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Dietzenbach Schüler helfen Schülern

„Schüler helfen Schülern“ – so heißt ein Verein, der derzeit im Kreis Offenbach in Gründung ist. Damit sollen Familien unterstützt werden, die ihren Kindern keine Nachhilfe bezahlen können. Schüler aus drei Städten stehen im Kreishaus als „Lehrkräfte“ zur Verfügung.

24.02.2016 08:12
Andrea Streb

Es ist ein eher ungewöhnlicher Ort für Nachhilfestunden: Im Sitzungsraum 1A10 im Kreishaus in Dietzenbach warten junge Leute, ausgestattet mit Lehr- und Wörterbüchern, auf ihre Schüler. Was hier ein etwas in die Irre führender Begriff ist, denn diejenigen, die dort sitzen, sind keine Lehrer oder Studenten – sie sind selbst Schüler. „Nachhilfe auf Augenhöhe“, nennt es Ahmed Khatib. Der Abiturient ist Mitinitiator von „Schüler helfen Schülern“, ein Verein in Gründung, den er mit Mitschülerin Victoria Masih ins Leben gerufen hat.

Ziel: Schülern im Kreis Offenbach Nachhilfe zu ermöglichen, deren Familien solche nicht bezahlen können. Khatib, Mahsi und ihre Mitstreiter haben bereits Erfahrung damit. An der Max-Eyth-Schule in Dreieich, wo sie das berufliche Gymnasium besuchen, organisieren sie seit eineinhalb Jahren Nachhilfe. Über die Kreisschülervertretung hat Khatib, der auch Schulsprecher an der Max-Eyth-Schule ist, die Idee an Schüler anderer Schulen weitergegeben.

„An unserer Schule hatten wir ein großes Feedback auf das Angebot“, sagt Khatib. Die Idee hatte ursprünglich Victoria Masih, die nach den Worten von Khatib selbst sehr viele Nachhilfeschüler hatte. Masih ist am Donnerstag im Kreishaus nicht dabei, in einer Mitteilung der Gruppe schreibt sie: „Wir möchten wirklich jedem Schüler und jeder Schülerin ein Recht auf Wissen beschaffen, denn jeder verdient es, die Mittel für seinen Weg zu bekommen.“

Zweimal die Woche bieten die ehrenamtlich engagierten Schüler ihren Mitschülern die Nachhilfe an. Dabei richten sie sich an alle Zweige der Max-Eyth-Schule – neben beruflichem Gymnasium auch Berufsschulen, Fachoberschule und Berufsfachschule. „Wir haben für alles Spezialisten“, stellt Khatib fest.

Wichtig an dem Angebot sei, dass es keine Verpflichtung gebe – man könne spontan zu den Terminen kommen. „Wer will, kann sich natürlich auch anmelden“, sagt er. Die Gruppe stehe zwar als „Lehrkraft“ zur Verfügung, aber man könne auch alleine oder mit den anderen gemeinsam lernen. Es gehe um einen Austausch, „denn auch wir lernen ja, wenn wir etwas vermitteln“, findet Khatib.

Nach den Erfahrungen an ihrer Schule und dem großen Interesse, auf das sie bei der Kreisschülervertretung stießen, entschlossen sich Masih und Khatib zu dem Versuch, die Nachhilfe kreisweit zu organisieren. „Wir wollen aus der Schule rauskommen, einen eigenen Ort haben.“ Neben den Max-Eyth-Schülern machen auch Schüler der Ernst-Reuter- und Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach, der Ricarda-Huch-, Heinrich-Heine- und Weibelfeldschule in Dreieich, sowie der Goetheschule in Neu-Isenburg mit.

Ob die Nachhilfeschüler auch dann kommen, wenn das Lernen nicht an ihrem Schul- oder Wohnort stattfindet, das will die Gruppe mit Probeterminen im Februar und März testen. Dabei war bereits der erste Termin ein Erfolg. „Mehr als 20 Schüler waren da“, sagte Khatib auf Nachfrage. Den Raum im Kreishaus hat die Gruppe über die Kreisjugendförderung bekommen.

Sie hoffen nun, Sponsoren zu finden, die ihnen eine dauerhafte Bleibe ermöglichen. „Etwa im Bildungshaus in Dietzenbach“, sagt der 19-Jährige. Die jungen Leute sind gut vernetzt, auch Unterstützung wurde schon zugesagt, etwa von der Bürgerstiftung Dreieich bei der Vereinsgründung. Diese sehen die Jugendlichen als nötig an, „um Spendenquittungen ausstellen zu können“, aber auch „um seriös aufzutreten“, erläutert der Schulsprecher.

Khatib und Masih machen in diesem Jahr Abitur. Wie es dann mit ihrem Verein weitergehe? „Ich mache auf jeden Fall weiter“, versichert der Abiturient, „das ist eine Herzenssache für mich.“ Er habe selbst in der Mittelstufe Probleme in der Schule gehabt, aber dann doch „die Kurve gekriegt“. Die Hilfe, die er sich seinerzeit selbst gewünscht hätte, will er nun anderen geben.

Nächster Probetermin im Kreishaus in Dietzenbach: Am Mittwoch, 24. März, 13 bis 17 Uhr, Raum 1A10.

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