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Dreieich Öffentliche Bauten im Verzug

Die Kita Heckenborn ist ein halbes Jahr später fertig als geplant. Das ist kein Einzelfall: Die öffentliche Hand hat bei ihren Projekten zunehmend mit Verzögerungen zu kämpfen.

Was haben in Dreieich das Stadtteilzentrum Hirschsprung-Breitensee, das BIK-Haus an der Hainer Chaussee und aktuell die Kita Heckenborn gemeinsam? Alle drei Neubauten wurden viel später fertig als ursprünglich geplant. Das ist kein Einzelfall: Die öffentliche Hand hat bei ihren Projekten zunehmend mit Verzögerungen zu kämpfen. Und nicht nur das: Bei Ausschreibungen bietet für manche Gewerke sogar keine einzige Firma. Die Vergabeverfahren müssen dann wiederholt werden, was ebenfalls Zeit kostet.

„Wir sind schon froh, dass trotz der schwierigen Lage die Gewerke vergeben werden konnten“, sagte Erster Stadtrat Martin Burlon (parteilos) bei einem Vor-Ort-Termin in der Kita Heckenborn. Die Fertigstellung des 2,4-Millionen-Projekts war erst für April, dann für Juni prognostiziert. Nun könnten wohl Ende September die ersten Kinder in dem zweigeschossigen Neubau eingewöhnt werden, meinte er. Ende des Monats solle wenigstens das Erdgeschoss übergeben werden, blickte Architekt Thomas Hacker voraus. „Dann kann der Fachbereich schon mal die Möbel reinstellen.“ Auf lange Sicht sollen sich insgesamt 48 Kinder unter drei Jahren in vier Krabbelgruppen auf 1100 Quadratmetern wohlfühlen.

Probleme gab’s beim Bau genug: Die Trockenbauer-Kolonne beispielsweise habe auf ihre Betriebsferien gepocht und sei ohne Ankündigung in die Heimat nach Serbien gefahren, berichtete Hacker. Der Chef habe sich zwar sofort um Ersatzleute von einer Zeitarbeitsfirma bemüht, aber trotzdem gingen mehrere Tage ins Land.

Stadt zieht Konsequenzen

„Ein Haus baut man mit rund 15 Gewerken, die aufeinander aufbauen“, erklärte Hacker gegenüber der FR. Der Bauherr oder der Architekt erstelle einen Bauzeitenplan, der die Gewerke eintakte. Wenn dann nur ein Rädchen nicht greife, verschiebe sich alles nach hinten. „Das ist wie ein Dominoeffekt.“

Die Stadt Dreieich muss alle Leistungen öffentlich ausschreiben. Dafür werden Einheitspreise aus Erfahrungswerten angesetzt. Aber die Baufirmen könnten es sich leisten, einfach keine Angebote abzugeben, so Hacker, und quasi den Preispoker zu spielen. „Wir haben bei manchen Ausschreibungen einen Preisunterschied von 100 Prozent und mehr“, sagte er. 30 bis 40 Prozent Kostensteigerungen seien schon fast an der Tagesordnung.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Die konjunkturelle Lage ist gut, die Rhein-Main-Region verzeichnet Zuzug und braucht Wohnraum, wegen des Rechtsanspruchs der Eltern müssen Kitas derzeit in großer Zahl gebaut werden, Kommunen arbeiten ihren Sanierungsstau ab, die Zinslage macht Bauen auch für die Privatwirtschaft attraktiv. Dazu kommt noch der Facharbeitermangel. Alle Baufirmen würden händeringend Mitarbeiter suchen. „Mit immer weniger qualifizierten Leuten muss man technisch immer höherwertige Häuser bauen“, so Hacker. Oft hätten Firmen kein Personal, um den Auftrag ausführen zu können, so dass sie gar kein Angebot abgeben – oder eines, das sehr hoch kalkuliert ist.

Der angepeilte Kostenrahmen werde bei der Kita Heckenborn wohl in etwa gehalten, meinte er. Es hätte also schlimmer kommen können. Die Stadt hat ihre Lehren trotzdem gezogen: Die nächsten Kitas an der Winkelsmühle und am Wilhelmshof werden in Modulbauweise entstehen. „Das verringert die Bauzeit, weil die Teile in der Fabrikhalle vorgefertigt werden. Und billiger ist es auch“, so der Architekt.

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