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Dreieich Suchtprävention Theater als Türöffner

Alle Schauspieler der Hattersheimer Theatergruppe Requisit haben eine heftige Drogenkarriere hinter sich. Beim Suchtpräventionstag der Heinrich-Heine-Schule treffen sie Jugendliche und beantworten deren Fragen.

24.08.2012 23:09
Maurice Farrouh
Heinz Neffken und Nora Staeger beim Improvisieren. Foto: Katja Lenz

Die erste Frage ist immer die gleiche: „Was hast du früher alles genommen?“ Sascha Johansson nimmt es gelassen. „Die Neugier der Leute ist ja verständlich“, sagt der bullige 39-Jährige mit dem rasierten Kopf und den sanften Augen. Stets freundlich und geduldig antwortet der Schauspieler der Theatergruppe Requisit auf die Fragen der jungen Leute.

Erzählen kann Johansson einiges, wenn sich Schüler und Schauspieler immer am Ende der Vorstellungen von Requisit in Kleingruppen zusammensetzen. Denn wie die anderen Schauspieler der Truppe aus Hattersheim unter Leitung von Pädagogin Nora Staeger hat Johansson eine lange und heftige Drogenkarriere hinter sich. Gestern war das Theater an der Heinrich-Heine-Schule in Sprendlingen zu Gast.

Theatergruppe hat Zugang zu Schülern

„Die Theatergruppe kann zu den Schülern einen Zugang herstellen, den wir als Lehrer niemals bekommen“, sagt Uwe Grünhäuser, Lehrer für Suchtprävention an der Gesamtschule. Das liegt auch daran, dass bei den Gesprächen zwischen Ex-Drogenkonsumenten und Jugendlichen keine Lehrer oder andere Erwachsene dabei sein dürfen. „Dann würden sich die Schüler nicht öffnen“, sagt Pädagogin Staeger, die das Theater 1995 gründete und als einziges Mitglied keine Drogenvergangenheit hat.

Bevor es am Aktionstag für Neuntklässler um Drogen und Sucht geht, wird erstmal einfach nur Theater gespielt: witzig, spontan und ganz ohne pädagogischen Klimbim. Requisit hat sich auf Improvisationstheater spezialisiert: Es gibt kein festes Stück, sondern die Schauspieler lassen sich spontan etwas einfallen. Die Themen können die Jugendlichen mitbestimmen. Diese Interaktion sorgt dafür, dass sich die Schüler schnell ins Geschehen eingebunden fühlen und später keine Hemmungen haben, die Erwachsenen anzusprechen. „Wir machen bewusst kein Sucht-Theater“, sagt Staeger. Das Spiel auf der Bühne ist bei Requisit ein Türöffner, um sich danach ernsteren Themen widmen zu können. Dabei kommen die früheren Drogenkonsumenten den Schülern niemals mit erhobenem Zeigefinger. „Wir verdammen nichts“, sagt Heinz Neffken, der mehr als 20 Jahre lang drogenabhängig war. „Wir zeigen aber, wohin es führen kann.“ Und sie können erzählen, wie Menschen, ohne es zu merken, in die Sucht abrutschen. „Das muss nicht immer gleich Heroin oder Kokain sein“, sagt Staeger. Auch das tägliche Bier nach der Arbeit könne zum Problem werden.

Verein auf Fördergeld angewiesen

Vor kurzem wäre es fast vorbei gewesen mit der Theatergruppe Requisit. Denn der Träger „Selbsthilfe im Taunus“ (SiT), bei dem die Gruppe seit der Gründung vor 17 Jahren angesiedelt war, musste vor wenigen Wochen Insolvenz anmelden. Requisit ist jetzt als eigenständiger Verein organisiert. „Wir sind gerade in einer etwas schwierigen Anfangsphase“, sagt Staeger. Denn die Gruppe muss ihre Kosten decken – alle sechs Mitglieder sind fest angestellt. Weil Schulen für solche Projekte kein Budget haben, ist der Verein auf Fördergeld und Sponsoren angewiesen. Den Auftritt in Dreieich hat Fraport bezahlt.

www.theater-requisit.de

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