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Opel-Zoo in Kronberg Die Hamster-Retter

In einer neuen Anlage im Opel-Zoo in Kronberg (Hochtaunus) werden Feldhamster aufgepäppelt und gezüchtet, um sie wieder auszusetzen.

Tiere in Hessen
Feldhamster machen sich gerne rar - eine Glaswand im Opel-Zoo gibt Einblicke in den Bau der Nager. Foto: Renate Hoyer

Das Glück, einen Feldhamster in freier Wildbahn zu beobachten, hat man nur selten. Auch er habe das noch nicht geschafft, sagt Jörg Beckmann. Dabei ist der 36-Jährige immerhin studierter Wildbiologe, Kurator des Opel-Zoos – und damit zuständig für die jüngst eröffnete Feldhamsteranlage in dem Tierpark bei Kronberg.

Zehn Hamster leben inzwischen in dem neuen Domizil, das sich in Nachbarschaft zum Elefantenhaus befindet. Doch im Gegensatz zu den Dickhäutern haben die possierlichen Nager auch als Zootiere nicht gerade das Zeug zur Publikumsattraktion: Feldhamster sind nachtaktiv und halten darüber hinaus einen langen Winterschlaf. „Wenn die Besucher im Zoo sind, werden sie meist nicht zu sehen sein“, bedauert Opel-Zoo-Direktor Thomas Kauffels. 

Glaswand gewährt Einblicke 

Um die Möglichkeit zu schaffen, dass man die Tiere dennoch zu Gesicht bekommt, haben die Zoo-Mitarbeiter in dem neuen Hamsterhaus eine Glaswand eingebaut; durch sie erhält man Einblick in die selbstgegrabenen Baue der Nager. Für Leben auf der Anlage sorgt derweil eine Gruppe Europäischer Ziesel, die auch tagsüber durch ihr Gehege wuseln. Was aber auch nur noch wenige Wochen währen wird – denn Ziesel, eine Hörnchenart, verschlafen genauso wie die Hamster die Wintermonate in unterirdischen Höhlen.

Wildlebende Ziesel gibt es in Deutschland gar nicht mehr. „Wir hoffen, dass wir einen Beitrag leisten können, sie wieder anzusiedeln“, sagt der Vorsitzende der Zoo-Stiftung, Gregor von Opel. Falls die Tiere im kommenden Frühling Junge bekommen, sollen diese aber zunächst einmal in ein Ansiedlungsprojekt nach Tschechien gebracht werden, kündigt Jörg Beckmann an. 

Der Nachwuchs der Feldhamster hingegen soll direkt die heimische Population ergänzen. „Wir wollen mit der neuen Anlage zur Rettung der bedrohten Tierart beitragen“, betont Gregor von Opel. Schließlich gehören Feldhamster, die von Landwirten früher als Plage angesehen wurden, inzwischen zu den heimischen Tieren, deren Bestand akut gefährdet ist.

Die Idee zu der neuen „Auffang- und Zuchtstation“ im Opel -Zoo hatte der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde im Bad Homburger Landratsamt, Dieter Selzer. Er habe im Heidelberger Tierpark eine ähnliche Anlage gesehen und habe daraufhin Thomas Kauffels gefragt, ob er sich das auch in seinem Zoo vorstellen könne. Bei einem gemeinsamen weiteren Besuch in Heidelberg sei dann die Entscheidung gefallen: Wir machen das.

Die Kosten seien überschaubar gewesen, sagt Kauffels. Das Gebäude sei zum großen Teil von den eigenen Handwerkern errichtet worden. Lediglich für die naturgetreuen Felsen habe man eine Spezialfirma engagiert. 180 000 Euro musste der Zoo insgesamt für Fremdleistungen aufwenden; davon hat der Zoo-Förderverein 60 000 Euro beigesteuert, 10 000 Euro stammen vom Hochtaunuskreis, außerdem haben sich mehrere private Spender beteiligt.

Für die geplante Zucht sorgen soll zunächst einmal ein bereits erwachsenes Hamsterpärchen, das im für das Publikum zugänglichen Teil der Anlage lebt. Allerdings jedes Tier für sich auf einem streng abgetrennten zwei Quadratmeter großen Bereich. „Feldhamster sind Einzelgänger“, erklärt Jörg Beckmann. Würde man sie gemeinsam in einem Gehege halten, wäre die Gefahr groß, dass sie sich beißen und verletzen.

Im kommenden Frühjahr werde man allerdings versuchen, die beiden Hamster zusammenzuführen und zur Paarung zu bewegen. Dabei sei großes Fingerspitzengefühl nötig. „Wir müssen erst einmal genau beobachten, wie die Tiere aufeinander reagieren“, so Beckmann.

Bis dahin dürften sich auch die Käfige in der Auffangstation gefüllt haben, die für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Derzeit befinden sich darin acht Jungtiere, die ebenso wie die älteren Hamster aus der Nähe von Gelnhausen stammen. Die Jungtiere sollen über den Winter im Opel-Zoo aufgepäppelt und im kommenden Jahr wieder ausgesetzt werden.

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