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Zumtobel Usingen Die Arbeitsplätze sind verloren

Bei einem Warnstreik bei Zumtobel Usingen werden bestmögliche Sozialoptionen für die Mitarbeiter gefordert. Die meisten arbeiten schon sehr lange für das Werk, im Schnitt seit etwa 25 Jahren.

Zumtobel-Protest am Werkstor in Usingen. Foto: Götz Nawroth

"Unsere Arbeitsplätze sind verloren“, sagt Gabriele Sandberg. Die Betriebsratsvorsitzende hat keine Hoffnung mehr, dass das Zumtobel-Leuchtenwerk noch eine Zukunft hat. Am Mittwochmorgen ließen die Mitarbeiter Wut und Verzweiflung freien Lauf, blockierten vorübergehend das Werkstor und traten in einen stundenlangen Warnstreik. „Profit vor Menschen? So billig lassen wir uns nicht abspeisen!“ ist auf einem großen Banner der IG Metall zu lesen.

Am Vortag hatte die Zumtobel-Geschäftsführung bekannt gegeben, dass die Gespräche mit Thomas Lorünser geplatzt seien. Der hatte offenkundig großes Interesse gehabt, den Standort zu übernehmen. Schon im Jahr 2013 hatte der Unternehmer aus Österreich bei Zumtobel eingekauft, damals sicherte er sich die auf LED-Lampen spezialisierte Firmentochter Ledon.

Laut Martin Weiss von der IG Metall hatte Lorünser zuletzt gegenüber der Usinger Belegschaft Optimismus versprüht, das Werk retten zu können. „Er war sich sehr sicher, und das hatte allen hier Mut gemacht.“ Auf Betreiben des Betriebsrates hin sei Zumtobel in das Verkaufsgespräch gegangen. Das habe für die Geschäftsleitung den Vorteil gehabt, so Weiss, dass es während der Verhandlungen keinen Arbeitskampf gegeben habe, obwohl der Ernst der Lage seit April klar sei.

Großes Bangen seit April

Laut Weiss werden in Usingen Aufträge bearbeitet, bei deren Nichterfüllung Zumtobel hohe Konventionalstrafen hätte zahlen müssen. Die Vermutung liege nahe, dass nur zum Schein verhandelt worden sei, eben um für Ruhe in der Belegschaft zu sorgen. Das hatte ein Zumtobel-Sprecher am Dienstag entschieden bestritten, sehr intensiv sei um eine Lösung gerungen worden.

Nun soll eine Einigungsstelle über Sozialpläne entscheiden und ein Datum für die Schließung des Werkes festsetzen. „Zumtobel soll zahlen“, betont die Betriebsratsvorsitzende Sandberg. Es gehe um die bestmöglichen Sozialoptionen für die Mitarbeiter. Die meisten arbeiten schon sehr lange für das Werk, im Schnitt seit etwa 25 Jahren. Entsprechend liegt der Altersschnitt bei über 50 Jahren, und entsprechend schlecht sind die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz, mit dem ein Auskommen bis zur Rente möglich ist.

„Es geht hier auch um viel mehr als um die 145 Arbeitsplätze“, sagt der ehrenamtliche Usinger Stadtrat Michael Hahn von der SPD. „Da hängen Familien dran, es sind sehr viele Menschen. Für sie alle ist das bitter.“

Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Elke Barth und der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Schabedoth halten die Schließung für eine „fatale Entscheidung“. Statt Arbeitsplätze zu sichern wolle sich Zumtobel aus der Verantwortung stehlen. Die bisherige Informationspolitik sei „fragwürdig“, der Umgang mit Mitarbeitern „unglaublich“.

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