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Kampfsport Die Jedi-Ritter von Weiskirchen

Holzschwert und Höflichkeit: Bei der Turngemeinde im Rodgauer Stadtteil kann man eine ungewöhnliche Kampfsporttechnik aus Korea erlernen - Haidong Gumdo.

09.02.2011 16:10
Anne Jäger
Kampfsporttraining bei der TG Weiskirchen Foto: Monika Müller

Unter voller Körperspannung stehen sich Vlado Deliaga und Dieter Dettmering in weiten Trainingsanzügen gegenüber. Beide halten Schwerter in den Händen. Sie drehen sich, holen Schwung, lassen ihre Waffen durch die Luft sausen. Was vielleicht an die Kampftechnik der Jedi-Ritter erinnert, nennt sich Haidong Gumdo, was – aus dem Koreanischen übersetzt – so viel bedeutet wie „Schwertkampf aus dem Land der Morgenstille“. Treffen beide rund ein Meter langen Holzschwerter aufeinander, ertönt ein lauter Knall. 14 Schüler betrachten das Spektakel und versuchen, sich die Fertigkeiten der Trainer abzuschauen.

Seit September 2009 unterrichten Vlado Deliaga, Dieter Dettmering, Georg Krafczyk und Oliver Sperling die Kampfkunst bei der Turngemeinde (TG) 1886 Weiskirchen. Was als Experiment begann, hat heute rund 40 Anhänger, die dienstag- und donnerstagabends trainieren und bei Bedarf auch noch zum Zusatztraining montags und samstags kommen. „Alles hat sich viel schneller entwickelt, als wir gedacht hätten“, freut sich Vlado Deliaga. 2010 gab es für die Mannschaft sogar den ersten Platz bei den Deutschen Meisterschaften. Nun bräuchten sie zum Training fast die Tennishalle, sagt Georg Krafczyk. Denn ein Schwertkämpfer benötigt Platz im Radius von mindestens zwei Metern, den die kleine Halle der TG so vielen Schülern kaum bieten kann. Verletzungen gab es bislang jedoch keine. „Haidong Gumdo ist ein Sport, den jeder erlernen kann“, sagt Trainer Georg Krafczyk. Der Achtjährige genauso wie der 80-Jährige – Voraussetzungen bedürfe es keine. Was jedoch auffällt ist, dass besonders viele erwachsene Frauen zum Unterricht der Kampfkunst kommen. Auch die 41-jährige Sigrid Adler kommt seit 2009 regelmäßig zum Haidong Gumdo. Vorher hat sie schon Selbstverteidigung und Hap Ki Do gelernt und sei so zu der Schwertkampfkunst gekommen – für sie ein Ausgleich zum stressigen Alltag.

Haidong Gumdo fördere neben der Feinmotorik und dem Gleichgewicht auch die Bein- und Rückenmuskulatur. „Es werden Muskeln beansprucht, die man im normalen Leben kaum benutzt, höchstens mal zum Gardinenaufhängen“, erklärt Krafczyk, der in der IT-Branche arbeitet.

Koreanische Tugenden

Aber auch die fernöstlichen Lebensweisheiten kommen im Haidong-Gumdo-Unterricht nicht zu kurz. Höflichkeit, Respekt und Achtung wollen die Trainer ebenso vermitteln wie den richtigen Bewegungsablauf. „Dazu gehört auch, dass sich beim Rein- und Rausgehen alle begrüßen und voneinander verabschieden“, sagt Krafczyk. Mit einem „Sa Bum Nim Kyong Rye“ begrüßen die Schüler den Meister. Auch Lukas Deliaga, Sohn des Trainers, schwingt das Holzschwert bei der TG Weiskirchen. Ob er durch die Lehre der koreanischen Tugenden besonders artig sei? „Nicht mehr als alle anderen Kinder“, sagt Mutter Ruzica mit einem Lächeln.


www.tg1886weiskirchen.de

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