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Mühlheim am Main Stadtwerke stoppen Biogasanlage

Der Preis für Bioerdgas ist stark gefallen. Die Stadtwerke Mühlheim wollen deshalb auf den Bau der geplanten Biogasanlage verschieben. Viele Bauern befürchten nun einen Verdienstausfall.

Im Groß-Gerauer Stadtteil Wallerstädten steht bereits eine Biogasanlage. Mühlheim verzichtet vorerst auf den Bau einer eigenen Anlage. Foto: Andreas Arnold

Eigentlich sollte sie im Herbst in Betrieb gehen, Biogas liefern für die Kunden der Mühlheimer Stadtwerke, aber auch für den freien Markt. 30 Bauern aus der Region hatten bereits Verträge unterschrieben, wollten Mais, Gras oder Zuckerrüben als Substrat für die geplante Biogasanlage in Mühlheim liefern. Nun hat der Aufsichtsrat der Energieservice Mühlheim (ESM), eine Tochter der Stadtwerke, das Projekt gestoppt, "vorerst ausgesetzt", wie es in einer Mitteilung heißt.

Der Preis für Bioerdgas sei von 11 bis 12 Cent pro Kilowattstunde im vergangenen Jahr auf 8 Cent gefallen. Der Bau und Betrieb der Anlage, ein mehr als acht Millionen Euro teures Projekt, rechne sich aber erst ab einem Preis von 9,8 Cent pro Kilowattstunde, sagte ESM-Geschäftsführer Ralf Petzold gestern der Frankfurter Rundschau.

Gas ist zurzeit zu billig

Eigentlich habe man mit der Anlage 600.000 Euro Gewinn im Jahr machen wollen. Nun drohten rote Zahlen. Das endgültige Aus für die Anlage sei der Stopp jedoch nicht, beteuert Petzold. "Wir warten nun ab, wie sich der Preis entwickelt. Sobald er steigt, ist das Projekt wieder aktuell."

Die betroffenen Bauern reagieren verunsichert bis wütend auf die Aufhebungsverträge, die die ESM ihnen nun nahelegt. Sie befürchten Mindereinnahmen. Der Weiskirchener Landwirt Stefan Wolf etwa, einer von 30 Bauern, die Verträge mit der ESM abgeschlossen hatten, sollte für die Biogasanlage 1100 Tonnen Substrat liefern - 300 bis 400 Tonnen Grünroggen, der Rest Mais.

Bauern bauen schon Substrat an

Auf zehn Hektar habe er im Herbst Grünroggen gesät, der in der ersten Maiwoche geerntet werden könne, sagt Wolf. Anschließend sollte auf 20 Hektar Mais angebaut werden. Zwar könnte er den Roggen weiterwachsen lassen, sagt er. Doch gebe dieser nur 50 Prozent des Ertrags von normalem Roggen.

Auch das Saatgut für den Mais sei bereits bestellt. Er rechne deshalb mit 10.000 Euro Verlust. Ihn ärgert das Vorgehen der ESM. "Wenn man die entstandenen Kosten anspricht, kommt ein großes Schulterzucken." Deshalb ließen er und andere Betroffenen nun Gutachten über den Verlust erstellen. Der Vertragsaufhebung will er nicht zustimmen, den Anbau wie geplant fortsetzen. "Wir sind nicht schuld an der Fehlplanung."

ESM bietet Vertragsaufhebung an

Auch das Argument für den Baustopp hält er für nicht stichhaltig. Bei einer solchen Anlage müsse man für einen längeren Zeitraum planen. Kurzfristige Preisschwankungen dürften keine Rolle spielen.

Petzold räumt ein, die entstandene Situation sei weder für die ESM noch für die Bauern angenehm. Die Vertragsaufhebung sei allerdings nur ein Angebot, das ein Bauer auch bereits wahrgenommen habe. Wer den Vertrag erfüllen wolle, könne aber auch liefern. Die ESM könne das Substrat dann etwa weiterverkaufen. Den Vorwurf der mangelnden Kommunikation streitet er ab. Man sei permanent mit den Bauern im Gespräch gewesen.

Das Projekt Biogasanlage ist am Donnerstag, 26. März, Thema einer Informationsveranstaltung, die im Anschluss an eine Ausschusssitzung, frühestens um 19 Uhr, im Mühlheimer Stadtverordnetensitzungssaal, Friedensstraße 20, beginnt.

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