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Dreieich Integration Sportprogramm statt Langeweile

Der Turnverein 1880 Dreieichenhain (TVD) testet ein neues Ferienprojekt für Hauptschüler mit Migrationshintergrund. Fünf Tage lang absolvieren sie ein Sportprogramm, das die ganze Vielfalt des Vereins spiegelt.

Zum Ausprobieren: Heute ist Tischtennis beim TVD dran. Foto: Monika Müller

Ach, es ist ein Jammer! Die erste Ferienwoche ist schon fast zu Ende, und sie war, sagen Alessia, Alina, Rozhin, Sajad und Fre fast im Chor, ganz toll – natürlich ist sie wie im Fluge vorübergegangen. Das verdanken die Schüler der Weibelfeld- und der Heinrich-Heine-Schule dem Turnverein 1880 Dreieichenhain (TVD), der in dieser Woche etwas ganz Neues ausprobiert hat: Fünf Tage lang bietet der Verein den 16 Hauptschülern von morgens um 9.30 Uhr bis zum späten Nachmittag ein Sportprogramm, das die ganze Vielfalt des Vereins spiegelt.

Das reicht von Leichtathletik und Tischtennis bis zum Dart, und sogar Tai-Chi und Yoga haben die Jungen und Mädchen in den vergangenen Tagen ausprobiert, ohne zu mucken. „Schade, dass es nächste Woche nicht weitergeht“, sagt die 13-jährige Rozhin. Und der zwölf Jahre alte Fre seufzt: „Ich weiß gar nicht, was ich nächste Woche machen soll!“

„Wir waren anfangs etwas skeptisch, ob wir wirklich alle 15 Plätze voll bekommen“, sagt Sven Geburtig, Schulsozialarbeiter an der Weibelfeldschule. „Aber nun sind es sogar 16 Schüler geworden. Ich bin selbst überrascht, mit was für einer Begeisterung sie hier mitmachen.“ Geburtig hat das Ferienprojekt, das in diesem Jahr zum ersten Mal ausprobiert wird, zusammen mit seinem Kollegen Richard Jutz von der Heinrich-Heine-Schule und Gudrun Nagel, der Leiterin des Beratungszentrums West, ausgearbeitet. „Uns geht es hier nicht um Leistung, sondern um Spaß“, sagt Jutz. Er spielt selbst Rugby, sein Kollege Geburtig Wasserball, und beide können die Schüler hervorragend motivieren.

Integrationsstützpunkt des Landes

„Wir fanden die Idee auf Anhieb gut“, sagt Gerhard Liebermann, der TVD Vorsitzende, enthusiastisch. „Unser Verein ist offen für Integration, wir sind sogar Integrationsstützpunkt des Landes Hessen.“ Geleitet wird das Projekt beim Verein von Alfred Salewski und Hanni Niebert. Wahrscheinlich kann man die Bedeutung von Sportvereinen dabei gar nicht hoch genug einschätzen: Sehr viele andere Orte, an denen Schicht, Herkunft, Bildung und Vermögen keine Rolle spielen, gibt es in unserer Gesellschaft ja nicht.

Das Ferienangebot des TVD ist kostenlos und großzügig: Der Verein stellt nicht nur die Halle und die Trainer, er kann mit Sponsorenhilfe auch alle Mahlzeiten und Getränke spendieren. Für die Schüler, die alle aus Migrantenfamilien stammen, ist es die erste Begegnung mit einem Sportverein. Neue Mitglieder zu werben ist nicht die Absicht der Ferienaktion, aber natürlich kommt man sich näher – zwei Schüler seien schon so begeistert, dass sie unbedingt im Verein weitertrainieren wollten, sagt Geburtig.

Er ist stolz darauf, wie engagiert seine Schützlinge bei der Sache sind. „Sie sind erstaunlich diszipliniert. Alle kommen pünktlich und machen alles mit. Das ist schon ein Indiz, dass es ihnen gut gefällt“, sagt Geburtig, der seine Schüler ja auch aus dem Schulalltag kennt.

Mit Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, auch mit Ausdauer haben die Zwölf- bis Fünfzehnjährigen sonst durchaus auch mal so ihre Probleme, hier beim Sport in den Ferien ist davon aber nichts zu merken. Da kommt dann so etwas, was die Erwachsenen vielleicht „pädagogisches Erziehungsziel“ nennen würden, auf leisen Sohlen durch die Hintertür.

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