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Rüsselsheim Kampf gegen Zuglärm

Die lärmgeplagten Anwohner der Bahnstrecke durch Rüsselsheim können hoffen: Spätestens 2016 soll es Schallschutzwände und -fenster geben – finanziert vom Bund. Die Betroffenen wünschen sich aber eine frühere Umsetzung des Lärmschutzes.

06.11.2012 10:39
Die Anwohner der Bahnstrecke klagen seit langem über „erdbebenartige Erschütterungen“. Foto: Heinrich Schreiber

Noch vier Jahre müssen Rüsselsheimer Anwohner der Bahnstrecke Frankfurt-Mainz ungefilterten Bahnlärm ertragen – dann will der Bund Abhilfe schaffen. Spätestens ab 2016 sollen entlang von insgesamt 2,5 Kilometer langen Abschnitten der Schienenstrecke Schallschutzmaßnahmen greifen. Dies ist das Ergebnis eines Gesprächs von Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) und Vertretern der Stadt mit Vertretern der Bahntochter DB Projektbau.

Wie das Presseamt mitteilt, fordere die Stadt schon seit den 90er Jahren Schallschutzmaßnahmen für die Anwohner der Bahnstrecke. Nach Angaben der Stadt sollen nun „in vielen Teilen Rüsselsheims, insbesondere der Grabenstraße“ Schallschutzwände entstehen.
Rüsselsheim sei in das Programm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ aufgenommen. Darüber investiert der Bund seit 1999 jährlich 50 Millionen Euro, seit 2007 jährlich 100 Millionen Euro in den Schallschutz entlang der bundesdeutschen Bahnstrecken. Darin enthalten sind auch passive Maßnahmen wie Lärmschutzfenster in Verbindung mit Lüftern. Die Federführung liegt in den Händen der DB Projektbau GmbH mit Sitz in Berlin.

Die Familien Rothbarth und Otter, die am besonders belasteten Streckenabschnitt zwischen Alter Kirchgasse und Königstädter Straße wohnen, klagen schon seit Jahren über „unerträglichen“ Bahnlärm vor allem in den Nachtstunden, zu dem erdbebenartige Erschütterungen ihrer Häuser hinzukommen, ausgelöst von vorbeidonnernden Zügen.

Hans-Jürgen Rothbarth war es auch, der unter den Nachbarn im betroffenen Lärmschwerpunkt rund 30 Unterschriften für die Liste gesammelt hat, die Oberbürgermeister Burghardt jetzt an die Vertreter der Bahntochter weitergereicht hat. Zur Abhilfe in vier Jahren sagt Rothbarth lakonisch: „Vielleicht sind wir dann schon nicht mehr da.“

Burghardt hat nach eigenen Angaben auf die „Dringlichkeit der Maßnahmen“ hingewiesen und die Bahntochter darum gebeten, zu überprüfen, die passiven Lärmschutzmaßnahmen schon vor dem Jahr 2016 umzusetzen.
Die Kosten trägt der Bund

„Das soll er mal machen“, kommentiert dies Hans-Jürgen Rothbarth. Schalldichte Fenster und eine fensterunabhängige Belüftung seien insbesondere in den Sommermonaten mehr als sinnvoll, um den Lärm draußen zu halten.

Die bundesweite Gesamtkonzeption der DB Projektbau sieht Streckenabschnitte in einer Gesamtlänge von rund 3700 Kilometern vor. Die Gesamtkosten werden mit rund 2,5 Milliarden Euro beziffert. Nach Angaben der DB Projektbau seien bis Ende 2011 rund 1116 Kilometer fertiggestellt worden, das entspreche rund 30 Prozent des Sanierungsbedarfs.

Über die Priorisierung entscheiden Bund und Bahn gemeinsam. Politische Einflussnahme seitens der Kommunalpolitik zur Beschleunigung einzelner Maßnahmen ist nicht vorgesehen – sie kann aber dennoch erfolgreich sein, wie das Beispiel Raunheim zeigt. Die Nachbarstadt hat das der Einzelmaßnahme zugrundeliegende Schallgutachten entlang der Bahnstrecke schlicht unter eigene Regie und Kosten genommen – und so einen großen Schritt in der Prioritätenliste gemacht. Laut Aussage der DB Projektbau um rund ein Jahr. Die Bürgerinformation zum Auftakt der Baumaßnahmen steht bevor, die Terminabsprache ist anberaumt.

Währenddessen ist das Schallgutachten für Rüsselsheim gerade abgeschlossen worden. Über die Inhalte, wo und wie hoch eine Lärmschutzwand gebaut werden soll, wird in einer Bürgerversammlung im kommenden Jahr informiert. Dass nach Abschluss des Schallgutachtens so viel Zeit bis zur Umsetzung vergehe, liege an den jetzt anstehenden umfangreichen Vorplanungen und Genehmigungsverfahren, darunter etwa die Sperrzeitenvereinbarung mit der Bahn, teilt die Stadt mit.

Für die Sanierung der Schienenwege haben Bund und Bahn Lärmgrenzwerte festgelegt, die tagsüber (6 bis 22 Uhr) bei 72 Dezibel und in den Nachtstunden (22 bis 6 Uhr) bei 62 Dezibel liegen. (plu.)

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