Lade Inhalte...

Villa Reimers Die Kühe des Generals

Was heute hinter Zäunen verborgen und von scharfen Hunden bewacht ist, war vor Jahrzehnten ein wichtiger Schauplatz deutscher und internationaler Geschichte.

Villa Reimers Foto: Stadtarchiv Bad Homburg

Erbaut von dem Bad Homburger Fabrikanten Werner Reimers, diente Haus Hohenbuchen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs als Domizil führender US-amerikanischer Militärs und Politiker. 1951 berieten hier Dwight D. Eisenhower, Konrad Adenauer, Hochkommissar John McCloy sowie die ehemaligen Generäle Heusinger und Speidel über eine Wiederbewaffnung Deutschlands.

Es verwundert, dass außer Bahnhof, E-Werk oder Essigfabrik auch drei Wohnhäuser in den Routenführer aufgenommen worden sind: Villa Teves in der Tannenwaldallee, Villa Reimers am Wingertsberg und Haus Hohenbuchen. Die herrschaftlichen Wohnstätten seien Ausdruck der Verbundenheit mit der Stadt, so Ursula Grzechca-Mohr. Die Unternehmer hätten nicht nur in der Kurstadt produziert, sondern auch gewohnt.

Reimers, Begründer und langjähriger Leiter des Getriebeherstellers PIV, erwarb 1928 das weitläufige Gelände an der Herderstraße. Zehn Jahre später hatte er dort ein Wohngebäude hochgezogen, umgeben von einem Park und mit Blick ins Sülzertal. Der alte Baumbestand blieb erhalten, neu gepflanzt wurden Azaleen und exotische Gehölze. Heute befindet sich das Anwesen im Besitz eines amerikanischen Investmentbankers – und darf weder betreten noch fotografiert werden.

Dass die seit 83 Jahren bestehende PIV – abgeleitet aus dem englischen „Positive Infinitely Variable“ – zur lokalen Industriegeschichte gehört, ist selbstverständlich. 1945 wurde die Firma von der US-Militärregierung beschlagnahmt, Chef Reimers wurde als NS-Mitglied von Haus und Hof verbannt. Nach Auskunft des ehemaligen PIV-Angestellten Gerhard Grübel sollte die Produktion demontiert werden – was von dem eingesetzten Treuhänder jedoch verhindert wurde. Seit 2002 gehört die PIV Drives GmbH zu einer italienischen Firma.

General Eisenhower, damals Oberbefehlshaber in Europa, wählte die Reimers-Villa im Mai 1945 zu seinem Wohnsitz. In das voll möblierte Haus brachte er Billiardtisch, Katze und Hund mit. Seine Kühe konnte der General in dem Parkareal weiden lassen. Von „französischen Türen“, einem „wunderschönen Blumengarten“ mit Teich und Treibhaus ist die Rede. Nach Eisenhowers Auszug lebten hier verschiedene hochrangige Offiziere – während auch die Oberbefehlshaber der anderen Besatzungsmächte in Homburg logierten: Engländer in der Villa Teves, Franzosen in der Villa Pauly. Die Familienangehörigen von Kommissar McCloy waren die letzten US-Gäste in Hohenbuchen, das in jenen Jahren auch „Haus am Wald“ genannt wurde. Von 1949 bis 1952 spielte Ellen McCloy, die fließend Deutsch sprach, eine wichtige Rolle im sozialen Leben Homburgs. Sie sammelte Spenden, sorgte für die Neueröffnung des Flersheimstifts und war Mitglied im städtischen Frauenverband.

Das Ehepaar Reimers hatte an dem Wiederbezug des Hauses kein Interesse mehr – längst hatte man am Wingertsberg neu gebaut. 1953 wurde Haus Hohenbuchen an den Verband der Deutschen Automobilindustrie verkauft, der es fast vier Jahrzehnte als Geschäftssitz nutzte.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen