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Oberursel Zu Gast im alten Hessen

Das „Alt-Oberurseler Brauhaus“ ist eines der schönsten Wirtshäuser des Landes. Selbstverständlich hat es deshalb auch in dem Buch „Zu Gast im alten Hessen“ seinen Platz. Die ehemalige Denkmalamt-Mitarbeiterin Monika Muhlack berichtet darin über charaktervolle Gast- und Weinstuben.

Stadtführerin Marion Unger kennt die Historie des ehemaligen Palais Pfeiff in der Ackergasse - heute als Brauhaus bekannt. Foto: Martin Weis

Es hört nie auf“, sagt Thomas Studanski. Der Wirt des „Alt-Oberurseler Brauhauses“ blickt zur Decke, wo das alte Lehm-Stroh-Gemisch zum Vorschein kommt. Hier, im ehemaligen Bankett-Vorraum, beginnen in wenigen Wochen die Sanierungsarbeiten. Die Fenster der Hofseite sollen mit Beginn des neuen Jahres getauscht werden, auf dem Dach der angrenzenden „Brennbar“ werden gerade die Ziegel abgeräumt. Seit nunmehr 14 Jahren wird in dem barocken Palais an der Ackergasse nach Vorgabe der Denkmalpflege renoviert und instand gesetzt.

Alle Gast- und Schauräume sind indes aufs Herrlichste fertiggestellt – und machen den 1726 in langgestrecktem Schwung errichteten Bau zu einem der „50 schönsten historischen Wirtshäuser“ im Lande. „Zu Gast im alten Hessen“ nennt sich ein Buch, in dem die ehemalige Denkmalamt-Mitarbeiterin Monika Muhlack charaktervolle Gast- und Weinstuben zwischen Hirschhorn und Bad Karlshafen versammelt.

Es sind die letzten ihrer Art – „das große Sterben der traditionellen Landgasthöfe hat eingesetzt“ –, markant ins Bild gesetzt von Amtsfotografin Christine Krienke. Aus dem Hochtaunuskreis wurden neben dem Brauhaus auch der „Landgasthof Saalburg“ und „Zum Adler“ im Hessenpark ausgewählt. Aus gutem Grund macht die Oberurseler Stadtführerin Marion Unger – zugleich auch Vorsitzende des Vereins für Geschichte und Heimatkunde – gerne Halt vor dem barocken Herrensitz, der seit 1767 als gastliche Stätte dient.

Das Äußere mit seinen 21 Fenstern und dem roten Mansarddach ist durchaus ansehnlich – wird aber von den prächtig gestalteten Innenräumen noch übertroffen. „Alleine die Treppenanlage“, so Unger, „ist außergewöhnlich.“

Reich verziert und in steinerner Dreiläufigkeit führt sie ins Obergeschoss, wo sich die Zimmerflucht des Hofkammerrats Anton Pfeiff erstreckt. „Sahneräume“, in denen Paradiesvögel über die Wände flattern und Cäsarengesichter aus den Ecken lugen. Seltene Stuckzier, die von einem einheimischen Künstler stammen soll und unter Schichten von Tapeten und Ölfarbe verschwunden war.

Entdeckt wurde der ganze Reichtum als die Wirtsfamilie Studanski vor zwei Jahrzehnten Einzug hielt. Bei laufendem Betrieb und getragen von einem „mit Herzblut“ agierenden Team konnte das Gebäude in mehreren Bauphasen dem einstigen Erscheinungsbild zugeführt werden. Die bisherige Sanierung, so Thomas Studanski, bewege sich in einem siebenstelligen Kostenrahmen. Dass im steten Rhythmus die vom beweglichen Fachwerk verursachten Wandrisse ausgebessert werden müssen, gehört längst zum Alltag.

Nach all den Mühen lässt sich trefflich tafeln: Schmor- und Schweinebraten, Sauerkraut und Salzkartoffeln werden begleitet von den in eigenen Kesseln gebrauten Bieren mit schäumenden Namen wie „Orscheler Urtrunk“ oder „Sankt Ursula Doppelbock“. Das alles ist Gegenwart – was aber wurde aus dem Erbauer Pfeiff? Von den Einwohnern gehasst, verließ der kaltherzige Kurmainzer Kammerrat den Taunus und siedelte sich im nahen Frankfurt an. Dort, so Marion Unger, habe er sich schließlich vollends verspekuliert und sei im Armenhaus gestorben.

„Zu Gast im alten Hessen“ von Monika Muhlack; 184 Seiten mit Abbildungen; Euro 19,90; Volk Verlag München; ISBN 978-3-86222-138-7.

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