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Forstamt Langen Pläne für den Wald der Zukunft

Das Forstamt Langen macht derzeit Inventur im Wald von Stadt und Kreis Offenbach. Fremde Baumarten können bewährte ergänzen.

Nordpark Bonames
So viel Wasser haben die Bäche in der Region schon lange nicht mehr geführt. (Archivbild) Foto: Christoph Boeckehler

Die Sommer werden heißer, sagen die Meteorologen voraus – und damit muss der Wald der Zukunft anders aussehen. Wie – darüber macht sich das Forstamt Langen Gedanken. Die Behörde ist für 54 Quadratkilometer Staatswald und 105 Quadratkilometer Kommunalwald in Stadt und Kreis Offenbach zuständig. Forstamtsleiter Christian Münch stellt derzeit mit seinen zwei Dutzend Mitarbeitern die Weichen für die Entwicklung des Waldes innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Wie geht die mittelfristige Waldplanung vor sich?
„Wir beginnen quasi mit der Erbsenzählerei“, sagt Stefan Nowack, Leiter der Abteilung Waldentwicklung und Umwelt bei Hessen-Forst. Die Bäume werden gezählt und mit einem an einer Schnur befestigten Messplättchen gemessen, die Vitalität wird überprüft, die Grasnarbe angeschaut. 

Wie hat sich der Wald im Forstamt Langen in den vergangenen Jahrzehnten verändert? 
„Wir sind mittlerweile sozusagen ein Laubholzbetrieb mit ziemlich vielen Kiefern“, sagt Forstamtsleiter Christian Münch. 40 Prozent aller Bäume im Langener Staatswald sind Kiefern, 28 Prozent Buchen, 24 Prozent Eichen. In Summe machen die Laubbäume 58 Prozent aus, die Nadelbäume 42 Prozent.

Wird sich der Forst wandeln?
Das Forstamt Langen wird versuchen, den Nadelholzanteil zu stabilisieren und den Eichenanteil auf Kosten der Buche zu erhöhen.

Wie sehr leidet der Wald aktuell?
„Wir hatten dieses Jahr das Glück, dass wir bis März viel Regen und damit gute Startbedingungen hatten“, so Forstamtsleiter Münch. Momentan wissen sich die Bäume als letztes Mittel zu helfen, indem sie das Laub abwerfen. Die meisten werden laut seinen Worten im kommenden Jahr auch wieder austreiben – aber nur, wenn sie im Winter den fehlenden Wasservorrat wieder auffüllen können.

Welche Bäume können mit Hitze und Trockenheit gut umgehen?
Stieleiche, Traubeneiche, Kiefer und Douglasie. Rotbuche, Hainbuche, Ahorn und alle Edellaubholzarten sind sehr anfälllig gegen Trockenheit. „Uns fehlt die Erfahrung, wie diese Bäume reagieren, wenn sich solche Trockenphasen wiederholen“, so Münch.

Sind nicht exotische Arten eine Alternative?
„Wir sind gut beraten, erst mit den Baumarten zu arbeiten, die wir kennen und die sich bewährt haben“, sagt Münch. Exotische Arten wie die Große Küstentanne, die an der nordamerikanischen Pazifikküste heimisch ist, könnten besonders auf Sandstandorten eine sinnvolle Ergänzung sein.

Wird denn mit fremden Arten schon experimentiert? 
Das Forstamt Langen besitzt in Dietzenbach eine drei Hektar große Versuchsfläche, auf der die orientalische Buche steht. Auch eine Versuchsfläche für die große Küstentanne wurde angelegt. „Unsere Staatsforstfläche von 54 Quadratkilometern entspricht 10 000 Fußballfeldern, und eines davon ist mit der Küstentanne bepflanzt“, erklärt Münch.

Wie wirkt sich die Bodenbeschaffenheit auf die Waldplanung aus?
Über 60 Prozent der Fläche im Wald des Forstamts Langen sind Sandböden, mehr als ein Drittel ist Rotliegendes – und damit ein forstlich schwieriger Standort. Dieser Schieferuntergrund ist wechselfeucht, entwickelt schnell Staunässe, fällt aber auch schneller trocken als andere Böden. „Die Buche meidet solche Böden“, so Nowack.

Wie groß sind die Altholzbestände im Wald des Forstamtes?
30 Prozent aller Bäume sind über 140 Jahre alt. „Wenn man die über 100 Jahre alten Bäume dazu nimmt, liegt dieser Wert bei 50 Prozent“, so der Forstamtsleiter. Das sei gut, denn alte Bäume hätten eine hohe ökologische Wertigkeit.

Wo wird das Holz vermarktet?
Der Holzeinschlag aus den elf Langener Forstrevieren wird zu 80 Prozent in einem Logistikradius von 50 Kilometern verarbeitet. 20 Prozent der Stämme sind Sortimente, für die es hier keinen Abnehmer gibt.

Zusammengestellt von Annette Schlegl

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