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Langen Heißhunger auf der Streuobstwiese

Die Internet-Seite Mundraub.org fordert zum Pflücken von herrenlosem Obst auf und nennt dabei auch Langener Bäume. Das sollte sich besser nicht herumsprechen, findet Erster Stadtrat Hans-Dieter Schneider.

Spatz im Apfelbaum - geflügelte Obstdiebe werden selten erwischt. Foto: dpa

Obstessende Menschen werden in der Regel gern gesehen – etwa von Krankenkassen, Müttern und Händlern sowieso. Voraussetzung ist allerdings, dass die Früchte dem Verzehrenden auch gehören. Und die Besitzverhältnisse eines Apfels oder einer Mirabelle sind auf freiem Feld nicht immer so eindeutig geklärt. Darf man beispielsweise von einem Baum, an dem die Früchte offenkundig vergammeln, einfach ernten?

Man kann, finden die Verantwortlichen der Internet-Seite Mundraub.org. Diese weist deutschlandweit und auch in der Gemarkung von Langen Obstbäume aus, von denen sich Menschen mit Appetit und Vitaminbedarf bedienen können. Zu sehen sind diese mit ungefährem Lageplan auf der Internetseite www.mundraub.org. Dort können User auch selbst Bäume einstellen, von denen sie meinen, dass sie niemandem gehören und nicht abgeerntet werden.

„Es gibt immer Eigentümer“

Allerdings warnen die Betreiber vor Diebstahl. Vielmehr wollen sie vermeiden, dass Früchte an herrenlosen Bäumen vergammeln, und „wir hoffen, dass ihr die Schätze vor eurer Haustür wiederentdeckt und ihr für Bioäpfel und Ökokirschen aus Übersee, zumindest zwischen Juli und November, bald nur noch ein weises Schmunzeln übrig habt“, heißt es auf der Seite.

Ein leichtes Stirnrunzeln hat Langens Erster Stadtrat Hans-Dieter Schneider für die Idee übrig. Der Chef der Ordnungsbehörde weiß , dass es „mit Sicherheit keine herrenlosen Bäume“ in und um Langen gebe. „Irgendjemand ist immer der Eigentümer, und wenn es die Stadt, der Bund oder das Land ist.“ Wenn sich die Aufforderung von Mundraub herumspreche und Äpfel in Massen gepflückt würden, „käme uns das sehr ungelegen.“

Denn in Langen ist gerade das Thema „Apfelmundraub“ etwas sensibel: Denn hier wird mit viel Engagement und Liebe der „Siebenschläfer“-Apfelwein selbst gekeltert. Mitglieder der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute Langen/Egelsbach pflegen die hiesigen Streuobstwiesen und vermarkten dazu die dort wachsenden Äpfel als „Siebenschläfer“. Der von zwei Keltereien hergestellte Apfelwein ist ein echtes Regionalprodukt, dessen Erlös für den Erhalt der Streuobstwiesen verwendet wird.

Sandra Trinkaus vom Umweltreferat organisiert die Siebenschläfer-Aktion und sieht die Mundraub-Aufforderung ebenfalls mit gemischten Gefühlen. „Wenn sich mal jemand eine Nuss oder einen Apfel nimmt, wird wohl niemand etwas sagen“, formuliert sie vorsichtig, „aber es gibt Leute, die kommen mit kleinen Transportwagen vorgefahren, nehmen das Obst und ramponieren dabei noch den Baum.“ Auch sie stellt klar, dass jedes Grundstück jemandem gehöre, dass es aber im Landschaftsschutzgebiet nicht erlaubt sei, als Privatbesitzer Bäume einzuzäunen.

Freiwillige Erntehelfer, die für den Siebenschläfer beim Pflücken helfen, werden dagegen bei der Stadt Langen gerne gesehen. Ende September oder Anfang Oktober besteht dazu Gelegenheit. Und jeder Helfer darf einen Beutel Äpfel mit nach Hause nehmen – und beim Pflücken ganz offiziellen Mundraub begehen.

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