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Dietzenbach Taufe im Nichtschwimmerbecken

Die Taufe von sieben Mitgliedern einer freikirchlichen Gemeinde im Dietzenbacher Freibad hat für Aufregung - und einen Facebook-Shitstorm gesorgt.

Schwimmbad in der Offenthalerstraße
Blick ins Schwimmbad Dietzenbachs - wenn gerade niemand getauft wird. Foto: Monika Müller

Sonntag, 11.30 Uhr, im Dietzenbacher Waldschwimmbad: Strahlender Sonnenschein, viele Besucher – und sieben erwachsene Menschen, die vollbekleidet nacheinander ins Nichtschwimmerbecken steigen, dort einzeln von zwei Geistlichen getauft werden. Am Beckenrand stehen rund 100 Taufpaten und Angehörige, die der Zeremonie beiwohnen. Ein Badegast hat in einer Facebook-Gruppe Kritik dazu geäußert – und hat so einen Shitstorm ausgelöst; der Administrator musste für den Beitrag die Kommentarfunktion deaktivieren.

Die Täuflinge waren Mitglieder der pfingstkirchlichen Jesus-Gemeinde Dietzenbach, einer freikirchlichen Gemeinschaft, die es seit 17 Jahren in Dietzenbach gibt. Seit sechs Jahren darf sie das Freibad einmal pro Jahr für ihre Glaubenstaufen nutzen. Das macht Michael Würz klar, technischer Betriebsleiter der Städtischen Betriebe Dietzenbach. „Diesmal haben wir das Ereignis aber völlig unterschätzt“, sagt er.

Zum ersten Mal sei im Freibad in dieser Größenordnung getauft worden, sonst seien es immer nur ein oder zwei erwachsene Täuflinge gewesen. „Hätten wir das geahnt, hätten wir die Taufe nach Feierabend um 20 Uhr stattfinden lassen“, so Würz. Es sei auch nicht mit der Badeordnung vereinbar, dass Menschen in Alltagskleidung ins Wasser gehen oder in Straßenkleidung am Beckenrand stehen. „In den vergangenen Jahren wurde Badekleidung bei der Taufe getragen.“

Stefan Wenzel, Vikar der Jesus-Gemeinde, widerspricht dieser Darstellung: „Wir taufen schon immer mit frisch gewaschenen weißen Hemden oder Kleidern.“ Unter ihren Taufgewändern trugen die Täuflinge – „deutsche Staatsbürger zwischen 16 und 48 Jahren, zum Teil mit Migrationshintergrund“ – auch diesmal Badekleidung.

Warum musste die Taufe zur besten Badezeit stattfinden? „Das war bisher nie ein Problem“, so Magdalena Fischer, Pastorin der freikirchlichen Gemeinde. Eine Taufe sei ja ein freudiges Ereignis und keines, für das man sich verstecken müsse. In den vergangenen Jahren sei das Wetter nicht so gut gewesen, es seien deshalb kaum Badegäste da gewesen. „Und die, die da waren, haben uns Applaus gespendet.“ Um so mehr sei man erstaunt, dass das Ereignis nun so eine Aufregung auslöste. Die Taufe habe nur eine halbe Stunde gedauert. „Keiner von uns hat sich irgendwas dabei gedacht“, so Fischer.

Im Europahaus an der Offenthaler Straße, wo die Jesus-Gemeinde ansässig ist, gibt es kein Taufbecken. Die Taufen fanden deshalb auch schon mit Genehmigung der Stadt Rodgau am Badesee in Nieder-Roden statt. Der Weg ins Dietzenbacher Freibad ist für die Täuflinge und ihre Angehörigen aber bequem. „Da können wir zu Fuß rübergehen.“

In der Jesus-Gemeinde denkt man nun über Änderungen nach. „Vielleicht besorgen wir uns ein kleines Becken oder gehen wieder an den See“, so Fischer. Die Pastorin entschuldigt sich auch bei Müttern, die angesichts der halbnackten Kinder im Freibad auf Facebook Bedenken wegen Fotos geäußert hatten. „Wenn es unbedingt gewünscht wird, löschen wir Bilder.“

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