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Wiederansiedlung Bedrohte Nager an der A5

Zwischen Steinbach und Burgholzhausen sollen die im Opel-Zoo aufgezogenen Feldhamster ausgesetzt werden.

Feldhamster
Die Feldhamster, die im Opel-Zoo herangewachsen sind, sollen später im Vordertaunus ausgesetzt werden. Foto: Uwe Anspach (dpa)

Wie viele Feldhamster es in der Rhein-Main-Region noch gibt, können weder Opel-Zoo-Kurator Jörg Beckmann noch Dieter Selzer von der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises genau beziffern. Groß sei das Aufkommen jedenfalls nicht mehr, sagt Selzer; es handele sich um „die Letzten ihrer Art“. Wurde der Feldhamster in den 1950er Jahren noch intensiv als Schädling bejagt, so sind die für ihn geeigneten Lebensräume durch die moderne Landwirtschaft so sehr geschrumpft, dass er inzwischen zu den bedrohten Arten zählt.

Auch für den Hochtaunuskreis gibt es keine genauen Zahlen. Immerhin kann Selzer das hiesige Verbreitungsgebiet recht gut eingrenzen. Feldhamster gibt es demnach nur noch auf dem landwirtschaftlich genutzten Streifen zwischen den Vordertaunuskommunen und der Autobahn 5 von Steinbach bis Friedrichsdorf-Burgholzhausen.

Dort sollen auch die Feldhamster ausgesetzt werden, die im Programm von Hochtaunuskreis und Opel-Zoo aufgezogen werden. „Ohne Unterstützung der Freilandpopulation brechen die Bestände endgültig zusammen“, sagt Dieter Selzer voraus.

Nun plant allerdings die Stadt Frankfurt ausgerechnet in einem Teil dieses Gebietes einen neuen Stadtteil. Könnten die geschützten Nager ihr dabei einen Strich durch die Rechnung machen? Nein, sagt Mark Gellert, Referent von Stadtplanungsdezernent Mike Josef (SPD). Selbst wenn dort eine Feldhamster-Population festgestellt werde, spreche das nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung.

Derzeit laufen die vorbereitenden Untersuchungen für das Projekt – und dazu gehöre neben Gutachten zu Klima, Wasserschutz und Lärm auch eines zum Artenschutz, erläutert Gellert. Dabei werde sich dann auch herausstellen, ob es auf dem Planungsareal Hamster gibt. Sollten die Voruntersuchungen zu dem Ergebnis kommen, dass der Stadtteil gebaut werden kann, würden diese Prüfungen in den dann nötigen Bebauungsplanverfahren noch vertieft.

Auch wenn dabei Feldhamster-Vorkommen entdeckt werden, sei das noch kein „No Go“ für den Stadtteil. Schließlich sei nicht gesagt, dass die Tiere bis zum tatsächlichen Baubeginn noch am gleichen Standort lebten. So sei auch auf dem Riedberg zunächst eine Population entdeckt worden, die später nicht mehr vorhanden war. Sollte das dennoch der Fall sein, könne man die Tiere aber auch zur Not an eine andere geeignete Stelle umsiedeln, so Mark Gellert.

Wo die Feldhamster aus dem Opel-Zoo genau ausgesetzt werden, entscheiden weder der Zoo noch der Hochtaunuskreis, erklärt Dieter Selzer. Die Genehmigung dafür erteile die Obere Naturschutzbehörde und damit das Regierungspräsidium in Darmstadt. Entscheidend sei, dass auf dem entsprechenden Areal die für den Hamster nötigen Lebensbedingungen vorhanden seien.

Am besten sei ein Ackerbau auf kleinen Parzellen mit einem alternierenden Anbau von etwa Getreide, Luzerne und Kartoffeln. Hilfreich seien außerdem Blühstreifen und Ackerränder, an denen die Landwirte das Getreide länger stehen lassen, so Selzer. Sie dienen den Tieren nicht nur als Futter, sondern auch als Deckung. Darüber hinaus sollten die Bauern auf tiefes Pflügen verzichten. Er habe mit den betroffenen Landwirten bereits über das Aussiedlungsprojekt gesprochen, teilt Selzer mit. Die meisten von ihnen seien dafür sehr offen gewesen.

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