, sagt Michael Kaul von der Flüchtlingshilfe. „Einfach einen Zettel hinhängen reicht nicht.“

Und die Flüchtlinge zeigen sich erkenntlich: An der traditionellen Pflanzaktion im Herbst, bei der Zwiebeln für Frühlingsblumen gesetzt werden, beteiligten sich zahlreiche Menschen aus der Erstaufnahme.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen