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Altlasten der Ära Walter Kreis will Wohnungen verkaufen

Der Kreis Offenbach will damit beginnen, die 131 Wohnungen in Glienicke nördlich von Berlin, an denen er über mehrere Fonds beteiligt ist, nach und nach zu verkaufen.

Golfplatz im Resort Fleesensee. Hier machte der Kreis Verlust. Foto: dpa

Damit käme er zum einen einer Forderung des Regierungspräsidiums Darmstadt nach, die vor elf Jahren erworbenen Beteiligungen am „Sonnengarten Glienicke“ in Brandenburg sowie am Ferienresort Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern zu veräußern.

Auch die Kreispolitik ist sich nach jahrelangen, zahllosen Debatten und einem Akteneinsichtsausschuss nun einig über den Ausstieg aus den umstrittenen wie verlustbringenden Anlagen.

„Es geht nur noch um Schadensbegrenzung“, sagt Landrat Oliver Quilling (CDU). Noch im vergangenen Jahr hatte sein Amtsvorgänger Peter Walter (CDU) die vor elf Jahren getätigten Investitionen verteidigt und von Hysterie gesprochen.

Zunächst wird der Kreis laut Quilling in der Lage sein, 72 der 131 Wohnungen, für deren Anteile er einst 13,4 Millionen Euro hingeblättert hatte, auf dem Markt anzubieten. Weil ein anderer Anteilseigner seinen Zuschusspflichten nicht mehr nachkam, ist der Kreis jetzt alleiniger Besitzer von fünf der Fonds und kann die dahinterstehenden Immobilien somit ohne Zustimmung anderer verkaufen.

Weitere 53 Wohnungen hält er über zwei Fonds, in denen er Anteile von 74 und 82 Prozent hält. An den verbleibenden sechs Wohnungen ist er dagegen nur mit 16 Prozent beteiligt.

Der Kreis Offenbach hat zudem begonnen, ein Darlehen über 13,7 Millionen, mit dem die Anlage belastet ist, zu kaufen. Etwa die Hälfte ist bereits gezahlt, dafür verkaufte der Kreis nach Angaben von Quilling Wertpapiere.

Ende 2012 will der Kreis das Darlehen komplett von der Bank erworben haben. Er tritt also künftig anstelle der Bank als Kreditgeber auf und kassiert somit von den verbleibenden Anteilseignern Zinsen. Zudem erhält der Kreis auf diese Weise laut Quilling Mieteinnahmen von etwa 800?000 Euro im Jahr.

Die hohen Zuschüsse, die der Kreis bislang der Gesellschaft jedes Jahr zahlen musste, weil deren Kosten, also etwa die Zinsbelastung, die Mieteinnahmen deutlich überstiegen, entfielen dann, sagte Quilling. In den vergangenen zehn Jahren habe der Kreis 1,3 Millionen Euro solcher Zuschüsse gezahlt. Zuletzt seien es sogar 300?000 Euro pro Jahr gewesen.

Auch seine Anteile an der Anlage „Land Fleesensee“, zu der unter anderem ein Robinson Club gehört, will der Kreis verkaufen. Zunächst aber wird er ein Restrukturierungskonzept abwarten, das bis zu einer Gesellschafterversammlung im September vorliegen soll.

Ein neuer Beirat der Gesellschaft, dem für den Kreis der Rechtsanwalt Thomas Lazarus angehört, wirkt bei der Erstellung dieses Konzepts mit.

Quilling rechnet nicht mehr damit, dass der Kreis die einst überwiesene Anlagesumme von acht Millionen Euro vollumfänglich zurückbekommt. „Da gibt es nichts schönzureden.“ Er hoffe, einen Käufer zu finden, der bereit ist, mehr zu zahlen als einen symbolischen Preis, sagt er inzwischen. Im schlimmsten Fall jedoch, bei einer Insolvenz, bestehe die Gefahr, dass der Kreis auch die ihm von der Gesellschaft ausgezahlten 1,2 Millionen Euro verliert. Bei diesen, stellte Quilling nun klar, handelte es sich nämlich nicht um etwaige Gewinnausschüttungen. Sie stammten vielmehr aus dem Stammkapital der Gesellschaft.

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