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Dreieich SC Hessen Dreieich „Wir sind abhängig vom SC Hessen“

Der von Hahn-Air-Chef Hans Nolte gesponserte SC Hessen hat sich bei den Dreieicher Fußballclubs nicht nur Freunde gemacht. Andere Vereine beklagen „Abwerbung im großen Stil“.

In Sichtungstrainings hielt der SC Hessen Dreieich nach jungen Talenten aus der Umgebung Ausschau. Foto: Michael Schick

Gerade in den vergangenen Wochen hat eine Meldung über die Neuverpflichtung von Spielern beim SC Hessen Dreieich die andere gejagt. Doch alles hat seine zwei Seiten: Vor einem Jahr gegründet, hat sich der vom Hahn-Air-Chef Hans Nolte gesponserte Verein nicht nur Freunde gemacht. Einige Trainer beklagen das „Ausbluten“ ihrer Clubs, und zwar vor allem im Jugendbereich. Der SC Hessen habe talentierte Jugendliche aggressiv abgeworben, monieren sie.

Es ist ein zweischneidiges Schwert für die Fußballvereine im Dreieicher Stadtgebiet: Zum einen sind sie auf das Geld angewiesen, das aus dem Sport-Sponsoringpool des SC Hessen Dreieich an sie fließen. Zum anderen sind einige von ihnen mit den Methoden des Fußball-Verbandsligisten, der an der Lettkaut einen professionellen Sportpark entstehen lässt, nicht so recht einverstanden.

Geld aus dem Sponsorenpool

Die verschuldete Stadt Dreieich ist unter den Schutzschirm des Landes Hessen geschlüpft und gezwungen, von den Sportvereinen Nutzungsgebühren zu erheben. 17 000 Euro zum Beispiel müsste allein die SG Götzenhain in diesem Jahr für den Sportplatz bezahlen. Die von Nolte ins Leben gerufene Dreieich Sportstätten Betriebs- und Marketing-GmbH (DSBM) schüttet aus dem Sponsorenpool jedoch an die Vereine Gelder aus – wenn sie dem SC Hessen Dreieich als assoziiertes Mitglied beitreten, wenn genügend Mitglieder eine Doppelmitgliedschaft abschließen, wenn Jugendarbeit betrieben wird.

Teuer ist die freiwillige Doppelmitgliedschaft nicht: zwölf Euro pro Jahr zusätzlich zu den Gebühren des Stammvereins. Wenig Kosten für den Einzelnen, aber viel Nutzen für den jeweiligen Fußballclub, da die Sportplatzgebühren so kompensiert werden können.

Die Stadt nehme sich durch das Konstrukt SC Hessen aus der Verantwortung, heißt es bei einigen Wortführern in den Dreieicher Fußballclubs. Man sei abhängig vom neuen Verein, komme sich schon fast erpresst vor. „Was passiert, wenn der Hahn-Air-Chef seine finanziellen Zusagen nicht einhält?“, fragt ein Vereinsvorsitzender, der namentlich nicht genannt werden will. Hinter vorgehaltener Hand wird kolportiert, dass sich da jemand ein „Klein-Hoffenheim“ aufbauen wolle. Das Ehrenamt in den kleinen Dreieicher Fußballvereinen stehe im Wettbewerb zu den Profis, die beim SC Hessen am Werk sind.

Fünf Mannschaften hat der SC Hessen, so dessen sportlicher Leiter Thomas Epp, in der kommenden Saison im Spielbetrieb: U15, U17 und U19, eine U23, die in der Kreisoberliga antritt, und eine „runderneuerte“ erste Mannschaft. Über 60 Jugendliche wurden seiner Aussage nach verpflichtet. Dass der SC Hessen bei der Spielerauswahl nicht gerade zimperlich zu Werke ging, stößt so manchem Verantwortlichen sauer auf. Einige Vereine waren gezwungen, mit den „Restbeständen“ neue Partner zu finden, mussten kurzfristig Spielgemeinschaften mit anderen Dreieicher Fußballclubs gründen, um überhaupt am Leben zu bleiben.

Den FC Langen hat es ganz besonders hart getroffen: Er hat acht A-Jugendspieler an den SC Hessen verloren – junge Männer, die von der E-Jugend an aufgebaut wurden. „In der Satzung des SC Hessen steht, dass er den Fußball in Dreieich fördern will, und dann bedient man sich in Langen“, ärgert sich der Vorsitzende Stephan Seibel. „Hätte der SC Hessen aus jedem Dreieicher Verein zwei Talente geholt, hätte er auch eine Mannschaft gehabt.“

Der Weggang der A-Jugend-Spieler dürfte auch im Zusammenhang stehen mit dem Wechsel von U19-Coach Peter Adrianus von Wordragen, der Mitte April für den SC Hessen verpflichtet wurde. „Dort hätte man den Hörer in die Hand nehmen und uns frühzeitig die Entwicklung mitteilen müssen“, sagt Seibel. Doch der Nachbarverein habe in dieser Phase die gemeinsame Lösung vermissen lassen.

Seibel kennt das Geschäft, hat selbst schon Oberliga-Fußball gespielt. „Wenn es heutzutage schon im Jugendbereich so abläuft, ist das traurig“, meint er. Der FC sei ein kleiner Fußballverein, deshalb sei der Wechsel der Jugendlichen „wie ein Genickschuss“. Die Langener haben nun in der kommenden Saison zwar eine A-Jugend für den Spielbetrieb angemeldet, werden sich aber aus der B-Jugend bedienen müssen, um überhaupt eine Mannschaft aufrechterhalten zu können.

Am Ende doch klärende Worte

Beim SC Hessen sieht man das alles viel weniger dramatisch. Sehr gute Trainer und ein neuer Sportpark seien eben zugkräftig, meint Thomas Epp. Der sportliche Leiter spricht von Neuverpflichtungen „aus dem engeren Umfeld“ – und meint damit Langen, Neu-Isenburg, Sprendlingen und Ober-Roden. „Wenn ich hier vor der Geschäftsstelle stehe, kann ich mit der Hand fast nach Langen rübergreifen“, sagt Epp. Langen sei eben näher als zum Beispiel der Dreieicher Stadtteil Offenthal. „Jugendliche, die vom neuen Stadion hören, wollen hier spielen. Denen können wir nicht sagen, dass sie das nicht dürfen.“

Laut Epp betreiben auch andere Vereine dieses Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel. So verliere die Sport- und Sängergemeinschaft Offenthal (Susgo) eine D-Jugend an den FC 06 Sprendlingen, und die C-Jugend des FC 06 wechsle fast komplett nach Neu-Isenburg. Der SC Hessen habe nun mal einen Trainer, „der die Jungs mitgezogen hat“. Viele seien bei dem Ex-Profi in Langen in der Fußballschule gewesen. Im Übrigen habe man sich mit den Langenern getroffen und sich ausgetauscht. So seien weitere Spielerwechsel vermieden worden.

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