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Dreieich Neue Moschee ist fertig

Im Sprendlinger Gotteshaus beten Sunniten und Schiiten gemeinsam

14.04.2012 22:56
Maurice Farrouh
Die neue Moschee bietet viel Platz. Foto: Monika Müller

Die Türkisch-Islamische Gemeinde trifft sich auch künftig in einer Hinterhofmoschee. Zumindest, wenn man mit dem Wort meint, dass sich das Gebäude in einem Hinterhof befindet. Ansonsten hat das weiß verputzte Gotteshaus mit den verzierten Holzdoppeltüren und der Kuppel auf dem Dach aber auch nichts gemein mit dem gängigen Klischee vom schummrigen Gebetsraum im heruntergekommenen Gewerbegebiets-Bungalow.

„Unsere alte Moschee war zwar von innen ebenfalls schön, aber mit der neuen haben wir endlich auch von außen ein repräsentatives Gotteshaus“, sagt Gemeindevorsitzender Sefa Sahin. Außerdem bietet sie mehr Platz.

Jahrelang trafen sich die rund hundert Familien der Gemeinde in einer Fabrikhalle auf dem Grundstück direkt neben der neuen Moschee. Seit Anfang des Jahres kommen sie zum Beten in den Neubau. Dabei sieht es auf dem Grundstück noch etwas nach Baustelle aus. Am Gemeindehaus vorne an der Straße steht ein Baugerüst, Handwerker schlendern über den Hof, in der Zufahrt fehlt ein Teil des Pflasters. Zwei Jahre haben die Bauarbeiten gedauert.

Die Moschee selbst ist inzwischen komplett fertig. Im Inneren treten Besucher auf weichen Teppichboden, auf dem zwischen Verzierungen eingezogene Linien den Gläubigen die Aufstellung Richtung Mekka erleichtern. Vorne befindet sich die mit bemalten Kacheln kunstvoll verzierte Gebetsnische für den Imam sowie die Empore und der erhöhte Lehrstuhl für besondere Anlässe. Ein großer Balkon bietet Platz für die Frauen. Vor dem Umzug konnten sie die Predigten nur per Video aus einem Nebenraum verfolgen.

Einen großen Teil der Bauarbeiten haben die Gemeindemitglieder selbst erledigt. Anders sei das eine Million Euro teure Projekt nicht zu stemmen gewesen, sagt Sahin. „Anders als viele Menschen glauben, bekommen wir keinerlei finanzielle Unterstützung aus der Türkei oder anderen ausländischen Quellen.“ Der Bau sei komplett aus Eigenmitteln und Spenden der Gemeindemitglieder finanziert. Deshalb hätten die Arbeiten auch etwas länger gedauert. „Wir mussten immer schauen, was wir gerade bezahlen können“, erzählt Sahin, der als Angestellter bei Flughafenbetreiber Fraport sein Geld verdient. Eine große Hilfe seien Firmen gewesen, die ihnen gute Preise gemacht hätten. Zum Teil hätten muslimische Handwerker ganz auf ihren Lohn verzichtet.

Wenn auch das Gemeindehaus und die Außenanlagen fertig sind, will die Gemeinde sich der Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür vorstellen. Das Besondere an der Sprendlinger Gemeinde ist laut Sahin, dass sie nicht nur türkische Muslime anzieht. „Wir haben auch Mitglieder aus Pakistan, Irak und anderen Ländern. Bei uns beten auch Sunniten und Schiiten gemeinsam – das ist alles kein Problem.“

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