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Schloss Kransberg macht dicht

Usingen Letzte Veranstaltung ist der Weihnachtsmarkt morgen / Viele Besitzer in 758 Jahren

Auf Schloss Kransberg verlöschen die Lichter. Zum Ende dieses Jahres wird die Betreibergesellschaft Schloss Kransberg (BGSK) das 18 000 Quadratmeter große Anwesen im Taunus verlassen. Die Mietverträge sind gekündigt, die Kleinfirmen aus der IT-Branche, die in den ehemaligen Stallgebäuden ihre Büros betrieben, müssen raus. Trauungen und Festgesellschaften wird es hier vorerst nicht mehr geben, auch keine Turmbesteigungen und Bunkerbesichtigungen. Die letzte Gelegenheit zum Besuch des Schlosses ist am morgigen Samstag der Weihnachtsmarkt des Kransberger Kindergartens im Innenhof. Die Türen zum prächtigen Rittersaal sollen dann noch einmal geöffnet werden, sagt die BGSK-Geschäftsführerin Kirsten Minten.

Aktuelle Besitzerin der 18 000 Quadratmeter großen Anlage ist Hmcs - Gesellschaft für Forderungsmanagement aus dem norddeutschen Laatzen. Sie hat die Immobilie 2007 ersteigert. Geschäftsmann Klaus Landefeld, der Anfang 2000 das Schloss gekauft hatte und ein "Gründerzentrum für den Nachwuchs" aufbauen wollte, musste sich damals von seiner Idee verabschieden. Die Laatzener Firma gibt keine Auskünfte zur künftigen Entwicklung.

Ein weiteres Kapitel der Schlossgeschichte wird damit beendet. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1250, unterschrieben von Erwinus de Cranichesberc, der Burg und Dorf seinen Namen gab. Der Kranich, sein Wappentier, schmückt bis heute das Gemeindeschild Kransbergs. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die Herrscher des Raubritternests auf dem harten Felskamm in bunter Reihenfolge: Falkensteiner und Eppsteiner hatten das Sagen, gefolgt vom Haus Königstein, den Grafen zu Stolberg und dem Erzbischof von Mainz. 1654 übernahm die Bassenheimer Familie Waldbott für 50 000 Gulden den gesamten damaligen Bezirk Cransberg. Vom Zerfall bedroht, kam die Burg im Oktober 1853 in den Besitz des Herzogtums Nassau. Nach 1866 kam der Staat Preußen - und weiter rieselte der Putz. Ein Baron von Biegeleben kaufte das marode Anwesen und renovierte es 1875 im neugotischen Stil.

1939 wurde dann Emma von Scheitlein enteignet - die Freifrau musste dem Nazi-Regime weichen. Das machte aus dem Schloss eine Außenbastion des nahen "Führerhauptquartiers Adlerhorst" in Ziegenberg - inklusive unterirdischer Bunkeranlagen. Nach 1945 residierten hier Briten, deutsche Geheimdienstler und auch US-Soldaten.

1993 nahm Ulrike Brandis, eine Enkelin der letzten Besitzerin, den Komplex wieder in Besitz und führte ein offenes Haus, in das die Dorfbewohner freien Zutritt hatten. Unterhaltung boten Kammermusik-Abende und Jazz-Frühschoppen. Dann wurde das Geld knapp. Die Heizkosten im Winter und die ständig nötigen Reparaturen überforderten das Budget.

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