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Kreis Offenbach Ehre für Lebende

Normalerweise werden Straßen nach Verstorbenen benannt. Nicht so in Dreieich und in Neu-Isenburg: Dort kamen Lebende zu diesem Recht, was politisch aber nicht unumstritten war.

Die Straße „Im Gefierth“ im Gewerbegebiet von Dreieich-Sprendlingen sollte eigentlich schon lange anders heißen. Hans Strothoff, erfolgreicher Dreieicher Unternehmer und Träger der Internationalen Schule, hatte nämlich 2009 beim Kreis Offenbach beantragt, dass die Straße schon zu Lebzeiten nach ihm benannt wird. Seine MHK Group, eine europaweit agierende Küchen- und Möbelkooperation, hatte dort ihren Sitz. Da Strothoff immer wieder als Mäzen auftritt, plädierte der Kreis dafür, die Straße umzubenennen. Der Magistrat sagte ebenfalls Ja, genauso wie dann im September 2009 die Mehrheit der Stadtverordneten, die so einen der größten Gewerbesteuerzahler in der Stadt halten wollten.

Die Sackgasse heißt aber heute immer noch „Im Gefierth“. Das liegt daran, dass zwischen dem Kreis und Strothoff als Träger der Internationalen Schule immer noch ein Mediationsverfahren anhängig ist. Der Unternehmer hatte für die Räume der Privatschule monatelang keine Miete gezahlt, weil ihm Ex-Landrat Peter Walter (CDU) Mietfreiheit zugesagt haben soll. Diese Auseinandersetzung wolle man noch abwarten, hieß es 2011 vonseiten der Stadt. Strothoff ist die Umbenennung heute vielleicht auch nicht mehr wichtig: Sein neuer Firmensitz liegt nun an der Frankfurter Straße.

In Neu-Isenburg haben Straßennamen erst im Mai dieses Jahres für Diskussionsstoff gesorgt, als Legendenschilder – Schildchen, die in Kurzerläuterungen die Herkunft der Straßennamen erklären –, im neuen Baugebiet Birkengewann enthüllt wurden. Der ehemalige ISS-Astronaut Thomas Reiter kam so zu Ehren, genauso wie die Operetten- und Opernsängerin Anny Schlemm, die schon seit Jahren in Österreich lebt, und der 81-jährige Walter Norrenbrock, von 1990 bis 2006 Stadtverordnetenvorsteher (CDU) und von 2006 bis 2011 ehrenamtlicher Stadtrat und Dezernent für Integration.

Die Entscheidung zur Namensgebung fiel bereits eineinhalb Jahre vorher im Stadtparlament. Die FDP war damals dagegen. Wenn eine Person noch lebe, sei es theoretisch möglich, dass sie sich bis zum Ende ihres Lebens etwas zuschulden kommen lasse, begründete Fraktionsvorsitzender Thilo Seipel.

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