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Kunst in Dreieich Kunst von Straftätern

Acht Dinosaurier tummeln sich derzeit an der Tribüne im Burghof in Dreieichenhain (Kreis Offenbach). Sie sind in Sozialauflagen von jugendlichen Straftätern entstanden.

Kunst in Dreieich
Der Tyrannosaurus Rex durfte natürlich nicht fehlen. Foto: A. Schlegl

Wer in diesen Tagen ein Konzert der Burgfestspiele Dreieichenhain besucht, sollte mal den Blick schweifen lassen: Links der Zuschauerränge finden sich mal echt nachgebildete, mal mit einem Augenzwinkern erfundene Objekte aus der Jurazeit, die immer mehr Patina ansetzen. Straffällig gewordene Jugendliche aus der Bildhauerwerkstatt im Frankfurter Stadtteil Gallus haben acht Dinosaurier entstehen lassen, die sich auf dem Festspielgelände breitmachen. Bis zum 19. August sind sie zu sehen.

Jedes Jahr sorgt die Kunstinitiative Dreieich zusammen mit den Bürgerhäusern für Kunst in der Burg Hayn. Über den Bildhauer Kai Wolf aus Eppstein entstand diesmal der Kontakt zu der Gruppe junger Straftäter, die in der Bildhauerwerkstatt Gallus richterlich angeordnete Arbeitsstunden ableisten müssen.

Wolf hatte schon als freischaffender Künstler für die Kunstinitiative gearbeitet und ist nebenberuflich der künstlerische Leiter der Bildhauerwerkstatt, die es seit 1992 gibt. Sein Wasserbüffel, eine kinetische Skulptur, fährt während der Aufführungen im Burgtheater an Seilen über den Köpfen der Zuschauer hin und her.

Die acht Dinosaurier dagegen sind unbeweglich und wurden nur aus Metallen hergestellt. Ein Gabelschlüssel diente beispielsweise als Körper eines Flugsauriers, ein Fuchsschwanz bildete die Zähne, die Füße sind aus Baustahl.

Rund zehn Jugendliche haben gut ein Jahr lang an den Dinos gearbeitet. „Nicht immer dieselben“, sagt Wolf und erklärt: Einige hätten nur zehn Arbeitsstunden als Sozialauflage ableisten müssen, andere hätten vom Gericht 200 bis 300 Arbeitsstunden aufgebrummt bekommen. Die meisten seien um die 18 Jahre alt gewesen, sagt Sarah Kramkowski, pädagogische Leiterin der Bildhauerwerkstatt.

Diebstahl, Schwarzfahren, Schule schwänzen, Körperverletzung – das sind einige der Straftaten, für die die Jugendlichen Sozialstunden in der Bildhauerwerkstatt ableisten müssen. Die Klientel sei nicht immer einfach, sagt Wolf, „aber im Großen und Ganzen arbeiten die Jugendlichen super mit“. Für sie sei das „eine tolle Chance“.

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