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Przewalski-Pferde Der Huf der Wildnis

Fünf Przewalski-Pferde pflegen das Naturschutzgebiet an der Kaserne. Fünf Stuten in Babenhausen an gekommen.

19.06.2014 19:13
Babenhausen
Zaghaft erkunden zwei der Stuten ihre neue Heimat. Foto: Melanie Schweinfurth

Entlang des Holzzauns reihen sich Fotografen auf, prüfen noch einmal die Einstellungen ihrer Kameras, bringen sich und ihre Ausrüstung in Position. Ob alle bereit seien, fragt Harald Fuhrländer vom Bundesforst, der neben einem grün-weißen Transporter steht. Denn: „Die Damen wollen ins Freie.“

Seit die amerikanischen Soldaten 2007 aus Babenhausen abzogen, ist die Beweidung des alten Truppenübungsplatzes mit Przewalski-Pferden in Planung. Nun sind fünf Stuten in Babenhausen an gekommen.

Als Harald Fuhrländer die Hecktür öffnet, kommen zwei helle Pferdeköpfe zum Vorschein, schwarze Augen blinzeln ins grelle Licht, versuchen sich zu orientieren. Mehr rutschend als gehend bewegt sich die erste Stute die Rampe hinunter. Halb verdeckt von hüfthohen Gräsern stürmt sie davon. Mitten im Lauf hält sie plötzlich inne, schaut zu den anderen Pferden zurück, die in schneller Folge aus dem Transporter kommen.

Acht Stunden Fahrt liegen hinter den seltenen und entsprechend wertvollen Tieren. Als letzte Urform des Wildpferdes sind die Przewalskis einzigartig. Der Transport sei das größte Risiko, da er mit großem Stress für die Tiere verbunden sei.

Nur 2000 Tiere weltweit

Ihr erstes Lebensjahr verbrachten die fünf Stuten im Züricher Wildpark Langenberg, wo sie in einer größeren Herde lebten. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz und heutigen Naturschutzgebiet hinter der Kaserne sollen die Pferde nun auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet werden. Ziel ist es, die Tiere eines Tages in den Steppen Zentralasiens auszuwildern. Nach „Hohe Warte“ in Gießen und „Campo Pond“ in Hanau gibt es mit Babenhausen nun das dritte „Trainingslager“ für Przewalski-Pferde in Hessen.

Eigentümerin des knapp 86 Hektar großen Geländes sowie der fünf Stuten ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) mit der Sparte Bundesforst. „Die Pferde sind aber vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) ausgewählt worden“, sagt Bundesforst-Mitarbeiterin Paulin Kammann. Von den beiden Zuchtlinien A (reinrassig) und B (Einkreuzungen) gebe es weltweit nur insgesamt etwa 2000 Tiere. „Die Gruppen müssen sehr sorgfältig zusammengestellt werden. Die einzelnen Tiere dürfen nicht zu nah verwandt sein, damit die genetische Vielfalt und damit die Art erhalten bleibt“, erklärt Kammann.

Besucherweg durchs Gelände

Das Artenschutzprojekt dient jedoch nicht nur dem Erhalt der Wildpferde. Die Tiere übernehmen ebenfalls eine wichtige Aufgabe, indem sie das heideähnliche Gelände auf natürliche Weise pflegen. Sie halten die Gräser kurz und die Fläche von Unterholz frei, lockern mit ihren Hufen die karge Erde und hinterlassen nach ausgiebigen Sandbädern Kuhlen im Boden, in denen später kleine Tümpel entstehen können.

Die fünf Stuten Wilma, Wanda, Wally, Wendy und Wera sind wild und sollen es auch bleiben. Anfassen ist nicht möglich, anschauen dagegen sogar erwünscht. 70 Hektar Freifläche und ein Teil des Waldes wurden mit einem stabilen Holzgatter und einem Elektrozaun eingefriedet, ein Paddock mit Wasserstelle errichtet. Durch das Gelände führt ein Besucherweg über eine Anhöhe mit Blick auf weite Teile des Naturschutzgebiets.

Das Projekt wird nicht mit Steuergeld, sondern über Ökopunkte finanziert. Den Löwenanteil hat die Adam Opel AG übernommen, die damit einen ökologischen Ausgleich für die Erweiterung ihres Testgeländes bei Dudenhofen schafft. eda

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