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Flinc Flinc macht privates Auto öffentlich

Das Mitfahrnetzwerk Flinc will das ÖPNV-Angebot ergänzen. Jeder Bürger kann nun prüfen, ob er alternativ zum ÖPNV-Angebot auf einer Teilstrecke oder sogar von Tür zu Tür im Auto mitgenommen werden kann.

Ein grüner Flinc-Aufkleber signalisiert dem Bürger, dass er in diesem Auto mitgenommen werden kann. Foto: privat

Ausgefallene S-Bahnen, verspätete Züge, verpasste Busse, die Sperrung des Frankfurter Innenstadttunnels – das alles ist Autofahrern relativ egal. Das Mitfahrnetzwerk Flinc sorgt dafür, dass diese Ärgernisse zukünftig noch viel mehr Menschen „schnuppe“ sein können. Der Kreis Offenbach hat zusammen mit der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (KVG) sein Mobilitätsangebot um Flinc erweitert. Jeder Bürger kann nun prüfen, ob er alternativ zum ÖPNV-Angebot auf einer Teilstrecke oder sogar von Tür zu Tür im Auto mitgenommen werden kann.

Flinc soll den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht ersetzen, sondern ergänzen. So stellt sich KVG-Mobilitätsmanager Marcell Biederbick das neue Angebot vor. „Wir können mit dem ÖPNV nicht alles abdecken“, sagt er – und hat dabei vor allem die Sperrung des Frankfurter S-Bahn-Tunnels im Blick, die seit Samstag in Kraft ist. Diese Behinderungen bis zum 25. August haben die KVG und den Kreis Offenbach veranlasst, die Kooperation mit Flinc schnell auf den Weg zu bringen, um den Bürgern während dieser Zeit Fahrtalternativen bieten zu können.

Flinc soll aber auch danach „eine gute Alternative sein“, so Biederbick – und ist es wahrscheinlich auch, denn das Mitfahrnetzwerk hat laut Benjamin Kirschner, einem der Gründer des Unternehmens, als „weitere Transportmöglichkeit“ jetzt schon 250 000 Nutzer. „Wir machen im Prinzip das private Auto öffentlich.“

Auf Kurzstrecken ausgelegt

Von Darmstädter Studenten unter dem bekannten Hochschulprofessor Jürgen Follmann entwickelt, wurde es im Juli 2011 deutschlandweit eingeführt. „Wir fangen also im Kreis Offenbach nicht bei Null an“, sagt Biederbick und spricht von acht Angeboten, die ihm selbst von dem Mitfahrnetzwerk für die Fahrtstrecke vom Arbeitsplatz in Dietzenbach in seine Heimatstadt Darmstadt angeboten wurden – für sechs Euro. „Einer wollte mich sogar kostenlos mitnehmen.“

Im Gegensatz zu herkömmlichen Mitfahrzentralen ist Flinc hauptsächlich auf Kurzstrecken ausgelegt. Der Fahrer kann sich überlegen, ob er für seinen Mitfahrer vielleicht sogar einen Umweg in Kauf nimmt. „Der Umweg wird in den Preisvorschlag gleich mit eingerechnet“, erklärt der KVG-Mobilitätsmanager.

„Die Kosten waren für uns überschaubar“, sagt er. Lediglich die Einrichtung des Internetangebots und die Betreuung der Kommunikation schlugen für Kreis und KVG zu Buche. „Kein fünfstelliger Betrag.“

„Wir verdienen unser Geld nicht am Endkunden, sondern an Lösungen für Unternehmen“, erklärt Benjamin Kirschner. Flinc eigne sich nämlich als Pendlerlösung für Kollegen. Der Firmengründer spricht von derzeit 30 Unternehmen, die den Service nutzen – unter anderem Opel, die Deutsche Bahn, Marco Polo und der Wiener Flughafen.

Das neue Mobilitätsangebot für den Kreis Offenbach ist das zweite Projekt, das Flinc mit einem öffentlichen Verkehrsträger verwirklicht hat. „Das erste haben wir im April im Schwarzwald-Baar-Kreis realisiert“, sagt Kirschner, der auch noch versuchen will, die Kommunen mit ins Boot zu holen. Sie sollen Plakatierungen zulassen, Infomaterial und Aufkleber an Schulen verteilen und das neue Angebot im Gemeindeblatt veröffentlichen.

Der Unternehmensgründer hat Flinc auch in der Schweiz etabliert – mit durchschlagendem Erfolg. „Wer dort einen Bus sucht, bekommt auch gleich einen Fahrer bei Flinc angezeigt“, sagt er. Das Ganze funktioniert auch andersherum: Wer den Mitfahrservice nutzt, erfährt auch sofort die Busverbindungen mit Abfahrtszeiten. Diese zweigleisige Auskunft sollte es in Zukunft auch im Kreis Offenbach geben, schwebt der KVG vor.

Doch zunächst müssen hier genügend Nutzer für das Mitfahrnetzwerk gewonnen werden. „Im zweiten Schritt überprüfen wir, welche Achsen besonders gefragt sind“, so Biederbick. Dann erst könnte die Verknüpfung mit dem RMV erfolgen. Er sieht in der Mitfahrlösung gleich noch einen weiteren Vorteil: „Die Straßen werden nicht mehr von so vielen Autos verstopft, und unsere Busse stehen nicht so lange im Stau.“

Zwei Jahre hat sich Kirschner als Planungshorizont für das Mitfahrnetzwerk im Kreis gesetzt. „So ein Projekt muss man als Marathon aufbauen und nicht als Sprint.“

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