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Waldfriedhof Bad Homburg Pflegeleichte Gräber

Auf dem Waldfriedhof in Bad Homburg soll ein Friedwald im Kleinformat angelegt werden. Die Nachfrage nach dieser Form der Bestattung ist groß.

21.12.2011 22:44
Martina Propson-Hauck

Wenn man beim Tod von Angehörigen Individualität früher nur in der Wahl des Grabsteins und dessen Inschrift zeigen konnte, gehen die Wünsche zur Bestattung heute meist weiter. „Auch wenn die meisten Menschen sich zum Schluss doch immer noch für ein klassisches Reihen- oder Urnengrab entscheiden, werden heute immer mehr alternative Bestattungsarten gewünscht“, sagt Susanne Fafflok, die im Rathaus für die Friedhofsverwaltung zuständig ist. Viele ältere Menschen wollen ihre Angelegenheiten zu Lebzeiten regeln und Angehörigen die Last der Grabpflege ersparen. Andere haben nicht genug Geld für ein teures Reihengrab und die anschließende Pflege. Kinder, die sich häufig darum kümmern, leben oft weit entfernt von ihren Eltern.

Deshalb soll es auf dem Waldfriedhof ab dem nächsten Sommer auch eine Art kleinen Friedwald geben. Im Waldstück, das man vom Hintereingang aus den Hang hinunter erreicht, sollen 200 Grabstellen zwischen rund 100 Bäumen entstehen.

Dort sollen Urnen anonym oder nur mit einem Namensschild an einer zentralen Skulptur beigesetzt werden können. Die Lage der Grabstätte zwischen den Bäumen oder direkt an einem bestimmten Baum wird mit den Angehörigen besprochen.

Der „Wald des Lichts“, so der Titel für diesen Friedhofsabschnitt, soll Baumgräber erstmalig auch in Bad Homburg möglich machen. Der Oberurseler Künstler Hendoc hat bereits die zentrale Skulptur aus heimischem Eichenholz entworfen. An deren kubischem Sockel sollen die Namensschilder der Toten befestigt werden. Obenauf thront eine symbolische Flamme, ebenfalls aus Holz, aber vergoldet. Für die Skulptur und die nötigen Arbeiten auf dem Friedhof will der Fachbereich rund 15 000 Euro ausgeben. Was eine Bestattung im „Wald des Lichts“ kosten soll, ist noch nicht festgelegt.

Für Menschen ohne Angehörige in der Nähe, die ein Grab pflegen können, soll diese Art der Bestattung interessant sein. Sie wird vermutlich auch kostengünstiger ausfallen. Im Herbst hatte die Verwaltung bereits sogenannte Urnenstelen als alternative Form für die Bestattung vorgestellt. In Oberursel ist ein solcher Friedhain bereits 2007 an der Waldlust angelegt worden, kürzlich auch in Bommersheim. Die Kosten sind dort genauso hoch wie für ein herkömmliches Urnengrab.

Auch besondere Grabmale auf dem Waldfriedhof will die Stadt jetzt wieder besser erhalten. In Zusammenarbeit mit Lokalhistorikern und Kennern der Sepulkralkultur ist eine Liste von Gräbern erstellt worden, die kulturhistorisch bedeutsam und optisch auffällig sind oder in denen Größen der Stadthistorie begraben liegen. Rund 150 hat man auf dem Waldfriedhof und den Stadtteilfriedhöfen gezählt. darunter sind etwa die Gräber von Karl Weber, dem kinderlosen Arzt, auf dessen Stiftung die Webersiedlung zurückgeht, oder die Grabstätte der Familie Seebohm mit einem imposanten Marmorrelief.

Nach Ablauf des Nutzungsrechts durch die Familien der Verstorbenen – und wenn dieses nicht verlängert wird – will sich die Stadt um diese Gräber kümmern. Einige Grabstätten sollen dann auch als Gemeinschaftsgrabanlagen genutzt werden. Für all diese Möglichkeiten muss jetzt die Friedhofssatzung geändert werden.

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