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Dreieich Für vieles ist ein Kraut gewachsen

Der Lehr- und Kräutergarten in der Sprendlinger Baierhansenwiesen hat sich zu einem regelrechten Vorzeigeprojekt gemausert.

Kräutergarten
Vorbildlich: Bürgerengagement hat den Lehr- und Kräutergarten in den Baierhansenwiesen möglich gemacht. Foto: Rolf Oeser

Was hier so wächst! Bergwohlverleih, Schöllkraut, Nieswurz, Giersch, Goldrute – Namen, die vor allem Jüngere noch nie gehört haben. Die Info, wofür diese Pflanzen denn Verwendung finden könnten, gibt’s im Dreieicher Lehr- und Kräutergarten auf kleinen, in die Beete gesteckten Schildchen gleich kostenlos dazu.

Das Areal im Stadtteil Sprendlingen, das Dreieicher Bürger vor zwei Jahren initiiert haben, hat im wahrsten Sinne Vorzeigecharakter. Allein im Vorjahr kamen 8000 Besucher, um die 36 Beete mit 80 Heil- und Wildkräutern, die Kräuterspirale für Küchenkräuter und die zwölf großen Beete mit Obst und Gemüse zu bestaunen. 1200 Interessierte ließen sich in Führungen und Workshops erklären, wie gutes Gärtnern funktioniert.

Dass der Lehr- und Kräutergarten so eine Erfolgsgeschichte schreibt, hätten sich die Initiatoren nicht träumen lassen. „Die Idee wurde 2015 bei einer Bürgerversammlung geboren“, erinnert sich Klaus Rehwald, Dreh- und Angelpunkt des Projektes. Bald darauf fanden sich zahlreiche Bürger, Vereine und Firmen, die das zugewilderte Grundstück auf den Baierhansenwiesen im Westen von Sprendlingen vom Müll befreiten. 150 Kubikmeter Unrat wurden weggeräumt, alte Gartenhütten abgerissen. Innerhalb von acht Wochen wurde dann der Kräutergarten aus dem Boden gestampft.

Am 29. Mai 2016 feierte man Eröffnung, und schon im ersten Jahr des Bestehens war das 1000 Quadratmeter große Kleinod Ausflugsziel von Schulklassen, Kitas, Seniorengruppen und Vereinen. „In diesem Jahr haben wir jetzt schon wieder über 800 Personen, die sich zur Führung angemeldet haben“, sagt Rehwald. Dabei hat die Gartensaison gerade erst begonnen.

Generalstabsmäßig angelegt und wie aus dem Ei gepellt wirkt der Kräutergarten. Quadratische kleine Beete für die Wild- und Heilkräuter, größere Beete für Gemüse und Obst. dazwischen mit Holzschnitzeln bestreute Wege, ein Hochbeet mit verschiedenen Minzen, ein Hochbeet mit Spinat, ein Tomatenhaus, ein Beet mit Weizen, Roggen und Hafer, Obstbäume und Beerensträucher, Lavendel entlang des Weges.

Vor drei Wochen kam ein großes Insektenhotel dazu, vor vier Wochen wurde eine neue Gerätehütte aufgebaut, in der Vorwoche bohrte ein Brunnenbauer aus Darmstadt zwölf Meter tief einen Brunnen. Im kommenden Monat soll ein Bienenhaus mit vier Bienenvölkern fertiggestellt sein, das einen knallgelben Postkasten mit derzeit zwei Bienenvölkern ersetzt. Die Betreuung übernehmen Mitglieder des Bienenzuchtvereins. Ein Bienenschaukasten soll bald noch dazu kommen.

Aus der losen Bürgerinitiative ist im Januar dieses Jahres der Verein Lehr- und Kräutergarten Dreieich geworden. Die Hobbygärtner haben damit der Bitte der Stadt entsprochen, das Ganze auf rechtliche Füße zu stellen. „Die Stadt stellt die Flächen zur Verfügung, wir haben die Nutzungsvereinbarung ohne Pachtzins“, erklärt Rehwald, der auch als Vorsitzender des Vereins fungiert. 60 Mitglieder zählt man nun schon.

Direkt neben dem Kräutergarten ist ein weiteres umzäuntes Areal mit größeren Beeten abgesteckt: der Familiengarten. Der Verein „Zukunft Dreieich“, der 2014 die Wiederherstellung der Baierhansenwiesen als Naherholungsgebiet vorantrieb, hat im Vorjahr auch diese Gemeinschaftsgärten etabliert. 15 Parzellen á 40 Quadratmeter und ein Hochbeet für Rollstuhlfahrer wurden angelegt.

Für jährlich 30 Euro – Aufwandsentschädigung für die kostenlose Nutzung der Gartengeräte – kann jeder nach Herzenslust säen und pflanzen. So wie der Neu-Rentner Peter Lenhardt, der hier seine Liebe zum Gärtnern entdeckt hat. Er sät gerade Wildblumen, um eine Ecke für die Bienen zu schaffen. „Tomaten kann man billiger im Supermarkt kaufen, aber selbst was anbauen, das macht Spaß.“

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