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Saisonstart im Hessenpark (2) Kräuterweib und Landbriefträger

Authentische Kostüme und hessisches Gebabbel: Landbriefträger Rudi und die Kräutermarie führen Besucher durch den Hessenpark.

15.03.2010 00:03
Der Amtmann weiß, was die Leute bewegt. Foto: FR/Oeser

"Kräuterweib" mag sie eigentlich nicht heißen. Lieber Kräutermarie, weil es vom Weib bis zur Hexe gedanklich nicht weit ist, und dann lodern auch schnell die Hexenfeuer. Da schüttelt es einen nur beim Gedanken daran. Wenn man dann auch noch rote Haare wie die Kräutermarie im Hessenpark hat und von den magischen Kräften des Osterwassers erzählt oder den Heilkräften von Spitzwegerich und magnesiumhaltigen Gänseblümchen...

Bis zum Herbst wird die Kräutermarie jeden Monat einmal im Outfit des Kräuterweibes vergangener Tage mit interessiertem Gefolge durchs Gelände ziehen und dabei wahrscheinlich mehr zum Präsentieren haben als beim Auftakt gestern im kalten Taunuswind auf sumpfigem Geläuf. Schauspiel- und Kostümführungen gehören fest ins Programm der Saison 2010, etwa ein Rundgang mit Landbriefträger Rudi, der einfach alles weiß und viel aus dem Dorfleben erzählen kann.

Das können auch der Schulmeister Frickel und die Franziska, während sich der Amtmann dezent zurückhält, wenn die beiden in historische Kostüme gewandeten Theaterleute das Leben im Dorf in Sprichwörtern und Redewendungen zusammenfassen.

"Dem Volk aufs Maul g´schaut" haben sie und können deshalb eine ungefähr halbstündige Konversation über die Ereignisse im Dorf und die Befindlichkeiten seiner Bewohner ausschließlich mit Floskeln bestreiten, die zumindest ältere und mittelalte Semester aus dem Sprachschatz ihres familiären Umfeldes mit Sicherheit noch kennen.

Dass der Herr Müller georgelt haben soll, noch bevor die Kirche angefangen hat, gehört schon zum derberen Sprachgebrauch. Wenn´s dann auch noch mit der Bauerstochter war, die davon einen zunehmenden Mond bekommen hat, dann wird´s Zeit, dass die Eltern ihre Tochter unter die Haube bringen. Denn noch hängt der Himmel voller Geigen, ehe der Herr Müller nach der Pfeife der Bauerstochter tanzen wird, bis er schließlich den Löffel abgibt...

Osterwasser muss übrigens in der Nacht zum Ostersonntag an einer Quelle gezapft werden. Um seine volle Wirkung zu entfalten, ist es dringend geboten, beim Marsch zur Quelle und zurück zu schweigen. Die Kräutermarie wird es genau erklären, wenn sie bei genügend Interesse eine Osternachtwanderung anbietet. (jüs)

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