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Neu-Isenburg Der Gewerbesteuer-Krösus

Neu-Isenburg nimmt in diesem Jahr 78,5 Millionen Euro ein.

Schwindelerregend hoch sind sie, die Gewerbesteuereinnahmen, die Neu-Isenburg vermeldet: Die 39 900-Einwohner-Stadt rechnet in diesem Jahr mit 78,5 Millionen Euro – und streicht damit dreimal so viel ein wie Dreieich, die zweitreichste Stadt im Kreis Offenbach. „Der Abstand zu den anderen Kommunen war noch nie so groß“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos).

78,5 Millionen Euro Gewerbesteuer sind ein Rekordergebnis, das fünf Millionen Euro höher liegt als ursprünglich angesetzt. Zum Vergleich: Vor sechs Jahren betrugen die Gewerbesteuereinnahmen noch 40,6 Millionen Euro. Die mehr als dreimal so große Stadt Offenbach (rund 135 000 Einwohner) hatte für dieses Jahr nur 70 Millionen Euro angesetzt.

Dass Neu-Isenburg für Firmen so attraktiv ist, hat vor allem mit dem niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatz zu tun. Er wurde im Vorjahr zwar von 320 auf 345 Prozent erhöht, wird aber in der Region trotzdem nur von Eschborn (330 Prozent) unterboten.

Neu-Isenburg profitiert auch von seiner Nähe zu Frankfurt: Gerade einmal drei Kilometer liegt die Nachbarstadt entfernt. Dort greift man den Unternehmern viel stärker in die Tasche; der Hebesatz liegt bei 460 Prozent. „Mit dem Differenzbetrag kann der Unternehmer hier bei uns schon seine Miete zahlen“, sagt Bürgermeister Hunkel. Nur wer ein Renommierobjekt oder ein Hochhaus suche, den ziehe es nach Frankfurt.

Mehr Firmen heißt auch mehr Beschäftigte. Zum 31. März zählte man in Neu-Isenburg 29 953 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze – und somit innerhalb von neun Monaten 1012 Arbeitsplätze mehr. „2012 waren es noch 20 900“, sagt Hunkel. Auch mit diesen Zahlen liegt die Stadt im Kreis Offenbach einsam an der Spitze. „Dreieich lag bei 14 800 Arbeitsplätzen, Langen bei 14 200, Dietzenbach bei 12 600“, erklärt er. Allerdings sind diese Zahlen zweieinhalb Jahre alt.

In diesem Jahr siedelte sich beispielsweise die Kraft GmbH, ein Malerunternehmen aus Offenbach, mit 150 Mitarbeitern in Neu-Isenburg an. Auch die Firma Geze, ein Unternehmen mit Produkten für Türen, kam dazu, genauso wie mehrere Versicherungsunternehmen.

Was Unternehmen auch noch anzieht: Die ganze Stadt ist mit Breitband versorgt. 2011 gehörte Neu-Isenburg zu den deutschlandweiten Modellkommunen, in denen die Telekom Glasfaserkabel verlegte. Da wundert es nicht, dass hier so bekannte Namen wie Sony, Pepsi, Bahlsen, Lufthansa Airplus, Arrow, Hersteller von elektronischen Komponenten, und der Druckplattenhersteller Dupont zu finden sind. „Wir entwickeln uns immer mehr vom Standort für produzierendes Gewerbe zum Dienstleistungsstandort“, sagt Hunkel.

Der Bürgermeister hat die Wirtschaftsförderung zur Chefsache gemacht. Zusammen mit der Fachbereichsleiterin Andrea Quilling sei er jede Woche bei einer anderen Firma vor Ort, sagt er.

132,3 Millionen Euro schwer ist der Haushalt, den die Stadtverordneten gerade beschlossen haben. Viel Geld für eine kleine Stadt. „Aber 53 Prozent unserer Einnahmen müssen wir über Umlagen an Kreis und Land abgeben“, relativiert Hunkel.

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