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Dreieich Offenthal Das Ende ist in Sicht

Seit Jahrzehnten leidet Offenthal – jetzt wird die Umgehungstraße gebaut. Ein Spaziergang mit Günther Stapp.

Günther Stapp hat jahrzehntelang für die Umgehung gekämpft. Foto: ROLF OESER

Günther Stapp hat sich gerade einen neuen Heimtrainer gekauft. „Ich muss ja fit bleiben“, sagt er. „Schließlich will ich die Eröffnung der Offenthaler Umgehungsstraße noch erleben!“ Tatsächlich reicht die Planung der Ortsumfahrung für den Dreieicher Stadtteil schon bald 60 Jahre zurück.
Stapp ist an der Messeler Straße aufgewachsen, bis heute leben der 76-Jährige und seine Frau in seinem Elternhaus. Er hat erlebt, wie der Verkehr hier seither immer mehr zugenommen hat. Und er hat zusammen mit der Bürgerinitiative IG Offenthal jahrzehntelang gekämpft, auch mit harten Bandagen.
Der Sprecher der IG hat sein Haus schwarz beflaggt, um Wut und Trauer der Anwohner symbolisch darzustellen, hat nie locker gelassen, immer wieder Politiker in Wiesbaden und Berlin gelöchert und genervt, in den Medien getrommelt und zuletzt mit einer großen Flugblattaktion gedroht, sollte sich die Fertigstellung nochmals verzögern.
„Die wissen, ich bin kein Papiertiger, ich ziehe das durch“, sagt er. Er zeigt die lange Liste mit Telefonnummern und Adressen von Politikern und Medienvertretern. Unzählige Interviews hat er schon gegeben, bundesweit war er im Fernsehen und in zahllosen Zeitungen. Der lange Streit forderte seinen Preis. Es gebe durchaus Menschen in Offenthal, die nicht mehr mit ihm redeten, sagt er.

Noch 2013 soll die Südumgehung fertig werden

Dabei wusste Stapp eine Mehrheit der Offenthaler hinter sich: 1997 befragte das Hildesheimer Wickert-Institut im Auftrag des Dreieicher Magistrats die Bewohner. 86 Prozent befürworteten damals den Bau der Südumfahrung, nur 14 Prozent lehnten die Straße ab.
Jetzt geht der lange Kampf der IG zu Ende: Noch in diesem Jahr soll die Südumgehung fertiggestellt werden. Ist das sein Erfolg? „Die Politiker würden es sicher bestreiten“, sagt er, „aber es ist ja Wahlkampf.“ Die Vorstellung, kurz vor der Landtagswahl und der Bundestagswahl mit alten Wahlversprechen konfrontiert zu werden, sei für die zuständigen Politiker wohl doch ziemlich unangenehm gewesen. Ein Bauleiter habe ihm aber erst kürzlich gesagt, dass die Firma seinetwegen so einen Fertigstellungsdruck habe, erzählt er. „Am Anfang haben die Bauarbeiter noch gegrüßt“, sagt er.
Immerhin winken sie ihm noch zu, als sie in ihrem Transporter vorbei auf die Baustelle fahren. „Ich will keine Namen nennen, aber haben sich einige Politiker in den letzten Jahrzehnten ganz schön dreckig verhalten, obwohl ich einige vom Kinderwagen an kenne“, sagt er.


Vor Stapps Haus donnert ein Lastwagen vorbei und gleich noch einer. „Heute ist es ruhig hier, es sind ja Ferien“, sagt Stapp. Oft ist hier sonst Stau. An normalen Tagen schieben sich bis zu 10 000 Autos, Motorräder und Lastwagen durch die Messeler Straße, unten an der Kreuzung mit der Mainzer Straße sind es sogar bis zu 30 000, Tag und Nacht. „Besonders laut sind die Laster mit leerem Anhänger“, sagt Stapp. „Das tut Schläge mitten in der Nacht, wenn die hier durchrumpeln.“
Tempo 30 sollen die Autofahrer eigentlich im Ortskern einhalten, mahnt ein Schild. Immerhin steht eine stationäre Radarfalle in der Mainzer Straße. Zusätzlich kontrolliert wird aber nur selten. Baumaterialien und Schotter werden hier hindurchtransportiert. In Messel ist ein großes Baustoffwerk, viele Speditionen nutzen den Weg über Offenthal auch als Abkürzung, um ein bisschen Autobahnmaut zu sparen.
Rote Staubwolken wehen über die Felder südlich von Offenthal, die Kornfelder wogen im heißen Wind. Ein Bagger schiebt Erdaushub vor sich her, zwei Lastwagen bringen Baumaterial. Noch stehen zwei der drei Brücken, die schon in den vergangenen Jahren fertiggestellt wurden, wie surreale Architektenspielzeuge in der Landschaft.

Wird dann auch Ruhe einkehren in Offenthal?

Doch der Verlauf der künftigen Trasse ist inzwischen auf ganzer Länge klar erkennbar. Der Rentner kennt hier jeden Quadratmeter, weiß, wer wo Land besessen und welcher Anwohner in welcher Instanz geklagt hat. Er weiß, wo die drei Kreisel entstehen und wo die Brücke über die Dreieichbahn gebaut wird, er hantiert mit Plänen und Landkarten.
Es ist eine schöne Landschaft, die die neue Straße durchschneidet. Das sagt auch Stapp. „Wäre vor 30 Jahren der Odenwaldzubringer gebaut worden, dann wäre diese Straße überflüssig“, sagt er. Die Schnellstraße sollte von der Autobahn 661 zur Bundesstraße 45 führen.
Nun also: Ein Ende ist in Sicht. „Ich bin froh, dass es rum ist“, sagt Stapp. Wird dann auch Ruhe einkehren in Offenthal? „Ich hoffe es.“

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