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Oberursel Videoeinsatz bei Schreikindern

Wenn Kleinkinder sich merkwürdig verhalten, können Oberurseler Eltern städtische Experten einschalten. Die rücken mit moderner Technik an. Von Jonathan Vorrath

24.09.2009 00:09
Jonathan Vorrath
In seiner Trotzphase lässt manches Kind die Eltern verzweifeln. Foto: dpa

Eben hat der Vater noch mit seinem Sohn gespielt. Jetzt diskutiert er intensiv mit seiner Frau und schenkt dem Dreijährigen keine Beachtung. Der Kleine sitzt etwas verloren mit seinem Spielzeug da und wird unruhig. Im Hintergrund laufen zwei Kameras und nehmen jede Regung des Kindes und seiner Eltern auf.

Was sich anhört wie die Beschreibung eines Filmsets, ist in Wirklichkeit die neue Früherkennungsmethode der Elternberatung Oberursel in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Basel. "Es geht darum, frühkindliche Funktionsstörungen bereits im Kindesalter von null bis drei Jahren zu erkennen", erklärt Inken Seifert-Karb von der Elternberatung. Eltern können in zehn kostenlosen Sitzungen herausfinden, warum ihr Kind beispielsweise viel schreit, nicht richtig isst oder nicht schlafen kann.

Bei der sogenannten Split-Screen-Technik wird beobachtet, wie das Kind auf den Vater und die Mutter reagiert und wie es sich verhält, wenn sich keiner kümmert. Anschließend wird die zwanzigminütige Sitzung ausgewertet. Da oftmals Eltern mit einem bereits auffälligen Kind in die Beratungsstelle an der Hospitalstraße in der Altstadt kommen, ist eine anschließende Eltern-Säugling-Therapie nicht selten.

Diese Methode der Split-Screen-Technik ist Teil des Projekts "Früherkennung von Belastungssitutionen in der frühesten Eltern-Kind-Beziehung zur Vermeidung seelischer Fehlentwicklungen im Säuglings- und Kleinkindalter". Oberursel ist für das Konzept der Elternberatung für Familien mit Säuglingen Modellkommune.

"Angesichts der Fälle von Kindesmisshandlung in den letzten Monaten, wird die Arbeit der Elternberatung immer wichtiger. Deshalb sind die bereitgestellten Haushaltsmittel für die Elternberatung gut investiertes Geld in die Zukunft unserer Stadt", begründet Erster Stadtrat Dieter Rosenttreter das besondere Engagement der Stadt.

Während vielerorts daran gespart wird, gibt es in der Brunnenstadt seit 90 Jahren ein kostenfreies Beratungsangebot für Familien mit Säuglingen. In einer von der Elternberatung in Auftrag gegebene Meinungsumfrage beurteilen 99 Prozent der Befragten das städtische Angebot als "sehr gut".

Finanziert wird das Projekt durch Fördermittel des Landes Hessen, der Hertie-Stiftung, des Lionsclubs und der Stadt. Außerdem werden die 5000 Euro Preisgeld, die die Elternberatung 2002 für den "Präventionspreis Frühe Kindheit" erhalten hat, in das Projekt investiert.

Informationen und Kontakt: www.oberursel.de oder 06171/585358.

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