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Langen Hormone werden rausgefischt

Forschungsprojekt im Klärwerk Langen: Der Abwasserverband Langen-Egelsbach-Erzhausen und die Technische Universität Darmstadt?wollen Arzneireste filtern, die sonst die Tierwelt bedrohen.

07.04.2011 16:13
Achim Ritz
Peter Cornel (TU Darmstadt) schaut sich das geklärte Wasser aus dem Membranfiltrationssystem (hinter ihm) an. Foto: Monika Müller

Forschungsprojekt im Klärwerk Langen: Der Abwasserverband Langen-Egelsbach-Erzhausen und die Technische Universität Darmstadt?wollen Arzneireste filtern, die sonst die Tierwelt bedrohen.

Der Abwasserverband Langen-Egelsbach-Erzhausen startet in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt ein Forschungsprojekt, um die Reinigung der Fäkalien in der Kläranlage zu verbessern. Professor Peter Cornel von der TU und Lutz Härtel vom Ingenieur-Büro Unger in Darmstadt wollen sich in dem auf zwei Jahre angelegten Projekt speziell die Rückstände von Arzneimitteln im Abwasser vorknöpfen.

Für diese gibt es nach Darstellung der Fachleute zwar noch keine Grenzwerte, sondern nur Empfehlungen, doch es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Europäische Union bei der Menge der Medikamentenrückstände im Abwasser Auflagen machen werde, so Professor Cornel.

Für die Forscher gibt es einen wichtigen Grund, das gereinigte Abwasser noch sauberer zu machen, das von der Kläranlage bei Langen in den Hundsgraben und später ins hessische Ried fließt: Nach Darstellung Cornels ist bei Fröschen, Fischen und anderen Lebewesen in den Bächen und Flüssen hinter Kläranlagen „eine hohe Verweiblichung“ festgestellt worden. Das liege an den Hormonen, die sich beispielsweise durch Restbestände von Antibabypillen im Abwasser befinden. 95 Prozent der Tiere seien weiblich, sagt der Professor. Die Experten befürchten, dass sich deshalb ganze Tierarten nicht mehr fortpflanzen können und die Medikamentenreste im Wasserkreislauf auch eine Gefahr für den Menschen darstellen könnten.

Die im Klärwerk in Langen jetzt vorgesehene Verbesserung der Abwassereinigung ist hessenweit einzigartig und finde auch bundesweit Beachtung, sagen die Fachleute. Das Vorhaben wird rund 270 000 Euro kosten, von denen die Hälfte vom hessischen Wirtschaftsministerium kommt, die andere Hälfte zahlt der Abwasserverband. Nach Auskunft von Geschäftsführer Werner Hötzel soll das Pilotprojekt im Falle eines positiven Ergebnisses fortgesetzt werden. Investitionen seien in dem Zentralklärwerk ohnehin notwendig, da die Abwassertechnik nach 15 Jahren Laufzeit demnächst erneuert werden müsse. „Wir wollen dabei künftige Reinigungsziele berücksichtigen“, sagt Hötzel und ergänzt, „es ist das Ziel, einen Reinigungsgrad zu erreichen, der uns eine dem Trinkwasser vergleichbare Qualität liefert.“

Die Wissenschaftler arbeiten bei dem neuen Reinigungsverfahren in erster Linie mit Aktivkohle und einer Membranfiltration, um die Spuren der Arzneimittel aus dem Abwasser zu ziehen. Drei Varianten werden getestet, um herauszufinden, welches System künftig das technisch und ökonomisch beste sein wird. Die Fachleute der TU Darmstadt und vom Büro Unger haben sich das Langener Klärwerk ausgesucht, weil dort nach Auskunft der Stadt bereits seit sechs Jahren mit einer Membranfiltrationsanlage gearbeitet wird.

Bei den neuen Reinigungsverfahren und den Spuren der Medikamente geht es laut Cornel um den Nanobereich, das heißt um billionstel Teile eines Kilogramms. Diese Mikroverunreinigungen durch Arzneimittel – in der EU seien rund 3000 Wirkstoffe auf dem Markt – gebe es schon lange im Abwasser, doch seien sie überhaupt erst seit fünf bis zehn Jahren nachzuweisen. Die Spuren von Medikamenten kommen über den Urin in den Kanal und weil auch nicht eingenommene Zäpfchen, Tabletten und Salben oft einfach über die Toilette entsorgt würden, so die Stadt.

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