Lade Inhalte...

Usingen/Neu-Anspach Zehn Hektar unter Strom

Erdfunkstelle liefert bald 4,4 Megawatt

14.07.2012 22:52
Klaus Nissen

Die größte Solarstromanlage des Kreises wird in den nächsten Wochen auf dem Gelände der Erdfunkstelle bei Merzhausen gebaut. Sie soll spätestens am 30. September die ersten Kilowattstunden ins Netz einspeisen. Einen Meter über dem Boden werden 18500 Module nach Süden ausgerichtet. Bei optimalem Sonnenschein liefern sie rund 4,4 Megawatt Strom – etwa so viel wie ein Groß-Windrad der neuesten Generation.

Die Strommenge reicht für die Versorgung von etwa 1300 Haushalten aus, rechnen Steffen Wernard und Klaus Hoffmann vor. Die CDU-Bürgermeister von Usingen und Neu-Anspach bringen das Projekt mit den städtischen Expertinnen Suat Bischoff und Mirjam Matthäus auf den Weg. Die Anlage wird zehn Hektar Grasland im nördlichen Teil der Erdfunkstelle bedecken. Das Land gehört je zur Hälfte den Städten Usingen und Neu-Anspach. Südlich der Funkstation soll die Solarstromanlage ab dem Herbst um 3,9 Hektar erweitert werden.

Ursprünglich wollten die beiden Städte die rund neun Millionen Euro teure Anlage selbst finanzieren und betreiben. Das sei ihnen angesichts der schwankenden Vergütungssätze aber zu riskant geworden, sagt Neu-Anspachs Verwaltungschef Klaus Hoffmann. Die Städte kassieren nun jeweils rund 25000 Euro Jahrespacht vom künftigen Anlagenbetreiber und hoffen auf zusätzliche Gewinnsteuern.

Auf die Ausschreibung des Projekts meldeten sich 28 Interessenten, so Usingens Bürgermeister Wernard. Den Zuschlag erhielt in dieser Woche die Firma F&S solar concept aus Euskirchen. Sie hat nach eigenen Angaben seit 1988 rund 1500 Solaranlagen gebaut und zählt 350 Mitarbeiter.

Der Betreibervertrag zwischen den beiden Städten und F&S wird nun ausgehandelt. Darin muss das Unternehmen den Bürgern der Region Beteiligungen am Solarpark ermöglichen. Vor dem Bau muss der Kampfmittelräumdienst das ganze Gelände von Munition aus dem Zweiten Weltkrieg befreien. Das Gelände war einst ein Feldflugplatz mit Munitionsbunkern, die später gesprengt wurden. Die Kosten der Altlastenbeseitigung schätzen Wernard und Hoffmann auf 675000 Euro, die der Investor bezahlen soll und dann vom Bund zurückfordern kann. Der Aufwand lohne sich, so die beiden Bürgermeister. Denn auf Konversionsflächen bekommt der Solarstromproduzent 20 Jahre lang 18,76 Cent pro Kilowattstunde. Wenn die Anlage erst im Oktober den ersten Strom liefert, gibt es eine um 15 Prozent verringerte Einspeisevergütung.

Im Vergleich zu diesem Projekt wirken die bisher im Kreis arbeitenden Solarkraftwerke winzig: Die erste Freiflächenanlage arbeitet seit Anfang 2010 auf dem Areal der ehemaligen Saarwerke in Grävenwiesbach. Sie liefert maximal 450 Kilowatt, genug für 150 Haushalte. Ebenfalls im Besitz der kreiseigenen Rhein-Main Deponie GmbH ist das Solarfeld auf der Müllhalde von Brandholz bei Usingen. Dieses leistet laut Hersteller 1,1 Megawatt. Das sind rund eine Million Kilowattstunden im Jahr, genug für rund 300 Haushalte. Die neue Anlage an der Satellitenstation ist viermal so groß.

Unter den neuen Modulen sollen Schafe das Gras kurz halten. Mitten im künftigen Solarpark betreibt die Firma Media Broadcast weiter ihre mit Parabolantennen und Glasfaserkabeln vernetzte Sendestation für Fernseh- und Kommunikationssignale. Media Broadcast hat laut Hoffmann signalisiert, dass sie nicht das ganze 14-Hektar-Grundstück brauche.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen