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Kreis Offenbach Diskrete Helfer

Die Dezentrale Schule (DFE) ist eine von nur vieren ihrer Art in Hessen. Seit zehn Jahren betreut die wenig bekannte Einrichtung Kinder, die einen besonderen Betreuungsbedarf haben, weil sie entweder hartnäckige Schulverweigerer oder psychisch krank sind.

DFE-Schulleiterin Edeltraud Ehlert (rechts) mit ihren Kolleginnen Christina Baum (Mitte) und Elke Buschardt-Schäfer. Foto: Renate Hoyer

An diesem Freitag feiert die vielleicht diskreteste Bildungseinrichtung im Kreis Offenbach ihr zehnjähriges Bestehen – nicht mit einem Schulfest, sondern mit einem wissenschaftlichen Kolloquium im Kreishaus in Dietzenbach. Es ist eine kleine Schule, die von der Öffentlichkeit kaum beachtet, doch eine große Arbeit leistet.

Und mal ehrlich: Wer kann sich unter dem heutigen offiziellen Bandwurm-Namen „Dezentrale Schule mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung / kranke Schülerinnen und Schüler“ schon etwas vorstellen? Als die Einrichtung vor zehn Jahren gegründet wurde, hieß sie „Schule für Erziehungshilfe und Kranke“.

Schulleiterin Edeltraud Ehlert und ihre Lehrer sprechen am liebsten von der DSE, der Dezentralen Schule im Kreis Offenbach. Hier kommt die Schule zu den Kindern, nicht umgekehrt; es ist eine von insgesamt nur vieren ihrer Art in Hessen. Die anderen sind in Frankfurt, im Lahn-Dill-Kreis und im Kreis Groß-Gerau. Ansonsten gibt es im Land nur stationäre Förderschulen. „Insider kennen uns“, sagt Ehlert.

Dass überhaupt gefeiert wird, ist keine Selbstverständlichkeit, denn die DSE kümmert sich um Kinder, die größte schulische Probleme haben. Wer die Angebote der DSE besucht, dem droht leicht eine Stigmatisierung, und das wollen die 40 Lehrer und Sozialarbeiter natürlich unbedingt vermeiden. Dabei, sagt Ehlert, sei das gar nicht so selten. „Etwa ein Fünftel aller Kinder gilt als verhaltensauffällig.“ Da sei es eben doch wichtig, dass die Schule bekannt sei, „damit niemand untern Tisch fällt“.

Zwar sitzt die DSE im Kreishaus in Dietzenbach, die Lehrer arbeiten aber an Schulen im ganzen Kreis. Viele haben noch eine therapeutische Zusatzausbildung. Sie unterstützen die dortigen Lehrer, beraten die Eltern und kümmern sich um einzelne verhaltensauffällige Schüler, aber auch um ganze Klassen. „Das sind manchmal sehr schwierige Kinder“, sagt Ehlert. „Dabei ist kein Kind so wie das andere. Wir versuchen zu verstehen, warum sie sich so verhalten.“

Für notorische Schulverweigerer und Dauerschwänzer gibt es den „Neustart“, für psychisch kranke, vielleicht auch suizidgefährdete Kinder den „Lernstern“ in einer Dietzenbacher pschiatrischen Klinik. Die Erfolge, mit denen die Schule nicht prahlen kann und will, sind dabei beachtlich.
Anerkennung für „Lernstern“

Für den Lernstern beispielsweise gebe es bundesweite Anerkennung, sagt Elke Buschardt-Schäfer, Leiterin der Abteilung. „Wenn die Kinder wieder aus der Psychiatrie entlassen werden, können sie dank unseres Unterrichts wieder an ihre alte Schule zurückkehren.“

Auch die Arbeit mit den Schulverweigerern lohnt sich. Alle bisherigen Schulverweigerer hätten im vergangenen Jahr den Hauptschulabschluss geschafft. „Das wird auch in diesem Jahr wohl wieder so sein“, berichtet ihre Kollegin Christina Baum. „Das ist eine großartige Leistung, und viele Schüler sind sehr stolz auf ihre Erfolge.“

„Viele Lebensläufe wären ohne uns sicher ganz anders“, sagt Schulleiterin Ehlert rückblickend. Sie kennt beispielsweise einen Schüler, den die DSE schon seit der Grundschule begleitet hat. Er macht in diesem Jahr Abitur. „Wir sind froh, dass es uns noch gibt, und wir hoffen, dass es weitergeht“, sagt sie. „Wir müssen heute viel mehr Aufgaben als vor fünf Jahren erledigen. Da würden wir uns mehr Sicherheit und Kontinuität für unsere Arbeit wünschen – und dass die Nöte von Kindern mit besonderen Verhaltensweisen gesehen werden.“

Die DSE feiert am Freitag, 17. April, von 9 Uhr an im Kreishaus Dietzenbach, Werner-Hilpert-Straße 1. Den Festvortrag hält um 11.45 Uhr die Pädagogik-Professorin Birgit Herz.

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