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Heusenstamm/Dietzenbach Zwei Hochhäuser sind feuergefährdet

Die Bauaufsicht untersucht Hochhäuser im Kreis Offenbach. Mehrere Fassaden in Dietzenbach und Heusenstamm sind offenbar nicht normgerecht.

London
Um eine Feuerkatastrophe wie in London zu verhindern, werden hierzulande die Hochhäuser auf ihre Dämmung überprüft. Foto: dpa

Nach dem Hochhausbrand in London, bei dem 80 Menschen zu Tode gekommen sind, gehen die Behörden im Kreis Offenbach auf Nummer sicher. Bekanntlich hatte in London das brennende Dämmmaterial die Rettung der Bewohner unmöglich gemacht. Deshalb waren in den vergangenen Tagen vier Mitarbeiter der Bauaufsicht und des vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutzes unterwegs, um die Fassaden der Hochhäuser im Kreis Offenbach in Augenschein zu nehmen.

Das Baurecht definiert klar, wann ein Gebäude ein Hochhaus ist: Der Fußboden des obersten Stockwerks muss höher als 22 Meter liegen. Demnach gibt es im Kreis Offenbach 101 Hochhäuser. Allein 29 stehen in Neu-Isenburg, und hier wiederum die meisten im Stadtteil Gravenbruch. In Mühlheim, Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt gibt es keine Hochhäuser.

Zwei Drittel der Hochhausfassaden in Ordnung

98 der 101 Hochhäuser sind vor dem Jahr 1984 erbaut worden. Bis zu jenem Jahr waren brennbare Stoffe in der Fassade nicht explizit verboten. Trotzdem sind, so ergab die Begutachtung, zwei Drittel der Hochhausfassaden in Ordnung. Bei einem Drittel wollen sich die Behörden absichern: Der Kreis schreibt die Eigentümer an und fordert vollständige Unterlagen, ob auch tatsächlich nichtbrennbares Material verbaut worden ist. Im Einzelfall werden dabei auch die Bauakten herangezogen.

Bei zwei Häusern haben Bauaufsicht und Brandschutz akuten Handlungsbedarf festgestellt. An einem Hochhaus in Dietzenbach entspricht das Dämmmaterial, das auf einer fensterlosen Seite verbaut wurde, nicht den Vorschriften. „Für diese Dämmung ist von der Bauaufsicht keine Genehmigung eingeholt worden“, sagt Kordula Egenolf, Pressesprecherin des Kreises. Wo das Haus genau steht, wollte sie aber nicht preisgeben. In einer kurzfristig anberaumten Anhörung mit dem Hauseigentümer soll nun weiteres geklärt werden.

Polystyrol in Heusenstamm

In Heusenstamm haben die Mitarbeiter der Kreisverwaltung ein älteres Hochhaus beanstandet. Es ist nachträglich mit Polystyrol verkleidet worden – das Material des Londoner Grenfell Towers – und entspricht somit nicht den Sicherheitsstandards. Innerhalb von zwei Wochen ist deshalb die Verkleidung rund um das Erdgeschoss zu entfernen, innerhalb von zwei Monaten dann die gesamte Fassadendämmung. Die Hausverwaltung bekam am Mittwochnachmittag eine Verfügung mit Sofortmaßnahmen zugestellt: Sicherheitsleute müssen umgehend rund um die Uhr den Außenbereich bewachen, Rauchmelder und Gefahrenmeldeanlage sind zu prüfen, zwischen Hauswand und Mülltonnen muss ein Mindestsicherheitsabstand von fünf Metern eingehalten werden.

Vorerst Grillverbot

Die Hausbewohner wurden am gestrigen Donnerstag mit einem gemeinsamen Schreiben von Kreis und Stadt über den Sachstand informiert. Sie erhielten ein Merkblatt mit Verhaltensregeln, dürfen auf ihren Balkonen vorerst nicht mehr grillen.

Wie Stefan Werner, Stadtbrandinspektor in Neu-Isenburg, berichtete, riefen nach dem schrecklichen Ereignis in London mehrere Bürger bei der Feuerwehr an und wollten wissen, wie sie bei einem Brand aus einem Hochhaus flüchten sollen. „Das Ziel sollte es sein, immer nach unten zu flüchten“, sagte er. Im Übrigen hätten alle Hochhäuser Sicherheitstreppenräume. Der Zugang zum Treppenhaus führt dabei über einen offenen Balkon. So zieht der Rauch nicht in den Treppenraum, sondern über den Balkon ab.

In Neu-Isenburg gab es bisher noch keinen Brand, bei dem das ganze Hochhaus in Flammen stand – zumindest kann sich Werner nicht an ein solches Feuer erinnern. Das Problem in London sei eine Hinterlüftung gewesen, erklärte der Experte. Durch einen Hohlraum in der Fassade sei ein Kamineffekt entstanden, durch den sich das Feuer schnell verteilen konnte. „Bei uns gibt es solche hinterlüfteten Fassaden nicht“, beruhigte er.

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