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Chili aus Hessen Zu scharf zum Pflücken

Kosten nur mit Vorwarnung: Der Nauheimer Heiko Schilling züchtet in seinem Garten mehr als 30 Chili-Sorten. Bei den besonders scharfen Sorten trägt er Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhe.

02.08.2010 13:16
Chilischoten Foto: ddp

Mit grünen und roten in vier Schärfegraden fing es an, inzwischen baut Heiko Schilling 34?Sorten Chili an. Ein ganzes Gewächshaus voll scharfer Früchtchen hat der Nauheimer, „es ist fast schon eine Sucht“, sagt er. Aus den Schoten wird entweder Chilipulver oder Soße. Bislang hauptsächlich für die Familie, Freunde und Bekannte. Chilis wachsen keinesfalls nur in Südamerika, „das klappt auch in unserem Klima hervorragend“, sagt der Hobbyzüchter, der eigentlich Schreiner ist. Seine meterhohen Pflanzen sprechen für sich.

Viele Schoten sind noch grün, andere zeigen sich schon farbenfroh, etwa die Sorte Bolivien Rainbow. Chilis würden in Deutschland immer beliebter, sagt Schilling. Sie seien immer häufiger in Supermärkten zu finden – ob als frische Chilis oder „heiße“ Soßen, als besonderer Pep wohl dosiert im Schokoladenriegel oder gemixt mit anderen Süßigkeiten.

„Meist sind nur die Sorten Peperoni oder Jalapeño bei uns bekannt, deren Geschmack eher an eine scharfe Paprika erinnert“, erklärt Schilling. Es gebe aber mehr als 600 Sorten. Manche Aromen hätten einen Hauch von Zitrone, Pfirsich, Limone oder Melone. „Ich würde behaupten, die Vielfalt gleicht dem Bouquet eines guten Weines.“ Bestimmte Sorten unterliegen wie Champagner, Wein, Cognac oder Käse einem Gebietsschutz. Auch der gesundheitliche Wert sei nicht zu verachten, preist der 40-Jährige sein Lieblings-Gewürz. Chilis und Paprika enthielten im Vergleich zu Zitrusfrüchten ein Vielfaches an Vitamin C. Für die Schärfe sorgt Capsaicin, das sich in Gesundheitspflastern, Sportsalben oder Nasensprays wieder findet. Chili senke zudem den Blutzuckerspiegel und fördere die Durchblutung. „Auch meine Blutwerte haben sich gebessert, seit ich viel Chili verzehre“, betont der Nauheimer.

Die Schärfe beziehungsweise das Capsaicin wird in Scoville-Einheiten gemessen. Die Skala reicht von Null bis 10+. Null entspricht einer Gemüsepaprika, 10+ erreichen die schärfsten Sorten der Welt, zum Beispiel Bhut Jolokia, Scotch Bonet oder auch verschiedene Habanero-Arten.

„Die Schärfeskala zeigt an, wie stark man das Capsaicin mit Wasser verdünnen muss, damit man von der Schärfe nichts mehr spürt“, erklärt der Züchter. Es sei auch nicht übertrieben, beim Verarbeiten von Chilis der Schärfe neun bis zehn eine Schutzbrille, Mundschutz und Handschuhe zu tragen. In den USA zählten die schärfsten Chilisorten sogar als Waffe. „Es ist strengstens verboten, sie mit in ein Flugzeug zu nehmen“, sagt Schilling. Man sollte also verantwortungsvoll mit dem Gemüse umgehen und die Schoten nicht leichtfertig und ohne Vorwarnung anderen zum Essen geben. Die Folge könne ein Kreislaufkollaps sein.

Pflanzen sind genügsam

Wem das Ganze zu feurig wird, kann die Samenkerne und das Gewebe im Inneren der Schote entfernen. Schillings Rat für alle, die zu viel gewagt haben: „Nie Wasser drauf trinken, das verstärkt nur das Brennen. Eher zu Milch, Käse oder Joghurt greifen.“

Der Anbau ist recht einfach, denn Chilis benötigen wenig Wasser. Trockenheit bedeutet für die Pflanze Stress, sie produziert dadurch noch mehr Capsaicin. Besonders wichtig sei aber eine gute Düngung, da Chilis viele Nährstoffe brauchen. Zeit zur Aussaat ist im März. Chiliheads, wie sich die Liebhaber selbst gerne nennen, fangen aber meist schon im Dezember an. Das nütze Sorten, die eine längere Reifezeit benötigten, etwa der sehr scharfen Gattung Capsicum Chinense.

Heiko Schilling hebt auch die Blütenvielfalt hervor: Für jeden Blumenliebhaber sei der Anblick ein Genuss. Mitte August bis Ende Oktober sei die schönste Zeit, wenn die Pflanzen voll mit Schoten in allen Farben hängen. (eda)

Mehr Infos zum Chilianbau und über Heiko Schilling stehen im Netz auf www.chilifreund.npage.de.

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