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Opel-Zoo Elefanten Ein neues Heim für Elefanten

Eigentlich sollen Elefanten nur in freier Wildbahn leben, doch dort werden sie getötet. Zoos weltweit versuchen, die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. Der Opel-Zoo hält Elefanten artgerecht in einem neuen Elefantenhaus. Die Eröffnung wird am Wochenende gefeiert.

Die neue Elefantenanlage im Kronberger Opel-Zoo ist offiziell eröffnet. Foto: Michael Schick

Eigentlich sollen Elefanten nur in freier Wildbahn leben, doch dort werden sie getötet. Zoos weltweit versuchen, die Tiere vor dem Aussterben zu bewahren. Der Opel-Zoo hält Elefanten artgerecht in einem neuen Elefantenhaus. Die Eröffnung wird am Wochenende gefeiert.

Die, um die es wirklich geht, haben ihren Auftritt zuletzt. Als alles gesagt ist, alle Worte der Anerkennung, des Dankes, der Hochachtung; als alle Sponsoren mindestens einmal erwähnt sind, kommt er, Tamo, der junge Bulle des Opel-Zoos Kronberg.

Unter vielen Ahs und Ohs und Applaus der geladenen Gäste betritt der afrikanische Elefant sein neues Außengehege. Angelockt von ein paar leckeren Ästen wagt sich der Jungbulle auf das sanft abfallende Gelände. Ganz vorsichtig setzt das bereits über zwei Meter große Tier seine Füße. Alles okay. Jetzt schnell zum Futter und ab damit in eine stille Ecke unterhalb des hoch aufragenden Sambesi-Restaurants auf dem Elefantenhaus.

„Der kommt schon noch runter“, kommentiert Uta Westerhüs, Tierärztin des Opel-Zoos, zuversichtlich von der anderen Ecke der weitläufigen Anlage. „Schüchtern ist der nicht.“ In ein, zwei Wochen ist auch das Bullengehege fertig, dann dürfen die drei Elefantendamen mal raus ins Freie. Erst wenn sich die Tiere durch den Zaun hindurch „berüsselt“ und angefreundet haben, geht es gemeinsam auf die 7700 Quadratmeter große Fläche.

Tamo ist erst im April aus Wuppertal hergezogen, der junge Mann soll in ein paar Jahren, mit neun wird man als Elefant geschlechtsreif, erklärt die Tierärztin, auch für Nachwuchs sorgen. Seine WG-Kolleginnen in Kronberg können bei diesem Vorhaben leider nur noch Tanten werden, bedauert Zoodirektor Thomas Kauffels. Für die Zucht braucht es jüngere Damen. Die Kronbergerinnen waren noch nie Mutter und mit etwa 30 kann man als Elefantin nicht mehr mit dem Kinderkriegen anfangen. Schade.

Auch wenn fast jeder Festredner am Eröffnungstag Tamo, Kauffels und dem Zoo Fruchtbarkeit wünschte, ist dieses Projekt erst einmal nachrangig. Gestern ging es um das, was gerade geschafft war: das Großprojekt einer artgerechten Erneuerung des Elefantengeheges.

Direktor bekommt Lorbeeren

Viele Gäste hatte der Zoo geladen. Unter knalliger Sonne standen sie nun in zoounüblich feinem Tuch und Hut und feierten, was einen langen Atem gebraucht hatte. Für Gregor von Opel, den Vorsitzenden der von Opel Hessischen Zoostiftung war der Tag ein „entscheidender Moment“, den er mit jenem im Leben seinen Vaters Georg verglich, als er Anfang der 50er Jahre beschloss, vier verwaiste Elefanten aus Afrika mit in den Taunus zu nehmen.

Sein Vater, erinnerte sich der Sohn, habe damals befürchtet, „dass ihm die Elefanten das Haus wegtragen könnten“. Jetzt hätten sie eines hergetragen. Einer hätte dafür unglaublich viel geleistet: Direktor Thomas Kauffels.

Kauffels bekam die meisten Loorbeeren an diesem Nachmittag, die er seinerseits großzügig weiterverteilte an Mitarbeiter, Mäzene, den Förderverein, die Banken, Architekten, Landschaftplaner, Baufirmen und – ganz besonders – seine Tierpfleger. Diese hätten die Elefanten nämlich seit Beginn der Bauarbeiten im April 2012 bei Laune gehalten und den Umzug der Tiere gemanagt, inklusive einiger Nachtschichten.

Welche Bedeutung die neue Anlage und der Zoo in Kronberg in der wissenschaftlichen Welt haben, zeigt ein Blick in die Gästeliste. Viele Zoo-Fachleute sind darunter, zwei davon beglückwünschten den Kollegen Kauffels vor dem Mikro zu seinem Zoo und dem Elefanten-Projekt. Jörg Junold, Präsident des Weltzooverbandes und Direktor im Zoo Leipzig, berichtet vom Anspruch der Besuchter, eine artgerechte Tierhaltung vorzufinden. Man möchte Tiere „authentisch erleben“, aber auch „ein gutes Gewissen haben“. Zoos leisteten Pionierarbeit in der Forschung, die auch bedrohten Tierarten in ihren Ursprungsländern zugute komme.

Zoo als Wirtschaftsfaktor

Theo Pagel, Zoodirektor in Köln und Präsident des Verbandes Deutscher Zoodirektoren, erklärt die Arbeit, die die Zoos bei der Zucht von Reservepopulationen weltweit leisten. Auch der Opel-Zoo habe sich um bedrohte Arten verdient gemacht, zum Beispiel den europäischen Nerz oder die Wildkatze.

Und die Zoos leisten noch mehr. „In den Zoo gehen alle“, sagte Pagel, sie sind ein wichtiger Ort der Begegnung zwischen Mensch und Tier, hier finde ein großes Maß an Bildung statt. Und wieder ging ein Lob an den Opel-Zoo für sein pädagogisches Programm.

Ein Zoo ist auch Wirtschaftsfaktor, ein Tourismus-Ziel. Das gefiel Ministerpräsident Volker Bouffier, Schirmherr des Elefanten-Neubaus und gestern ebenfalls auf der Gästeliste. Er sei schwer beeindruckt, sagte der CDU-Politiker, von der Kraft und Zielstrebigkeit, ein solches Vorhaben ohne einen einzigen öffentlichen Cent Zuschuss umzusetzen. 11.2 Millionen brutto hat das Gehege gekostet.

Bouffier rügte die Pläne Zoo-kritischer Initiativen, die per Gesetz die Haltung von Großtieren verbieten lassen wollen. „Für die drei Damen und den jungen Herrn“ sei hier eine gewiss artgerechte Heimat geschaffen worden, sagte Bouffier.

Die zitierten drei Damen hielten sich gestern vom Rummel fern und blieben in ihrem neuen Haus. Der Sandboden ist gut für ihre Füße, die neuen Boxen machen es ihren Pflegern leichter, sie zu versorgen. Apropos versorgen: In sicherem Abstand zu dem gewaltigen, dreieinhalb Meter hohen Stahlzaun üben Kinder den Karottenweitwurf. Aruba, Wankie und Zimba warten geduldig, bis die Distanz mal geschafft ist. Direktor Thomas Kauffels werden von seinen Kollegen die gleichen Charaktereigenschaften nachgesagt, wie man sie auch bei seinen größten Schützlingen findet.

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