Lade Inhalte...

Rüsselsheim Cappuccino vom Busfahrer

Justin Zongo ist Rüsselsheims beliebtester Busfahrer und inzwischen eine regionale Berühmtheit. Der 43-Jährige, der einen besonderen Draht zu Jugendlichen hat, eröffnet nun ein eigenes Café. Sein Traum ist aber eigentlich ein Fitness-Studio.

05.03.2013 21:58
Eigentlich träumt Justin Zongo von einem eigenen Fitness-Studio. Foto: Antonio Rodas

Justin Zongo, Rüsselsheims bekanntester Busfahrer, ist inzwischen ein richtiger Promi. Nun hat er in der Bahnhofstraße ein Café eröffnet, mit dem Ziel, Jugendlichen eine Anlaufstelle zu bieten.

Letzte Woche fragte seine Mutter: „Justin, wann kommst du denn endlich mal wieder nach Hause?“ Das würde Justin ja gerne. Aber „nach Hause“, das ist weit weg, an der Elfenbeinküste. Und er hat doch so viel zu tun in Deutschland.

Denn seit im Oktober 2011 das erste Mal über den freundlichen Busfahrer berichtet wurde, der unter den Fahrgästen so viel gute Laune verbreitet, ist die Justin-Zongo-Rakete nicht mehr aufzuhalten. Die Fernsehsender rennen ihm die Tür ein. HR, RTL, Vox, NTV. Vor zwei Wochen war er Gast bei Frank Elstner in der Sendung „Menschen der Woche“ im Südwestrundfunk. Und jetzt auch noch ein eigenes Café.

Interview bei Frank Elstner

Ein winziger Raum, dafür umso gemütlicher, mehr zum Stehen als zum Sitzen. Auf der Karte steht alles, was sich für ein Café gehört: Espresso, Cappuccino, Milch mit Zimt, Wasser, Cola, für den kleinen Hunger belegte Brötchen und Nachos. Die Öffnungszeiten müssen sich noch einpendeln, sagt der busfahrende Gastronom, der das Café zusammen mit seiner Lebensgefährtin Angelika Geist und einem Team von fünf Mitarbeitern betreut. Zunächst von sechs in der Früh bis 18 Uhr abends.

Justin Zongo bleibt bei den Stadtwerken als Busfahrer. „Doch immer, wenn ich frei habe, will ich hier sein“, sagt er. Dahinter steckt erneut die Idee, die sich wie ein roter Faden durch das Engagement des 43-Jährigen zieht: „Ich möchte die Jugendlichen zu mir holen. Damit sie von der Straße weg sind und keine Dummheiten machen.“

Frank Elstner, mit dem er nach der Sendung in Baden-Baden noch essen war, sei begeistert gewesen von seinem Engagement für die Kinder und habe ihn verabschiedet mit der Bitte „Mach weiter!“, erzählt Justin Zongo stolz.

Was der Mann mit der gestreiften Frisur, der inzwischen unter dem Label „Der schwarze und coolste Busfahrer“ auch als Rapper für Kinder und Jugendliche auftritt, sagt, das gilt. „Die hören auf mich“, berichtet er im Brustton der Überzeugung. Neulich habe er einen seiner jungen Fahrgäste nach Hause begleitet, um zwischen ihm und den Eltern zu vermitteln. Wenn Justin Zongo Schuleschwänzen uncool findet und zu einer soliden Ausbildung rät, dann hat das viel mehr Gewicht, als wenn die Mutter das sagt.

Ein Drittel der Einnahmen aus der Gastronomie will er in Projekte für Jugendliche investieren. Dabei ist das Café nur Plan B. „Plan A ist ein Fitness-Studio, wo die Jugendlichen Sport machen und sich austoben können“, verrät der fünffache Vater. Diesen Traum konnte er bislang noch nicht verwirklichen. Aber er arbeitet dran. Mit Sponsoren könnte es klappen, meint er.

Einen Hinweis auf seine Freude am Körpertraining gibt sein neues Auto, das über und über beklebt ist mit seinem Schriftzug vom „schwarzen und coolsten Busfahrer“ und fast lebensgroßen Bildern von ihm im knappen Fitness-Leibchen und mit ölglänzender Haut. Und dem Ausruf „Kuzi! Kuziii! Mua! Muaaaaa!!!“. Das heißt in der westafrikanischen Sprache More „Küsschen-Küsschen“, also „Liebe und Frieden“, erklärt Zongo. (vol.)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen