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Malteser Zwischen Leben und Tod

Mitglieder des Kriseninterventionsteams der Malteser stehen Angehörigen und Einsatzkräften bei Ereignissen wie Suizid, plötzlichem Tod und Unfällen bei. Sie machen diese schwere Arbeit freiwillig und unbezahlt.

Vor dem Einsatz: Malteser-Helferin Vera Geis-Leimböck. Foto: Monika Müller

Wenn sich Menschen in der Badewanne die Kehle durchschneiden, mit dem Zug bei Mühlheim verunglücken, mit dem Flugzeug bei Egelsbach abstürzen oder sich mit Armbrust oder Pistole erschießen, dann möchten die meisten Menschen davon lieber nichts wissen. Oder ihre Sensationslust mit Berichten stillen, aber ohne direkte Konfrontation.

So ein Ereignis aus nächster Nähe mitzuerleben, als Mitglied von Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei, oder, noch schlimmer, einen nahen und geliebten Menschen dabei zu verlieren, das kann einen an seine Grenzen bringen. Mitglieder des Kriseninterventionsteams (KIT) der Malteser in Obertshausen werden oft zu solchen Einsätzen im Kreis Offenbach gerufen – die zum Glück nicht immer so spektakulär sind wie die eingangs herausgestellten. Im Schnitt sechs Mal pro Monat. Sie machen diese schwere Arbeit freiwillig und unbezahlt.

Zwei Tage Bereitschaft

„Viele Menschen im Umfeld finden es schön, dass ich mich engagiere. Aber nicht immer haben sie Verständnis dafür, dass ich viel Zeit in das ehrenamtliche Engagement stecke, zwei Tage in der Woche Einsatzbereitschaft habe. Und viele verstehen auch nicht, dass ich mir das antue, wie sie es nennen. Ich könne ja auch etwas Schönes machen“, schildert Vera Geis-Leimböck Reaktionen. Die 60-Jährige aus Obertshausen, die früher bei der Post und einer Bank gearbeitet hat, ist eine von sechs Freiwilligen aus dem KIT und hat einige der eingangs geschilderten Situationen selbst erlebt.

„Die Einsätze geben mir viel Positives zurück, ich komme den Menschen sehr nahe“, beschreibt Geis-Leimböck ihre Motivation. Es sei eine sehr wichtige Arbeit, die sie und ihre Kollegen im Team da tun. Mit den Erlebnissen komme sie gut klar, sagt sie. „Nach einem Einsatz muss man darüber reden, Kollegen oder die Teamleitung rufen dann an und fragen, wie es war und wie es mir geht. Und wir haben regelmäßige Supervision“, so Geis-Leimböck. Sie könne sich noch an jeden Einsatz auf ihrer Liste erinnern. „Aber ich träume nicht davon.“

Ihr hilft, dass sie selbst schwere Krisen in der Familie erlebt hat. Das erleichtert das Mitfühlen. „Die persönliche Geschichte spielt in die Arbeit beim KIT rein, aber unsere Helfer müssen eigene Erlebnisse verarbeitet haben, bevor sie aktiv werden“, sagt Karina Döbert-Haase. Sie ist seit 2007 im KIT und seit 2011 dessen Leiterin. Deshalb stehen vor der Ausbildung viele Gespräche und Treffen – wie die Bewerbung für eine Arbeitsstelle sei es gewesen, sagt Geis-Leimböck. In der Ausbildung würden „die blinden Flecken der eigenen Geschichte bereinigt“, so Döbert-Haase. „Die Arbeit im KIT gibt einen Schub in der Persönlichkeitsentwicklung“, so die ehrenamtliche Teamleiterin.

Suizid, plötzlicher Tod und Unfälle sind die drei häufigsten Gründe, wenn das KIT angefordert wird. Auch bei der Überbringung von Todesnachrichten sind die Helfer oft dabei, selten sind hingegen die Film-Situationen wie Banküberfall, Geiselnahme oder Mord. Bei Fällen häuslicher Gewalt wird das KIT aber auch hin und wieder benötigt. Ihre Aufgaben sind vielfältig, und „jeder Einsatz ist anders“, so Geis-Leimböck. Reden, Weinen, Zuhören ist wichtig, aber oft müssen auch praktische Dinge organisiert werden. Im Schnitt dauert ein Einsatz etwa zwei Stunden, aber bei besonders großen oder schrecklichen Ereignissen kann es auch viel länger dauern. Wenn Geis-Leimböck Bereitschaft hat, ist sie per Piepser erreichbar und muss im Kreisgebiet bleiben. Manchmal wird sie dann auch mit Blaulicht zum Unfall gefahren, etwa zu dem abgestürzten Flugzeug in Egelsbach. „Bei diesen schnellen Fahrten habe ich dann manchmal ein bisschen Angst“, sagt die Frau, die sich danach um die Ängste und Sorgen anderer kümmert.

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