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Alkohol Drogen Jugendliche Wie im Vollrausch

Beim KlarSicht-Parcours lernen Teenager etwas über Alkohol und Tabak.

23.01.2013 22:08
Juliane Mroz
Gigantische Zigaretten geben beim KlarSicht-Parcours in der Dietzenbacher Ernst-Reuter-Schule das Gesprächsthema vor. Foto: Andreas Arnold

Eine Gruppe Jugendlicher schart sich um eine hüfthohe Zigarettenschachtel. „Wer möchte mal ziehen?“ fragt Mirko Zinn. Er ist Mitarbeiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und betreut die Tabak-Station beim KlarSicht-Mitmach-Parcours. Der Parcours wurde von Mitarbeitern der Bundeszentrale entwickelt und tourt seit 2005 durch Deutschland. Vor Ort kooperieren die Macher mit lokalen Einrichtungen, in Dietzenbach unter Anderem mit der Ernst-Reuter-Schule, dem Suchthilfezentrum Wildhof und der Polizei.

Am gestrigen Dienstag und heute steht der Parcours in der Turnhalle der Ernst-Reuter-Schule. 300 Schülerinnen und Schüler der Ernst-Reuter-, Helen-Keller- und Rudolf-Steiner-Schule konnten mitmachen. Die Organisatoren der Aufklärungskampagne setzen auf spielerisches Vermitteln von Fakten statt auf den drohenden Zeigefinger.

Vollrausch durch Brille

Eine junge Frau zieht eine der riesigen Pappzigaretten aus der Packung, „E-Zigarette“ ist draufgedruckt. Es wird diskutiert, ob E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich sind als normale. „Für die Umgebung ja, aber der eigenen Gesundheit tut man damit trotzdem keinen Gefallen“, fasst Zinn zusammen.

Dann ertönt Van Halens Rockhymne „Jump“ und die Schüler laufen zur nächsten Station, dem „Drunkbuster“. Hier wird mit Hilfe einer verzerrenden Brille ein Vollrausch imitiert. Eine Schülerin schwankt mit Brille über den Parcours; als sie ein Bällchen aufheben soll, greift sie mehrmals daneben. Die Anderen lachen, doch auch sie müssen anschließend die Brille aufsetzen und machen ähnliche Erfahrungen. Die Message: Alkohol ist ein Gift, und so können sich die Vergiftungserscheinungen anfühlen.

Alkohol nicht verteufeln

„Es geht nicht darum, den Alkoholkonsum per se zu verteufeln. Wenn ich das mache, bin ich genau der Heini, den die Jugendlichen erwartet haben und den sie nicht ernst nehmen. Wir wollen stattdessen einen kritischen und bewussten Umgang mit Alkohol vermitteln“, sagt Peter Frech, der das Projekt im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung leitet. Dabei sei der Alkoholkonsum Jugendlicher in Dietzenbach ein geringeres Problem als anderswo, sagt Erster Stadtrat und Sozialdezernent Dietmar Kolmer (CDU): „Gut 80 Prozent der Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund, da ist Alkohol nicht so das Thema.“ Doch es gebe durchaus Migranten, die Alkohol trinken, wirft der Migrationsbeauftragte im Polizeipräsidium Südosthessen, Hüsamettin Eryilmaz, ein. Beim Thema Rauchen hofft Frech, dass sich möglichst viele Jugendliche für Abstinenz entscheiden.

„Ich hatte vorher schon den Gedanken, dass ich nicht rauchen werde, aber jetzt bin ich mir ganz sicher“, sagt die 13-jährige Ivana Blazevic. Und auch ihr vierzehnjähriger Mitschüler Patrick Weiterer fühlt sich in seiner Haltung bestätigt: „Ich fand, der Parcours war sehr gut aufgebaut, man hat sich immer auf eine Sache konzentriert. Ich hab ein bisschen mehr gelernt, zum Beispiel über Tabakkonsum, und denke, ein Glück, dass ich nicht rauche.“

Die Schule musste für den Parcours nichts bezahlen, sie stellte lediglich die Turnhalle und koordinierte die Helfer.

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