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Neu-Isenburg Der harte Weg in die Arbeit

Deutschkurse und Praktika für Flüchtlinge zeigen erste Erfolge. Zehn Flüchtlinge sind derzeit in Lohn und Brot. Und mit jedem Deutschkurs, jeder abgeschlossenen Fördermaßnahme, jedem Praktikum steigen die Aussichten auf eine bezahlte Perspektive.

Die Erstaufnahme in Neu-Isenburg wird Anfang Juni geräumt, die noch dort untergebrachten Flüchtlinge ziehen in das ehemalige Neckermann-Gebäude nach Frankfurt um. „Wir haben dann mehr Gelegenheit, uns um diejenigen zu kümmern, die dauerhaft in Neu-Isenburg leben“, sagt Cornelia Mateos, Fachbereichsleiterin Soziales im Isenburger Rathaus. Vorrangiges Ziel ist dabei die Vermittlung der 203 Neubürger in Arbeit.

Und diese Aufgabe ist ein hartes Brot. Denn die meisten in Frage kommenden Arbeitgeber fordern vor allem ausreichende Deutschkenntnisse. Daran hapert es aber bei den Flüchtlingen noch. Doch viele seien auf einem guten Weg, sagt Mateos. Die Sprachkurse sind angelaufen und es gibt zahlreiche Angebote, in denen die Menschen ausprobieren können, welche Kenntnisse, die sie in ihren Herkunftsländern erworben haben, sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt einsetzen können. Eines ist das Pilotprojekt zur Berufsorientierung in Kooperation mit dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.

Noch sind die Erfolge eher mager: Zehn Flüchtlinge sind derzeit in Lohn und Brot. Doch mit jedem Deutschkurs, jeder abgeschlossenen Fördermaßnahme, jedem Praktikum steigen die Aussichten auf eine bezahlte Perspektive. Drei Beispiele stellten Mateos, Petra Klink, Leiterin des DLB Dreieich und Neu-Isenburg, und Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) jetzt vor. Auch wenn die drei jungen Männer noch nicht fließend Deutsch sprechen, das Wort „Praktikum“ geht ihnen allen flüssig über die Lippen.

„Ich bin flexibel“

Biniam Gebrehiwet Tewelde hat im Kempinski in Gravenbruch Arbeit gefunden. Der 25-Jährige aus Eritrea hat in seiner Heimat mit Solarsystemen und im Handwerk gearbeitet. Jetzt macht er Malerarbeiten, hilft im Garten. „Ich bin flexibel“, erzählt er. Die Kollegen seien nett, die Arbeit gefalle ihm. Zu dem Job ist er über ein Praktikum bei der Gewobau mit den Schwerpunkten Handwerk und Hausmeistertätigkeiten gekommen. „Das Kempinski hat gerade jemanden gesucht und ihm einen Jahresvertrag gegeben“, sagt Mateos.

„Selten kommt jemand mit so strahlendem Lächeln zur Arbeit wie Osman Mohamud Jimale“, sagt DLB-Leiterin Klink über ihren 45-jährigen Mitarbeiter aus Somalia. Er hat beim DLB zunächst ein Praktikum in der Straßenreinigung gemacht. Auch für Klink war das eine neue Erfahrung. „Wir mussten uns erst mal durchfragen, keine Behörde wusste, wie das läuft.“ Der Somalier, der bereits in Libyen Straßen gesäubert hat, arbeitet nun im Haus- und Hofdienst und leert Papierkörbe. Er hat „rasend schnell Deutsch gelernt“, sagt Klink, und er würde gerne den Führerschein machen.

Der 22-jährige Aimal Mohsini aus Afghanistan lebt seit März in Neu-Isenburg und beginnt in zwei Wochen eine Berufsorientierung mit drei Berufsfeldern. Er möchte gerne in einer Apotheke oder Drogerie arbeiten. Außerdem erzählt Mateos noch von einer jungen Eritreerin, die gut Deutsch kann, die auch ein Jobangebot im Einzelhandel bekam, aber erst noch bessere Sprachkenntnisse erlangen möchte, um dann richtig in den Beruf einzusteigen. Ein anderer Eritreer hat seit einem Jahr einen Arbeitsvertrag bei der Firma Café Ernst.

„Die meisten finden ihren Weg“, sagt Mateos. Viele Frauen bemühten sich derzeit wegen der Kinderbetreuung nicht um eine Qualifizierung, einige der Neubürger müssten zunächst ihre Traumata aus den Kriegsgebieten überwinden. Und einige seien gar nicht zu motivieren. „Das ist eben wie bei uns auch.“

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