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Dietzenbach Junge Flüchtlinge, glücklich im Job

Beispiele aus Dietzenbach zeigen, wie gut sich junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren.

Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge
Mustafa, Mohsen und Mujib (v. li. n. re.) haben einen Ausbildungsplatz gefunden. Foto: Rolf Oeser

Picobello ist sie aufgeräumt, die Wohnung in Dietzenbach, in der vier junge Flüchtlinge afghanischer Herkunft seit November 2016 zusammenwohnen. Na klar, wenn die Presse zu Besuch kommt! Aber das sei immer so, sagt Sandra Hansmann, die Leiterin des Jugendamts. Die Wohngruppe der jungen Männer, die 2015 unbegleitet, ohne Erwachsene, nach Deutschland kamen, funktioniere gut. Und auch die Flüchtlinge haben „gut funktioniert“: Alle vier haben Deutsch gelernt, eine Schule besucht und eine Ausbildung begonnen.

„Immer mehr junge Flüchtlinge können in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. Ohne sie könnten freie Plätze nicht besetzt werden“, sagt Kreissozialdezernent Carsten Müller (SPD). Drei von ihnen erzählten am Dienstag, wie sie sich in Deutschland integriert haben. Ihr Asylverfahren ist noch in der Schwebe, das Abschiebeverbot, das ihnen vor einem Jahr erteilt wurde, ist eigentlich schon abgelaufen. Sorge bereitet ihnen das aktuell noch nicht: Sie können für die Dauer ihrer Ausbildung eine Duldung erhalten, erklärt Müller. Danach haben sie sechs Monate Zeit, sich eine Arbeit zu suchen. „Wenn sie dann ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, dürfen sie bleiben“, so Müller. Noch ist das junge Quartett nicht so weit, noch schauen eine Erzieherin und eine Sozialpädagogin stundenweise in der Dietzenbacher Wohngruppe vorbei, noch zahlt die Jugendhilfe die Miete für die Wohnung.

Mustafa Rahimi, der seinen Hauptschulabschluss an der Georg-Kerschensteiner-Schule in Obertshausen mit der Note 1,4 gemacht hat, absolviert seit August beim Objektivhersteller Sigma in Rödermark eine Lehre als Fachkraft für Lagerlogistik. „Eine richtig gute Arbeitsatmosphäre“, schwärmt der 19-Jährige. Mustafa gehört der Ethnie der schiitischen Hazara an. Als er ein Kleinkind war, flüchteten seine Eltern aus Afghanistan in den Iran. „70 Prozent unseres Volksstammes sind von den Taliban getötet worden“, sagt er. Das Gefühl Heimat habe er noch nie erlebt. Zurück in den Iran? „Auf keinen Fall“, kommt es wie aus der Pistole geschossen – obwohl sein Vater noch dort lebt.

Mohsen Safari ist als 15-Jähriger ganz alleine aus dem Iran geflohen, hat seit zwei Jahren keinen Kontakt mehr zu seiner afghanischen Familie. Der 18-Jährige lernt Elektroniker bei dem Frankfurter Unternehmen KPV und ist einen ungewöhnlichen Weg gegangen: Er besuchte zwei Jahre lang die Waldorfschule, schloss mit einem sehr guten Notendurchschnitt ab. „Dort gab es keinen Deutschunterricht. Ich habe durch Freunde Deutsch gelernt“, sagt er. Hilfreich war dabei auch, dass er seit zwei Jahren zweimal pro Woche im Kinder- und Jugendzirkus Chicana in Dietzenbach trainiert. 

Mujib Ahmadi hat zwar an der Käthe-Kollwitz-Berufsschule in Offenbach keinen Abschluss geschafft, aber nach einem Praktikum hat ihm das Café Ernst in Neu-Isenburg trotzdem einen Ausbildungsvertrag angeboten. „Ich habe in Afghanistan bis zur 10. Klasse gelernt“, sagt der Sohn einer Lehrerin. Sein Arbeitgeber habe das anerkannt. Seit August 2017 lernt er nun Fachverkäufer in der Bäckerei. Sein großer Wunsch ist es aber, als selbstständiger Schneider ein eigenes Gardinengeschäft in Deutschland aufzumachen. Der Vater hatte schon eines in Afghanistan, der junge Mann hat bis zu seiner Flucht dort mit genäht.

Wohl fühlen sich alle hier. Mustafa wundert sich aber über die Deutschen. „Bei uns wird getanzt und gelacht. Die Deutschen sollten ein bisschen glücklicher sein, weil es hier einen hohen Lebensstandard gibt.“

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