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Dietzenbach Ratte Ludwig steht im Kreisel

Gegen alle Widerstände: Die Bronzeskulptur der Comic-Figur Ratte Ludwig ist im Steinbergkreisels in Dietzenbach aufgestellt und enthüllt.

Ludwig im Kreisel, umringt von Rattenfänger (l), „Goethe“ und Uschi Heusel. Foto: Monika Müller

Bis zu 800 Besucher waren gestern dabei, als Künstlerin Uschi Heusel zusammen mit allerlei Prominenz – „Asterix babbelt Hessisch“-Vater Jürgen Leber, Kabarettist Rainer Wagner oder Achim Frenz vom Frankfurter Caricatura-Museum – die neugestaltete Mitte des Steinbergkreisels enthüllt.

Der Hingucker ist „witzig, goldig, schön“, so jedenfalls die Kommentare einiger Besucher, knapp 1,63 Meter groß und rund 80 Kilo schwer: Die Bronzeskulptur der von Uschi Heusel kreierten Comic-Ratte hat es gegen alle Widerstände in die Kreiselmitte geschafft. Fast jeder Besucher möchte mit Ludwig, Heusel, dem Rattenfänger und einigen Comic-Figuren wie Obelix oder Popeye fotografiert werden. Zeitweise geht nichts im Kreiselbereich, die Besucher erobern sich die Straße. „Der Ludwig ist richtig süß geworden, zum Verlieben“, sagt eine Besucherin, während sie ihre Freundin davor fotografiert.

„So ein Bohei um die Figur war eigentlich nie geplant“, sagt Heusel. Doch je mehr die Skulptur um Ratte Ludwig ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet, desto größer musste auch das Eröffnungsfest werden. Aus Hamburg kamen Renate Sielke und George Maycock angereist, für deren Olm- und Molm-Rattenabenteuer Heusel die Illustrationen liefert.

Und da Heusel auch in Hameln ausstellte, kam auch Michael Boyer nach Dietzenbach. Der US-Amerikaner führt seit über 20 Jahren als Rattenfänger durch Hameln. „Hameln wirbt nachweislich seit über 100 Jahren mit Ratten – geschadet hat es unserer Wirtschaft nicht, im Gegenteil“, sagt er mit Blick auf die Kritik an der Ludwig-Statue. „Mit Ratten kann man Mäuse machen.“

Kritiker schweigen bei Aufstellung

Denn die Diskussion um die Statue näherte sich einer Provinzposse: Nachdem der Magistrat und Heusel im Dezember die Kreisel-Gestaltung vorstellten, fürchtete eine Bürgerinitiative, dass eine Ratte dem Ansehen Dietzenbachs schaden könnte. Besonders sensibel reagierten Politiker während des Kommunalwahlkampfes. Während einige sich demonstrativ für die Skulptur aussprachen, wollten andere sich aus Sorge um Wählerstimmen gar nicht äußern.

Am Sonntag schweigen die Kritiker, für Heusel gibt es immer wieder Applaus. „In Frankfurt dachten wir, der wird 48 Meter hoch, wir haben gedanklich schon die Flugrouten umgeplant“, flachst Jürgen Leber, der als Goethe auftritt. Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos) dankt allen Spendern für gut 15000 Euro für die Kreiselgestaltung. Denn der Kreisel sollte die Stadtkasse nichts kosten, Ludwig war von Heusel als Geschenk an ihre Heimatstadt geplant. Einen Teil der Kritik an der Gestaltung habe man aufgenommen und so für farbige Steine gesorgt, außerdem werde es eine schlichte Bepflanzung geben, sagt Rogg. „Ich wollte ursprünglich, dass der Kreisel pflegefrei wird“, sagt Heusel, doch habe sie nun der Bepflanzung zugestimmt.

Immer wieder muss Heusel ihre Comics oder Bilder unterzeichnen, dazu noch rund 150 Spendenurkunden für Förderer. Wer den Steinbergkreisel samt Ludwig mit nach Hause nehmen möchte, kann eins von 50 nummerierten Miniaturmodellen kaufen. „Jede Figur ist einzeln geknetet und signiert“, sagt die Künstlerin.

Die rot-weißen Kunststoffsteine, die dem 2012 eingerichteten Kreisel im Volksmund den Namen „Lego-Kreisel“ gaben, werden spätestens 2017 verschwinden. Aus dem Kommunalen Investitionsprogramm finanziert die Stadt den endgültigen Umbau der Kreuzung zum Kreisel – mit Ratte Ludwig als Blickfang in der Mitte.

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