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Groß-Gerau Kein Giftmüll in Büttelborn

Erfolgreicher Bürgerprotest: Die umstrittene Bodenbehandlungsanlage auf der Büttelborner Kreismülldeponie wird nicht gebaut. Jetzt wollen die Riedwerke das Gelände kaufen und die Bauschuttaufbereitungs- sowie Beton- und Asphaltmischanlagen übernehmen.

11.08.2011 11:29
Gegen den Bau einer Bodenbehandlungsanlage gab es in der Bevölkerung breiten Widerstand. Foto: Heimann

Die umstrittene Bodenbehandlungsanlage auf der Büttelborner Kreismülldeponie wird nicht gebaut. Dies ist das Ergebnis der Aufsichtsratssitzung der Riedwerke am Mittwochvormittag. Nach Angaben von Landrat Thomas Will (SPD), der zugleich Vorsitzender des Zweckverbands ist, schlägt der Aufsichtsrat der Verbandsversammlung vor, der Firma Baustoffaufbereitung K & S (BKS) das ihr gehörende Gelände auf der Deponie abzukaufen.

Die BKS, eine hundertprozentige Tochter der mit vielen Kommunen in der Region verbandelten Meinhardt-Gruppe, wollte in Büttelborn unter anderem belastete Böden, Tank- und Bohrschlämme sowie Filterstäube aufbereiten. Nach seinem Bekanntwerden Ende April war das Projekt allerdings auf erheblichen Widerstand der Büttelborner Bevölkerung gestoßen.

In der Protestbewegung hatten sich Bürger, Naturschutzverbände, Bauern, Gewerbetreibende und Kirchen zusammengefunden. Gegner des Vorhabens sprachen von einem „Gift-Cocktail“, Landwirte fürchteten im Falle eines Unfalls auf der Bodenbehandlungsanlage um die Existenz. In unmittelbarer Nähe der Deponie werden beispielsweise Spargel und Erdbeeren angebaut.

Die Ende Juni gegründete Bürgerinitiative „Büttelborn 21 – kein Giftmüll in Büttelborn“, der inzwischen mehr als 300 Menschen angehören, hatte massiv gegen die Pläne mobil gemacht. Am Mittwoch zeigte sie auch vor dem Firmensitz der Riedwerke in der Groß-Gerauer Sudetenstraße Präsenz: Etwa 50 Demonstranten empfingen die Aufsichtsratsmitglieder mit Schildern und Transparenten, Landwirte waren mit ihren Traktoren vorgefahren. Für die Aufsichtsräte gab es jeweils ein Säckchen Büttelborner Kartoffeln – verbunden mit der Forderung, dafür zu sorgen, dass es auch künftig unbelastete Lebensmittel aus Büttelborn gibt.

Preis bei sieben Millionen Euro

Bereits nach rund 40 Minuten war die Aufsichtsratssitzung beendet, Landrat Will überbrachte den Demonstranten die von ihnen erhoffte Nachricht, die mit Jubel und Applaus aufgenommen werden. „Das ist ein wunderbares Ergebnis für Büttelborn“, kommentierte BI-Sprecher Armin Hanus die Entscheidung des Riedwerke-Aufsichtsrats.

Verhandlungstechnisch gingen die Lorbeeren an Landrat Will und dessen Team. Ohne den Einsatz der BI wäre die Angelegenheit wohl aber anders gelaufen, vermutete Hanus. Der Kreis setzte zuletzt in der Auseinandersetzung um die Bodenbehandlungsanlage auf eine einvernehmliche Lösung. Dies auch deshalb, weil die Anlage nach Einschätzung des Landrats aufgrund der Gesetzeslage „relativ gute Karten“ gehabt hätte, durch das Regierungspräsidium Darmstadt genehmigt zu werden.

Neben dem BKS-Gelände werden die Riedwerke auch die dort betriebenen Bauschuttaufbereitungs- sowie Beton- und Asphaltmischanlagen übernehmen. Sie sollen künftig in Regie der Riedwerke betrieben werden. Als neuer Eigner „werden die Riedwerke dort keine Anlage zur Aufbereitung von gefährlichen Stoffen einrichten“, versicherte Landrat Will.

Mit der Meinhardt-Gruppe als BKS-Eigner war in den vergangenen Wochen eine grundsätzliche Einigung über den Verkauf erzielt worden. Im Gespräch ist ein Kaufpreis von rund sieben Millionen Euro, den die Riedwerke aus eigener Kraft finanzieren sollen. Gebührenerhöhungen soll es wegen des Ankaufs nicht geben, hieß es bei der Kreisverwaltung. Die Riedwerke gehören zu 51 Prozent dem Kreis Groß-Gerau, die Städte und Gemeinden halten 49 Prozent. (mz.)

Der Kreisausschuss soll sich am Montag, 22. August, mit dem Thema beschäftigen, der Kreistag am 26. September. Anschließend könnte dann die Riedwerke-Verbandsversammlung endgültig über den Kauf entscheiden.

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